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Erdige Töne im Besenstrich

Neubau einer Internatsschule in Freiburg-Waldsee
Erdige Töne im Besenstrich

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Aus dem ehemaligen Barockkloster Kartaus in Freiburg wurde eine internationale Internatsschule. Peter Kulka hat das aufwendig sanierte Ensemble um ein Wohndorf für Schüler und Lehrer ergänzt und behutsam in die Topografie einpasst. Durch das erdige Farbkonzept wirken die acht Schüler- und vier Lehrerhäuser wie ein gewachsenes Bergdorf.

Das in eine Waldlichtung in Freiburg-Waldsee eingebettete Kartäuserkloster hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Gegründet 1346, wurde die Anlage Anfang des 16. Jahrhunderts um Kirche und Refektorium erweitert. Nachdem das Kloster im 30-jährigen Krieg verwüstet worden war, wurde es als barocke Dreiflügelanlage wiederaufgebaut. Nach der Säkularisation fiel es an den Staat, 1894 erwarb es die Heiliggeiststiftung, die es als Altenheim betrieb. Als die Stiftung die Kartause 2008 aufgab, waren die Gebäude in ruinösem Zustand – eine Sanierung für den Weiterbetrieb als Pflegeheim wäre zu teuer gewesen.

Nach einer Interimsnutzung als städtisches Kunstdepot erwarben es 2011 die Robert Bosch Stiftung und die Bosch GmbH, um dort das erste „United World College“ (UWC) in Deutschland zu gründen. Das UWC Robert Bosch College basiert auf einem einzigartigen Schulkonzept: Junge Menschen aus aller Welt und aus allen sozialen Schichten leben und lernen zwei Jahre lang gemeinsam in einem Umfeld, das Toleranz, interkulturelle Verständigung, Frieden und Gerechtigkeit fördert. Sie legen das weltweit als Hochschulzugangsberechtigung anerkannte „International Baccalaureate“ ab.
Sorgsam neu ergänzt
Für den Schulbetrieb wurde die denkmalgeschützte Barockanlage vom Freiburger Büro hotz + architekten aufwendig saniert und um ein gläsernes Auditorium mit Mensa und Küche ergänzt. Um die historische Substanz der Kartaus zu bewahren, arbeiteten die Planer in enger Absprache mit der Denkmalpflege des Regierungspräsidiums Freiburg zusammen. Eingebettet in die Topografie des Hanges, entstanden zudem nach den Plänen des Kölner Büros Peter Kulka Architektur ein Wohndorf mit acht Schüler- und vier Lehrerhäusern.
Im Tal der Dreisam bilden die vorhandenen Gebäude mit den am Hang hochwachsenden Lehrer- und Schülerwohnhäusern das „Dorf am Mühlkanal“. Die Neubauten am Hang nehmen die Maßstäblichkeit und freie, offene Anordnung der Bestandsgebäude auf. Für Schüler- und Lehrerhäuser wurden Typologien entwickelt, die auch differenzierte Wohnbedürfnisse zulassen. Schüler wohnen in Gruppen zusammen, die Lehrer können variabel wohnen. In den dreigeschossigen Schülerhäusern teilen sich je vier Schüler aus unterschiedlichen Ländern ein Zimmer, pro Wohnetage sind drei Zimmer wie die Flügel einer Windmühle um den Treppenkern angeordnet.
Die Gemeinschaftsebene, erkennbar an der Eckloggia und dem großen querliegenden Fenster, befindet sich je nach Hanglage des Hauses im EG oder im 2. OG. In den Zimmern gibt es auf einer Längswand einen Einbauschrank. Ins Fußende der Bettkojen sind Regale integriert, jeder Schüler hat seinen eigenen Schreibtisch und Stuhl. Die Einbaumöbel wurden von den Deutschen Werkstätten Hellerau gefertigt. Das Leben findet in den Gemeinschaftsräumen und im Freien statt, für Hausaufgaben gibt es Räume in der Schule – nur so war es möglich, die Häuser so kompakt zu halten. Die zweigeschossigen Lehrerhäuser bieten jeweils zwei getrennte Wohneinheiten, die Lehrer wohnen dort einzeln, in Wohngemeinschaften oder mit ihren Familien.
Die Neubauten entsprechen dem Freiburger Standard für energetisches Bauen, auch die historischen Gebäude wurden energetisch angepasst. Ein Blockheizkraftwerk und eine Photovoltaikanlage versorgen das Wohndorf mit Wärme und Strom im Sinne der College-Ausrichtung auf Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit.
