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Denkmalgerecht dünn gedämmt

Sanierung eines Wohnhauses in Tübingen
Denkmalgerecht dünn gedämmt

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Die Neckarhalde in Tübingen gilt als reizvolle Lage mit Gärten bis zum Fluss. Besondere architektur- und sozialhistorische sowie stadtgeschichtliche Bedeutung als Kulturdenkmal kommt einem Wohnhaus zu, das heute im Besitz von zwei Familien ist. Um bei der energetischen Sanierung die bestehende Optik zu erhalten, setzte Energieberaterin Verena Klar auf einen Aerogel-Dämmputz.

Anforderung:

Denkmalgerechte, energetische Sanierung bei Erhalt des historischen Erscheinungsbildes

Lösung:

Straßenfront gedämmt mit nur 4 mm dickem Aerogel-Dämmputz:
λ von 0,028 W/mK


Dr.-Ing. Klaus Fockenberg | be

Ursprünglich war das dreigeschossige Gebäude mit Gartenhäuschen am Südhang des Tübinger Schlossbergs 1829 für den Juristen Dr. Eberhard Friedrich Hehl erbaut worden. Architekt war Bauinspektor Christian Friedrich Roth (1787–1855). Mitte des 19. Jahrhunderts wechselte das Haus in den Besitz des Tübinger Universitätszeichenlehrers Heinrich Leibnitz. Später übernahm es dessen Sohn, bevor es 1931 in den Besitz der evangelischen Kirchengemeinde überging, mit dann unterschiedlichsten Nutzungen. Ende 2016 erwarben die jetzigen Eigentümer das Anwesen. Ihr Ziel war es, das sanierungsbedürftige Gebäude wieder in ein attraktives Wohnhaus mit Mietwohnungen umzuwandeln, das aber auch den aktuellen energetischen Anforderungen entsprechen sollte. „Gleichzeitig wollten wir unbedingt den Charakter des Hauses als altes Kulturdenkmal erhalten“, erklärt die Bauherrschaft.

Aus diesem Grunde zogen sich Planungsphase und Baugesuch gut ein Jahr hin, galt es doch, die Auflagen des Denkmalamtes an die Fassade zu erfüllen. Ein in Auftrag gegebenes denkmalpflegerisches Gutachten sollte untersuchen, ob noch alter originärer Putz erhalten war. Die Restauratorin Dr. Julia Feldtkeller konnte keinen Originalputz mehr feststellen und fand lediglich eine spätere Putzvariante aus den 1930er Jahren sowie einen Rest der originalen Struktur und Farbe am Giebel. Deshalb durfte der vorhandene Putz schließlich auch komplett entfernt werden.

Denkmalamt-Bedenken ausgeräumt

Das Wohnhaus orientiert sich mit der Traufseite zur Straße und besitzt ein vorgreifendes Satteldach mit großem Traufhaus. Als ursprüngliche, erhaltene Tragkonstruktion fungiert ein Holzfachwerk mit Bruchstein-Ausfüllung. Die komplett darüber aufgebrachte Putzlage war nach vielen Jahren durch intensive Bewitterung schadhaft und sanierungsbedürftig. So wurde entschieden, im Zuge der energetischen Sanierung die Fenster auszutauschen, einen neuen Boden oberhalb des Kellers zu verlegen, das Dach zu dämmen und letztendlich auch die Fassade so zu sanieren, dass alle Veränderungen zusammen mit einer Pellet-Heizung die Auflagen der EnEV für Altbauten erfüllen.

Eine Besonderheit war in diesem Zusammenhang der Erhalt der bestehenden Fassade bzw. ihre Optik, insbesondere sollten bauzeitliche Gebäudeteile wie Fensterlaibungen und Dachgesimse erhalten werden und nicht „versinken“. Zu diesem Zweck suchten Bauherr, Bauleiter und die Energieberaterin nach einer schlanken Lösung, die auf dicke äußere, aber auch innere Wärmedämmungen verzichten konnte.

Energieberaterin Verena Klar schlug für die Straßenfassade sowie die beiden Giebelseiten deshalb den Aerogel-Dämmputz von Hasit vor, dem man beim Denkmalamt aber wegen der Fachwerkkonstruktion zunächst sehr skeptisch gegenüberstand. Aufgrund der mineralischen Zusammensetzung des Dämmputzes, den Erfahrungen bei einem vergleichbaren Objekt in der Schweiz sowie der Auflage eines Monitorings gab die Behörde dann grünes Licht. „Für die Zustimmung des Denkmalamtes zum Aerogel-Putz war maßgeblich die Energieberaterin verantwortlich. Sie hat hier viel Überzeugungsarbeit geleistet“, betont der Bauherr.

