Neubau Vertriebs- und Technologiezentrum in Ludwigsburg

Dynamisch ansteigend

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Als neue Unternehmenszentrale wurden für den Werkzeugdienstleister Hahn + Kolb ein modernes Logistikzentrum und ein Verwaltungsgebäude als Glaskörper in auffälliger Geometrie errichtet. Die Schrägfassaden und Dachflächen sind teils begrünt und mit Photovoltaikelementen ausgestattet, was besondere Anforderungen an die Dachabdichtung stellte.

Fehlende räumliche Kapazitäten am alten Standort in Stuttgart-Feuerbach erlaubten dort keine bauliche Erweiterung des wachsenden Handelsunternehmens und Systemlieferanten für Werkzeuge, Maschinen und Betriebseinrichtungen Hahn+Kolb. In Ludwigsburg wurde ein neues, insgesamt 48 000 m² großes Grundstück gefunden und ein neuer Unternehmenskomplex gebaut. Die Neubauten fallen durch ihre außergewöhnliche Geometrie auf: Von Süden nach Norden dynamisch ansteigend, mündet das knapp 20 m hohe Vertriebszentrum in einem kristallinen Glaskörper. Die nach Norden gerichtete, bis zum Boden reichende Dachfläche dient zudem als Freitreppe zum Loungebereich im ersten Obergeschoss. Eine Besonderheit sind die um 45° – ebenfalls bis zum Boden geneigten – Südfassaden, welche vollflächig mit Photovoltaikelementen bestückt sind. Aus statischer Sicht ist die individuelle Geometrie des Vertriebs- und Technologiezentrums Herausforderung und beispielhafte Lösung gleichermaßen:

Die massiven Schrägfassaden sind architektonische Besonderheit und zugleich die fundamentalen Elemente des Tragwerks.
Wie auch die restlichen Dachflächen wurden diese Steilfassaden mit Kunststoffbahnen aus dem Hause Sika Deutschland abgedichtet.
Abwechslungsreiche Dachbegrünung
Die insgesamt 3 600 m² große Dachfläche aus Beton teilt sich auf sechs unterschiedliche Einzelflächen auf. Zunächst wurden auf allen Flächen bituminöse Dampfsperren und Wärmedämmungen angebracht. Bei den waagrechten Hauptdachflächen setzte man anschließend die Kunststoffbahn Sarnafil TG 66–20 von Sika ein. Da diese Dächer im Anschluss intensiv und extensiv begrünt wurden, musste die Dachabdichtung hier besonderen Anforderungen entsprechen: Sie ist in hohem Maße gegen Wurzeln, Rhizome und mechanische Einwirkungen beständig, daher eignet sich die FPO-Kunststoffdachbahn Sarnafil besonders für Auflastdächer mit Begrünung. Sie ist aus flexiblem Polyolefin, weichmacherfrei, langlebig und recycelbar und trägt somit zur Nachhaltigkeit auf dem Dach bei. Die Dachabdichtung wurde lose verlegt, bevor abschließend gepflanzt wurde – Sedum auf der extensiv begrünten Dachfläche und auf der intensiv begrünten Dachfläche verschiedene Bäume, Sträucher, Stauden und Lavendel. Die insgesamt 1 650 m² große Dachbegrünung passt optisch zur großen Grünzone mit einheimischen Bäumen und Biotopen auf dem Gelände.
Am Stück verlegt
Die Steilfassaden an der Südseite des Verwaltungsgebäudes mit einem Neigungswinkel um 45° war eine besondere Aufgabe für den Berliner Dachdeckerbetrieb Dachland GmbH. Die Dachdecker mussten angeseilt arbeiten und eine spezielle Schutzausrüstung tragen. Vor allem bei der Nahtverbindung mittels Heißluftverschweißung kam es auf eine zuverlässige Sicherung der verwendeten Geräte und der Dachdecker an. Um auch in einer Höhe von bis zu 20 m beste Verlegeleistung zu erbringen, mussten noch weitere Herausforderungen gemeistert werden: Die Dachbahnen sollten komplett am Stück verlegt werden, um viele einzelne Zuschnitte um die nachträglich angebrachten Stützenfüße der Photovoltaikanlage zu vermeiden. Wegen der steilen Dachneigung wurde hierfür die Kunststoffdachabdichtung des Typs Sarnafil TS 77–20 E verwendet. Sie eignet sich für mechanisch befestigte Dächer mit Dachneigungen über 20° und weist darüber hinaus einen erhöhten Brandschutz auf. Die 2 mm dicke Kunststoffdachbahn aus flexiblem Polyolefin ist auch wegen ihrer Langlebigkeit gute geeignet als Abdichtung unter einer Photovoltaikanlage.
Detailarbeit für PV-Anlage
Nachdem die Kunststoffdachabdichtung mechanisch befestigt wurde, stand die Detailarbeit an: Die Dachbahn wurde für den Einbau der Photovoltaikhalterungen an insgesamt 170 Stellen wieder vorsichtig aufgeschnitten, da die Stützenfüße nachträglich angebracht wurden. Die anschließende erneute Abdichtung erfolgte mittels vorgefertigter Rohreinfassungen, die jeweils über die Halterungen gestülpt wurden und per Heißluftverschweißung einen homogenen Verbund mit der Sarnafil-Adichtung für dauerhafte Dichtigkeit eingingen. Im letzten Schritt montierte man die rahmenlosen Photovoltaikmodule. Die Energiefassade liegt nun wie eine Haut über beiden Gebäudeteilen und sorgt für einen jährlichen Stromertrag von 88 000 kWh. Das gesamte Gebäudekonzept wird dem Prinzip der Nachhaltigkeit gerecht: Eine natürliche Belüftung sowie helle Arbeitsplätze durch die haushohen Glasfassaden, Dachfenster und ein großzügiger Lichthof sorgen für gute Arbeitsbedingungen und eine optisch und ökologisch gelungene Integration in die Umgebung.
Architekt:
Architekturbüro Erich Kalis, Künzelsau


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