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Ganzheitlich betrachtet

Neubau eines Verwaltungsgebäudes in Neumarkt
Ganzheitlich betrachtet

Unter dem Motto Energie sparen und Energie gewinnen entstand eine neue Firmenzentrale. Firmenphilosophie und Gebäude sollten zusammen passen; realisiert hat das Architekt Wolfgang Brummer unter anderem mit Photovoltaik-Modulen.

Die „Bionorica AG – the phytoneering company“, einer der führenden Hersteller von Phytopharmaka, präsentiert mit dem Neubau sein Selbstverständnis und den Umgang mit den Themen Natürlichkeit und Nachhaltigkeit. Das Unternehmen investiert nach eigenen Angaben mehr als der Branchendurchschnitt in Forschung und Entwicklung pflanzlicher Arzneimittel. Mit „phytoneering“ wird ein neues Zukunftsfeld der Pharmazie begründet; es steht für die Erschließung und Weiterentwicklung von pflanzlichen Wirkstoffen (phyto) mit innovativen Technologien (engineering).

Mit dem Bau der Firmenzentrale wurde ein innovatives Konzept umgesetzt – ein Gebäude, das im Einklang mit der Natur steht, eine CO2-neutrale Energieversorgung aufweist und über das gesamte Jahr mehr Energie gewinnt, als es verbraucht. Dies wird u. a. mit Sonnenenergie erreicht. Architekt Wolfgang Brummer entwarf dieses Öko-Haus, ein Verwaltungsgebäude mit Konferenzräumen und Büros – nichts, was auf den ersten Blick nach wirklicher Herausforderung für einen Architekten klingt. Doch Bionorica-Chef Professor Michael Popp wollte für sein Unternehmen mehr als nur einige Kubikmeter umbauten Raumes. Er hat sich zum Ziel gesetzt, das Gebäude wie einen Mosaikstein in die Unternehmens-Philosophie einzupassen: „Wir wollen die Natur nicht ausbeuten, sondern ihre Ressourcen verantwortungsvoll nutzen. Dafür steht Bionorica, und dieser Gedanke soll sich auch in diesem Haus wiederfinden.“
Mehr Energie gewinnen als verbrauchen
Die Energiefrage steht im Mittelpunkt des Konzepts, aber wenn es nur um eine saubere Energiebilanz ginge, wäre der Neubau nicht einzigartig. Unter modernen Architekten gehört es fast schon zum guten Ton, ausgeklügelte Energiekonzepte zu realisieren. Professor Popp hat mit der Anforderung, das Gebäude solle mehr Energie gewinnen als verbrauchen, den Maßstab noch höher gelegt. Deshalb weist der viergeschossige Bau auf quadratischem Grundriss ein leicht geneigtes, ca. 480 m² großes Flachdach auf, das als riesiges Sonnensegel mit Schüco ProSol PV-Modulen das Erscheinungsbild prägt. In der Mitte befindet sich ein quadratisches Oberlicht, das im Empfangsbereich des OGes das Gefühl aufkommen lässt, unter freiem Himmel zu arbeiten. In dieses Dachfenster sind ebenfalls ProSol PV-Module integriert.
Im Unterschied zu normalen Standardmodulen werden ProSol Photovoltaikmodule (PV-Module) nach Architektenvorgaben auf Maß gefertigt, mit individueller Gestaltung in Form, Farbe und optischer Struktur. Dabei können sie als gebäudeintegrierte PV-Lösungen alle funktionalen Produkteigenschaften konventioneller Füllungselemente übernehmen – in allen Bereichen der Gebäudehülle.
Standardisierte Montage- und Befestigungskomponenten bieten hohe Verarbeitungssicherheit und Qualität. Dipl.-Ing. Wolfgang Dotzler, Geschäftsführer der Grammer Solar GmbH in Amberg hat sich intensiv mit der Planung des solaren Wärmeeintrags beschäftigt: „Das Solardach absorbiert die passiven Solargewinne. Die integrierten Solarzellen wirken wie Verschattungselemente. Die eingetragenen thermischen Lasten fangen wir auf umweltfreundliche Art über einen Klimatisierungsprozess ab.“
Sowohl die ProSol PV-Module auf dem leicht geneigten Flachdach als auch die an der Südostfassade erbringen zusammen eine Leistung von etwa 45 kWp. Die großen PV-Module zwischen den großen Fensterflächen in der Südostfassade sorgen im Gebäudeinneren für angenehme Lichtstimmung und offene Arbeitsatmosphäre. Diese ergänzenden PV-Flächen an der Fassade dienen zur weiteren elektrischen Erzeugung sowohl von innen als auch von außen.
