Dachräume energetisch aufwerten

Luftdichtheit ist ein Muss

Im Gebäudebestand, der ca. 40 % des europäischen Energiebedarfs verbraucht, stecken die größten Einsparpotenziale. Deutschland fordert hierfür langfristig klare Vorgaben. Die heute noch gültige EnEV 2009 soll im nächsten Jahr durch die EnEV 2012 abgelöst werden. Dabei soll das Niveau der EnEV 2009 um ca. 20 bis 30 % verschärft werden.

Ekkehard Fritz, Fachbereichsleiter Steildach bei der Paul Bauder GmbH | jo

Rund zwei Drittel aller Ein- und Zweifamilienhäuser sowohl in Europa und somit auch in Deutschland sind nach Expertenmeinung energetisch renovierungsbedürftig. Viele davon haben ein altes, schlecht oder gar nicht wärmegedämmtes Dach. Bis zu 20 l Heizöl/m2 Wohnfläche und Jahr werden hier einfach verheizt. Auch im Neubau ist die richtige Dachdämmung von hoher Bedeutung, denn spätere „Nachbesserungen“ sind vergleichsweise aufwändig und teuer.
Die Tabelle 1 zeigt am Beispiel der Aufsparrendämmung die mögliche Veränderung der EnEV 2012 zur heute gültigen EnEV 2009, mit der U- Wert Vorgabe für das geneigte Dach von U # 0,24.
Neben den zu erwartenden Veränderungen der EnEV 2012 gibt es bereits heute durch die kfw deutlich höhere Anforderungen an den Wärmeschutz. Im aktuellen CO2 Sanierungsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau, werden U Vorgaben (Tabelle 2) für das geneigte Dach von U # 0,14 gefordert. Dies stellt den Planer als auch Verarbeiter vor große Aufgaben. Derartige Dämmstoffdicken lassen sich nur schwierig in der Praxis umsetzen. Hier sind Hochleistungsdämmstoffe gefragt, die mit moderaten Dicken die Vorgaben erfüllen.
Welche grundsätzlichen Dämm-Methoden sich bei der energetischen Aufwertung von Dächern anbieten hängt zunächst davon ab, ob das bisherige Dachgeschoss ausgebaut ist oder nicht. Ein noch nicht ausgebautes Dachgeschoss lässt sich natürlich mit geringerem Aufwand energetisch optimieren, als ein bereits bewohnter und eingerichteter Dachraum.
Untersparrendämmung
Bei dieser Methode wird eine zusätzliche Dämmschicht unterhalb der Tragkonstruktion, den Sparren, angebracht, allerdings verbunden mit entsprechendem Raumverlust. Deshalb eignen sich hierfür besonders Wärmedämmplatten, die bei geringer Dicke hohe Dämmwerte erzielen – wie zum Beispiel die Hochleistungsdämmplatten BauderPIR DGF oder BauderPIR DAL (Deckschicht: beidseitig Aluminium). BauderPIR DGF verfügt oberseitig über eine Gipsfaserplatte als zusätzliche Funktionsschicht, die sofort nach der Verlegung gestrichen, verputzt oder tapeziert werden kann. Dadurch entfällt die sonst übliche Unterkonstruktion, so dass keine zusätzliche Raumhöhe verloren geht.
Durchaus sinnvoll und in den meisten Fällen möglich ist die Kombination einer Untersparrendämmung mit einer vorhandenen oder neu verlegten Zwischensparrendämmung.
Zwischensparrendämmung
In den überwiegenden Fällen reichen die Sparrenquerschnitte im Altbau nicht aus, um die gesetzlichen Anforderungen mit einer reinen Zwischensparrendämmung zu erfüllen. Dazu müssen die Sparren nach innen aufwändig aufgedoppelt werden.
Gerade die aufgedoppelten Sparren stellen aber eine erhebliche Wärmebrücke dar, da Holz im Vergleich zu Dämmstoffen eine ca. 30 % schlechtere Dämmleistung hat. Deshalb macht die Kombination Zwischensparrendämmung mit einer neuen Untersparrendämmung wesentlich mehr Sinn, denn
durch die Untersparrendämmung werden Wärmebrücken durch die Sparren deutlich reduziert.
Dämmung der obersten Geschossdecke:
Werden die Dachräume nicht zu Wohnzwecken genutzt, sollte als Mindestmaßnahme die sogenannte oberste Geschossdecke gedämmt werden. Denn nur so kann verhindert werden, dass über die bisher ungedämmte Decke wertvolle Energie entweicht. Der Gesetzgeber schreibt sogar bis 31. Dezember 2011 zwingend die Dämmung der obersten Geschossdecken vor.
