Um- und Neubau eines Theaterbaus in Heidelberg

Ablesbar ins Ensemble eingefügt

Nach einem grundlegenden Um- und Neubau hat sich das Theater und Orchester Heidelberg in ein großes Haus für zeitgemäße Auftritte verwandelt. Die Darmstädter Architekten Waechter + Waechter wählten hellen Sichtbeton, um die moderne Erweiterung dem historischen Theaterbau und seinem Umfeld behutsam zu Seite zu stellen.

Susanne Ehrlinger | jo

Theaterfreunde in Heidelberg konnten sich Ende letzten Jahres erstmals von der eindrucksvollen Gestaltung des Um- und Erweiterungsbaus ihres komplett sanierten Theaters überzeugen. Der Baumaßnahme vorausgegangen war ein Gemeinderatsbeschluss, der trotz räumlicher Enge den Standort des Theaters mitten in der Stadt beibehalten wollte.
Die geglückte Liaison zwischen dem klassizistischen Bestand und einer jungen, zeitgenössischen Architektur ist dem Entwurf des Architekturbüros Waechter + Waechter zu verdanken. Ihm zufolge konnte das umfassende Raumprogramm für das Mehrspartenhaus mit Spielstätten für Oper, zeitgenössischen Tanz, Schauspiel und auch ein Kinder- und Jugendtheater mitten in die Altstadt integriert werden.
Moderner Entwurf in historischem Umfeld
Die Architekten besetzten mit ihrem Neubau das komplette Grundstück, das neben dem vorhandenen Theater auch vier angrenzende Altbauten, alle aus unterschiedlichen Epochen und mit unterschiedlichen Charakteren, umfasst.
Ihre Integration ermöglichte erst die Realisierung des erforderlichen Raumprogramms für einen modernen Theaterbetrieb, der Werkstätten, Magazine, Probebühnen und eine gigantische, fahrbare Bühnentechnik vorsah.
Zu den Bestandsgebäuden fügt sich nun der Neubau wie in ein Passepartout, aus dem die höheren Bauteile, der Bühnenturm, der Orchesterproberaum und die Beleuchterbrücke des neuen Theatersaales, herausragen. Da diese Baukörper vom Straßenraum her nicht sichtbar sind, bleiben die sanierten, historischen Gebäude dominant. Alt und Neu sind vertikal und horizontal jeweils durch eine Glasfuge voneinander abgesetzt, so bleibt die Eigenständigkeit erhalten, bei gleichzeitiger Bildung eines ganzheitlichen Ensembles.
Weil der Bestand selbst schon so viele unterschiedliche Materialien zeigt, wollten die Architekten einen ruhigen Rahmen spannen und konzentrierten sich bei ihrem Neubau auf wenige, einheitliche Baustoffe, vor allem auf cremefarbenen, fast weißen, oberflächengestrahlten Sichtbeton in Kombination mit geöltem Eichenholz.
Sichtbeton als erste Wahl
„Wir haben Materialien gesucht, die für unterschiedliche Nutzungen geeignet sind. Sichtbeton ist gut belastbar, stoßfest und insofern sehr gut für die inneren Bereiche, und bei einer richtigen Verarbeitung auch für die repräsentativen Räume geeignet. In den Fassaden und Foyers wurden die Oberflächen gestockt oder sandgestrahlt. In den inneren Bereichen wurden dagegen glatte Sichtschalungen verwendet. Schattenfugen gliedern die geschlossenen Wandflächen und zitieren den Rhythmus der Außenfassaden mit ihren hintereinander gestellten Stützen“, erläutert Architekt Felix Waechter das Konzept.
Beeindruckende Gleichmäßigkeit
Der Beton besteht aus Weißzement der HeidelbergCement-Beteiligung CBR in Belgien, und aus hellem Main-Sand. Die Optik der Wandflächen war durch die Architekten vorgegeben, die exakte Rezeptur vom Betonlieferanten in Zusammenarbeit mit der betotech Eppelheim festgelegt worden. Wann welcher Beton angeliefert werden musste, stimmen Polier und der Mischmeister des Betonwerks einen Tag vorher ab. „Unsere Betonbauer haben richtig gute Arbeit geleistet“, schwelgt Bauleiter Thomas Köth und freut sich über das Ergebnis:
„Obwohl Beton ein Naturprodukt ist, haben wir die Flächen in ziemlich beeindruckender Gleichmäßigkeit hingekriegt.“
Das Architekturbüro Waechter + Waechter zeigte großen Respekt vor dem Bestand, vor seinem hohen geschichtlichen Wert, ohne zu historisieren. Sensibel im Umgang mit der denkmalwürdigen Substanz, fügten die Architekten den Neubau klar ablesbar als zeitgenössische Architektur in das Ensemble ein. Kein schriller Solitär ist entstanden, vielmehr ein städtisches Theater, das den Bürgern in allen Sparten kulturelle Höhepunkte bieten kann.
Architekten: Waechter + Waechter Architekten BDA, Darmstadt

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