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Barocke Farbenpracht

Fassadensanierung am Rastatter Schloss
Barocke Farbenpracht

Bei der denkmalpflegerischen Bestandsaufnahme der Fassade stellte man Spannungsrisse und hohle Putzstellen fest. Dies erforderte ein Anstrichsystem, das sehr offenporig ist. Zum Einsatz kam ein historischer Kalkanstrich.

Susanne Mandl, Caparol | jo

Die gewaltige dreiflügelige Schlossanlage gilt als die älteste Barockresidenz am Oberrhein und gehört zu den wenigen, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden haben. Sie orientierte sich als Erste – wie danach so viele Bauten von deutschen Fürsten des Barock – an Versailles, der Residenz des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. Abweichend vom damaligen Usus, Prunkbauten nach Süden auszurichten, öffnet sich die Anlage nach Westen hin und richtet so den Blick auf den Rhein und das von König Ludwig auf der Rheininsel Grießheim erbaute Fort Louis. Drei Straßen führen strahlenartig auf das Schloss zu, ganz wie in Versailles.
Schäden
An der Fassade, die immerhin eine Fläche von 12 000 m2 umfasst, stellte man Spannungsrisse und hohle Putzstellen fest. Vermutlich hat die Verkieselung der Silikatfarbe nach mehreren Anstrichen zu so starken Spannungen geführt, dass der Putz in Teilbereichen hohl lag.
Um dieses Problem nicht weiter zu verstärken, sollte das neue Anstrichsystem sehr offenporig sein. Deshalb entschieden sich die Verantwortlichen für den historischen Kalkanstrich Histolith von Caparol, eine Fassadenfarbe auf Basis von Kalkhydrat mit Zusatz von Leinöl. Sie ist spannungsarm, wetterbeständig, offenporig und damit hoch wasserdampfdurchlässig und verfügt über eine lichtechte mineralische Pigmentierung.
Dies bedeutet, dass die Fassadenbeschichtung den Putz in seinen bauphysikalischen Eigenschaften nicht beeinträchtigt und eine dauerhafte Funktionsfähigkeit der Fassade garantiert.
Das Farbkonzept war vorgegeben durch den Denkmalschutz. Die gesamte Fassadenfläche wurde einheitlich im Farbton „Rastatt Rot“ gefasst, ein farbliches Absetzen von Fassadenverzierungen, Wand- und Sockelflächen, Säulen, Balustraden oder Figuren war nicht gewünscht. Entsprechende Befunde durch das Amt für Vermögen & Bau Pforzheim belegen die einheitliche Farbgebung der Fassade.
Sanierung
Kalkfarbe ist ein historischer Anstrich, der hinsichtlich Zusammensetzung, Konsistenz sowie Licht- und Witterungsbeständigkeit anders bewertet werden muss als ein modernes Beschichtungssystem. Kalkfarben reagieren beim Auftrag unmittelbar auf die Witterung: Direkte Sonneneinstrahlung und hohe Lufttemperatur lassen den Anstrich zu schnell abbinden, aber auch bei niedrigen Temperaturen unter 8 °C ist keine Verarbeitung möglich. Aus diesem Grund sind Kalkfarben heute aus dem konventionellen Baubetrieb weitgehend verschwunden und finden überwiegend nur noch in der Denkmalpflege Anwendung. Auch die Anstricharbeiten am Rastatter Schloss gestalteten sich aufwändig, da es besonderer Fachkenntnis, Achtsamkeit und Übung seitens der ausführenden Betriebe und ihrer Handwerker bedurfte.
„Die unterschiedlichen Witterungseinflüsse wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit haben die Verarbeitung
sehr unterschiedlich und oft nachteilig beeinflusst“, erklärt Architekt Stefan Klaus. „Diese bekannten Einflüsse mussten daher Eingang in die Termin- und Bauablaufplanung finden.“
Die gesamten Sanierungsmaßnahmen wurden in vier Abschnitte gegliedert und beanspruchten einen Zeitraum von zwei Jahren. Im Zuge der Neubeschichtung wurde zunächst die gesamte Fassadenfläche gereinigt und renoviert, um einen einheitlichen Untergrund herzustellen. Lose Putzstellen wurden ergänzt, die Sinterschicht auf den neu aufgebrachten Putzstellen abgeätzt und zur Fixierung der gesamten Putzoberfläche ein Grundanstrich mit Histolith Silikat-Fixativ ausgeführt. Im Anschluss erfolgte ein Voranstrich mit Histolith Kalkschlämme. Dieser auf Kalkhydrat basierende und mit Füllstoffen angereicherte Schlämmanstrich wird eingesetzt, um Schwindrisse zu füllen und die Oberfläche zu egalisieren.
Die auf diese Weise vorbereiteten Flächen bildeten einen farblich und strukturell einheitlichen Grund für den weiteren Farbauftrag. Je ein Zwischen- und ein Schlussanstrich mit Histolith Fassadenkalk, von Hand im Kreuzstrich aufgetragen, vollendeten schließlich die Beschichtungsarbeiten. Abschließend wurden die fertig gestellten Arbeitsabschnitte mit Wasser besprüht, um die Carbonatisierung, d. h. die Umwandlung von Kalkhydrat zu Calciumcarbonat, zu unterstützen, damit der Kalk nicht „aufbrennt“.
Mit Blick auf das Ergebnis herrscht bei allen Verantwortlichen und Beteiligten Einigkeit, dass sich die zweijährige Bauzeit gelohnt hat: Der Mut zur Farbe gibt das gewisse Extra, das dem barocken Bau gut steht.
Architekt: Dipl. Ing. Stefan Klaus, Karlsruhe
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