Zur Dämmung eignen sich auch hier Dämmplatten, die entweder oberseitig bereits mit einer Holzwerkstoffplatte (BauderPIR DHW) oder einer Gipsfaserplatte (BauderPIR DGF) als begehbarer und dadurch belastbarer Schicht versehen sind. Auch hier bringen Dämmstoffe einer niedrigen Wärmeleitstufe (WLS) wie zum Beispiel BauderPIR (WLS 024) hinsichtlich der Einbauhöhe deutliche Vorteile. Die oftmals zu Abstellzwecken genutzten Dachräume werden so nur minimal verkleinert und die Räume selbst können nach der Verlegung der Dämmplatten sofort wieder genutzt werden.
Luftdichtheit
Leider wird immer wieder Sinn und Zweck einer luftdichten Schicht in Frage gestellt. Diese hat aber aus einem ganz einfachen Grund ihre Daseinsberechtigung: Bei einer nicht luftdichten Konstruktion findet zwangsläufig eine Luftströmung (Konvektion) verbunden mit Feuchteeintrag in die Dachkonstruktion (Sparren, Wärmedämmung) statt. Dieser Feuchteeintrag kann zu einer Durchfeuchtung der Wärmedämmung, verbunden mit der Gefahr der Schimmelpilzbildung bis hin zur Schädigung der hölzernen Tragkonstruktion führen. Derartige Schäden liegen leider in großem Maße vor und zeigen erneut, dass die Luftdichtheit einer der entscheidenden Faktoren für das einwandfreie Funktionieren einer Konstruktion darstellt.
Um derartige Schäden zu vermeiden ist es auch bei nachträglichen Dämm-Maßnahmen unerlässlich, zunächst die Dachkonstruktion auf ihre Luftdichtheit zu überprüfen. Bedingt durch nicht luftdicht verklebte und in vielen Objekten verwendete Randleistenmatten sowie nicht luftdicht eingebundenen Detailpunkten kann in den meisten Fällen nicht von einer Luftdichtheit ausgegangen werden. Um zu prüfen, inwiefern die vorhandene Konstruktion luftdicht ist, kann dies per Blower-Door-Messung ermittelt werden.
Sofern raumseitig noch keine Innenverkleidung vorhanden ist, kann die luftdichte Schicht in Form einer geeigneten Folie (Bauder Dampfbremse 220) vor Verlegung der Untersparrendämmung unter den Sparren, also raumseitig verlegt werden. Bei vorhandener raumseitiger Verkleidung mit zwischen den Sparren eingebauter Dämmung kann nach Prüfung der Bauphysik die luftdichte Schicht auch unterhalb der alten raumseitigen Verkleidung eingebaut werden. Was aber ist mit Steckdosen, Kabeldurchführungen oder Wandanschlüssen? Gerade hier zeigt sich, wie wichtig das sorgfältige Einbinden von Details in die Luftdichte Schicht ist. Mittels Formteilen lassen sich alle runden Bauteile wie Elektroleitungen, Rohre usw. einfach und sicher einbinden. Wandanschlüsse werden mit geeigneter Klebemassen und immer noch am sichersten in Verbindung mit Anpressleisten hergestellt.
Dämmen auf den Sparren
Die Aufsparrendämmung bietet den großen Vorteil, dass nur wenige und von außen einfach durchzuführende Arbeitsschritte erforderlich sind und somit bester Wärmeschutz erreicht wird. Nicht umsonst entwickelt sich der Markt in Richtung Aufsparrendämmung bzw. Kombinationsdämmung. Bei der Kombinationsdämmung (BauderPIR AZS oder BauderPIR SDS) werden Auf- und Zwischensparren miteinander kombiniert. Diese Kombination bietet den Vorteil, dass mit schlanken Konstruktionen ebenfalls bester Wärmeschutz erreicht werden kann. Welches der beiden Systeme eingesetzt wird, hängt von den baulichen Gegebenheiten wie z.B. vorhandene Detailpunkte, Architektur, Doppel- oder Reihenhausbebauung usw. ab.
Fazit
Die eingesetzte Art der Dämmung hängt von mehreren Faktoren ab. Bei Innendämmungen muss allerdings immer ein entsprechender Raumverlust in Kauf genommen werden. Aber nicht nur die Dämmart, sondern das Zusammenspiel von Dämmung und luftdichter Schicht sind entscheidend für die Funktionsfähigkeit des Daches. Gerade durch die lange Nutzungszeit von 30 bis 40 Jahren ist Qualität im Dachbereich oberstes Gebot. Bedingt durch die weiter steigenden Anforderungen werden Aufsparrendämmsysteme als auch die Kombination von Zwischen- und Aufsparrendämmung mehr zum Einsatz kommen – und das ohne Raumverlust.

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