Allein durch die PV-Flächen kann die komplette Stromversorgung des Gebäudes über das gesamte Jahr hinweg abgedeckt werden. Gut 39 000 kWh elektrischer Energie werden so im Jahr bereitgestellt. Gegenüber der Stromerzeugung auf Basis fossiler Brennstoffe bedeutet das eine jährliche Einsparung von knapp 30 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen.
Wiederverwendbar
Die Wärme wird durch einen Pelletkessel mit der Leistung von 450 kW, einem Pflanzenöl-Blockheizkraftwerk mit der thermischen Leistung von 140 kW und einer elektrischen Leistung von 100 kW erzeugt. Diese Wärme dient im Winter zur Erwärmung der Verwaltungsgebäude und zu Produktionszwecken. Im Sommer ist der Pelletkessel nicht in Betrieb. Pelletronic UTSP-450-22, bei dem die Asche mit bewegtem Ausbrandrost aktiv in die automatische Rostentaschung gefördert wird, ist von der Schmid AG, die kleinere Holzfeuerungen fürs Eigenheim bis hin zu komplexen Industrieanlagen mit 24 MW Leistung anbietet.
Als Clou soll diese Anlage mit Pflanzen-Resten aus der Bionorica-Produktion befeuert werden, was Neuland für den Hausbau und somit auch ein Fall für die Wissenschaft ist. Das Bayerische Zentrum für Angewandte Energieforschung in Garching entwickelte ein Konzept, das erklärt, welche Stoffe sich am besten nutzen lassen.
Zum Einsatz kamen zudem Schüco Fenster AWS 75.SI mit verdeckt liegendem Beschlag Schüco AvanTec. Überall sind mit dem hoch wärmegedämmten AWS 75.SI Dreifachverglasungen eingebaut. Die Restfassade wurde außen mit 20 cm Mineralschaumplatten gedämmt, so dass dadurch eine hohe Energieeinsparung möglich wird. Das gesamte Gebäude zeigt sich mit offenem und wandelbarem Charakter – auch dies eine gedankliche Entsprechung zur Unternehmensphilosophie.
Innovative Wege wurden auch bei der Wahl der Baustoffe beschritten. Professor Michael Braungart, Leiter der EPEA Umweltforschung GmbH in Hamburg, sorgte dafür, dass im Neubau nur Stoffe zum Einsatz kamen, deren Herstellung und Verwendung die Natur nicht belasten. So wurde z. B. für die Außenwand ein besonderer Beton verwendet, dem Gesteinskörnungen zugesetzt wurden, mit denen sich die Dichte des Betons regulieren lässt. Während bei konventionellem Beton oft Pestizide sowie gesundheitsschädliche Stoffe eingesetzt werden, durften die Betonadditive hier keine Schwermetalle und Halogenverbindungen beinhalten. Der Zement wurde ohne Einsatz von Ersatzbrennstoffen hergestellt, um so eine geringe natürliche Radioaktivität sicherzustellen.
Wolfgang Brummer: „Die verwendeten Materialtechnologien und die eingebaute Technik sind nahezu unsichtbar. Es gibt drei Bereiche: die Unbedenklichkeit, die Wiederverwendbarkeit der Materialien und die Einbindung des Gebäudes in die natürliche Umgebung. Das beginnt bei der Regenwassernutzung und setzt sich über die Fassadenbegrünung und die Außenanlagen fort. Bei nicht recycelbaren Materialien wurde von den Firmen eine Rücknahmegarantie gefordert.“
Beispielhaft an dem Projekt war auch die Zusammenarbeit der Firmen in einer integralen Planung. Wolfgang Dotzler: „Vom Zentrum für angewandte Energieforschung in Bayern (ZAE) wurde eine thermische Gebäudesimulation durchgeführt und auch die Anlagentechnik geprüft. Ein interessanter Punkt war auch, dass die gesamte Energietechnik nicht im Vorfeld auf die einzelnen Fachplaner aufgeteilt wurde. Lüftung, Heizung, Kälte-, Elektro- und Solartechnik wurden unter einer Klammer zusammengefasst und dann erst in die einzelnen Fachbereiche aufgeteilt.“
bba-Infoservice
Photovoltaikmodule 577 Pelletkessel 578
Entwurfsplanung, Bauleitung, Projektleitung, Innenarchitektur: Architekten Brummer und Retzer GmbH, Amberg, Dipl.-Ing. Wolfgang Brummer Fachplanung: Grammer Solar GmbH, Amberg
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