Einfache Verarbeitung von Dämmputz aus Aerogel

Der Stuckateurbetrieb Steger aus Rottenburg arbeitete hier erstmals mit diesem Material und zeigte sich angetan von der leichten Verarbeitbarkeit sowie Zeitersparnis gegenüber herkömmlichen Dämmlösungen. „Die Verarbeitung des Dämmputzes war sehr einfach“, betont Udo Steger. „(…) Wir sind sehr vorsichtig mit dem Material umgegangen, weil wir es nicht kannten und überhaupt keine Erfahrung mit seiner Verarbeitung hatten. Durch den Einsatz des Aerogel-Putzes konnten wir unseren Zeitaufwand für die zu verputzende Fläche im Vergleich zu anderen Dämmmaterialien deutlich reduzieren.“

Die Vorteile des noch relativ unbekannten Hochleistungsdämmputzsystems liegen in seinen Eigenschaften: Als erstes mineralisches, kalkhaltiges Dämmputzsystem mit Aerogel-Technologie besitzt es sehr gute Dämmeigenschaften. Die Wärmeleitzahl (λ) liegt mit einem Nennwert von 0,028 W/mK deutlich niedriger als die vieler anderer Wärmedämmmaterialien. So genügt eine Materialstärke von nur rund 4 cm, um den gleichen Effekt zu erreichen wie bei einem herkömmlichen, denkmalgerechten, kalkbasierten Wärmedämmputz mit 11 cm Dicke. Das Dämmputzsystem ist außerdem sehr leicht und wird in die Brandschutzklasse A1 eingestuft, ist also nicht brennbar. Auf den Dämmputz kam abschließend noch ein streichfähiger Oberputz mit 1 mm Kornstärke.

Nach den Vorarbeiten, das heißt nach Egalisation der vertieften Gefache und Abdeckung des Fachwerks mit Papierdeckstreifen wurde der Putzträger „Gima Welnet“ auf die Fassadenflächen aufgebracht und im Bereich der Ausfachungen verankert. Anschließend spritzten die Handwerker den Aerogel-Dämmputz auf. Schnell und einfach blieb das Material an der Wand haften. Während die beiden Giebelseiten und die Straßenfront eine Außenhaut aus 4 cm starkem Aerogel-Dämmputz erhielten, wurde die Nordseite mit einem 10 cm dicken WDVS aus Mineralwolle-Platten versehen. Da die Rück- bzw. Gartenseite nicht einsehbar ist, war dies für das Denkmalamt kein Problem. Als Oberputz kam schließlich auf allen vier Seiten eine mineralische Variante mit feiner Körnung zur Ausführung.

Gemeinsam mit dem Denkmalamt entschieden die Baubeteiligten, die zuletzt gelb- bis ockerfarbene Oberfläche mit vertikalem Kammzug aus den 1930er Jahren durch einen feinen Kratzputz mit dem von der Restauratorin gefundenen bauzeitlichen zarten Grünton zu ersetzen.


Objekt: Wohnhaus (1829) Sanierung für acht Miet-Wohneinheiten, Neckarhalde, Tübingen

Planung und Bauleitung: Dipl.-BauIng. Gerhard Schmid, Tübingen

Energieberatung: Verena Klar, klar architektur + energieberatung, Mähringen
www.klar-architektur.de

Beratung: Restauratorin Dr. Julia Feldtkeller, rdp restaurierung + denkmalpflege, Tübingen

Verarbeiter: Stuckateurbetrieb Steger, Rottenburg

Fertigstellung: Herbst 2018


Stimmen

Energieberaterin Verena Klar: „Dank des dünnen Aufbaus der Putzkonstruktion konnte die alte Anmutung des Hauses erhalten bleiben.“

Stuckateur Udo Steger: „Durch den Einsatz des Aerogel-Putzes konnten wir unseren Zeitaufwand für die zu verputzende Fläche im Vergleich zu anderen Dämmmaterialien deutlich reduzieren.“


Das Aerogel-Dämmputzsystem ist sehr leicht und wird in die Brandschutzklasse A1 nicht brennbar eingestuft.




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