Umsetzung von zwölf Neubauten
Obwohl die Häuser von ihrer Kubatur her auf den ersten Blick gleich aussehen, ist jedes unterschiedlich und je nach Hanglage direkt aus dem Gelände oder über eine Brücke erschlossen. Bei allen zwölf Neubauten hat die Veeser Putz Stuck Trockenbau GmbH & Co.KG ein Wärmedämm-Verbundsystem von Brillux sowie die Innenputz- und Trockenbauarbeiten für Wände und Decken ausgeführt. Beim Auditorium und dem historischen Altbau wurde ein Innenputz angebracht, wobei insbesondere bei der Klosterkartause, dem Pförtnerhaus und dem Personalhaus Denkmalschutzauflagen bezüglich der Materialauswahl berücksichtigt werden mussten.
Bei den Neubauten kam Silicon 918 als Fassadenfarbe auf Siliconharzbasis zum Einsatz, geeignet für Wasser abweisende und wasserdampfdiffusionsfähige Fassadenanstriche auf allen tragfähigen Untergründen, speziell auf organisch gebundenen Putzen im WDV-System. Silikat-Finish 1811 wurde als Silikatfarbe für hoch wetterbeständige, diffusionsfähige Egalisierungsbeschichtungen speziell auf mineralischen Putzen und Anstrichen gewählt. Mit dem Mineral-Leichtputz G 3679 in Kratzputzstruktur aus mineralischen Bindemitteln für dekorative wetterbeständige Schlussbeschichtungen in den Brillux WDV-Systemen wurde die Besenstrich-Struktur hergestellt. Die rillenartige, natürlich anmutende Putzstruktur Besenstrich sorgt je nach Tageslicht für Schatteneffekte auf der Fassade. Je nach Druckausübung und Verlaufsrichtung bei der Verarbeitung entstehen unterschiedliche Fassadenoptiken. Der Putz wird mit einer speziellen, einreihigen Bürste strukturiert.
Eine Herausforderung für Verarbeiter und Maschinentechnik stellte die Topografie des Bauvorhabens durch steile Zugangswege dar: Bedingt durch die extreme Hanglage konnten die Lagerflächen nicht wie sonst üblich vor dem Gebäude eingerichtet werden. Stattdessen musste das Material für 24 cm-Dämmstärke just-in-time an den Hang transportiert werden.
Prägendes Farbkonzept
Gestalterisch beschränkten sich die Architekten auf wenige Mittel, die den Häusern Plastizität verleihen: den groben, vertikal aufgebrachten Besenstrichputz in gedeckten Farben, die glatt geputzten Faschen und das Spiel der unterschiedlich großen Fenster. Dadurch, dass die einzelnen Volumina zueinander leicht verdreht und über mäandernde Wege miteinander verbunden sind, wirkt kein Haus wie das andere – und das Ensemble wie ein gewachsenes Bergdorf.
Prof. Peter Kulka und Katrin Krüger, Peter Kulka Architektur: „Unser Wettbewerbsbeitrag sah ursprünglich vor, den Schülern des technikorientierten Robert Bosch Colleges zu zeigen, wie Bauen funktioniert: Dazu wollten wir auf dem Schulcampus je ein Holz-, Ziegel-, Lehm-, Stein-, Putz- und Betonhaus errichten. Alle Konstruktionsweisen haben in Freiburg und Umgebung Tradition.
Aus Budgetgründen haben wir uns für eine konventionelle Bauweise – ausgemauertes Betonskelett und verputztes, außenliegendes Wärmedämm-Verbundsystem – entschieden und dabei versucht, die intendierte unterschiedliche Anmutung der Häuser über das Farbkonzept zu transportieren; wir arbeiten sehr gern mit Farben. Die Skala aus einem gebrochenen Weiß, einem aus dem Ocker entwickelten Gelbton, einem erdfarbenen Braun und Betongrau sollte sich einerseits in die Natur und die umgebende Landschaft einfügen und andererseits zu den kubischen Häusern unseres ‚Schülerdorfs‘ passen. Verputzt wurden die Häuser mit einem groben vertikalen Besenstrich-Putz.“
Architekten Neubau Schüler-/Lehrerdorf:
Peter Kulka Architektur Köln
Sanierung, Neubau Mensa und Auditorium:
hotz + architekten,Freiburg
Bauleitung:
Wörner Architekten, Stuttgart
Tragwerksplanung:
ahw Ingenieure, Münster
TGA-Planung:
Stahl + Weiß, Freiburg (Bauphysik & Energiekonzept), Krebs Ingenieurbüro, Ditzingen (Mechanikplanung HLS der Gebäude), Planungsbüro für Elektro-technik Rieker GmbH, Schwaikheim (Elektroplanung Gebäude)


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