Generalsanierung mit Neugestaltung eines Universitätsgebäudes in Innsbruck

Schön geschuppt

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Im Rahmen von Sanierungen stellt sich neben nutzungstechnischen und energetischen Schwerpunkten die Neugestaltung der Fassade zugleich als Potenzial und Herausforderung dar. Entgegen typischer Lösungen überrascht das von ATP neugestaltete Fakultätsgebäude für Architektur der Uni Innsbruck mit geschuppter Glasdoppelfassade und entsprechendem Sonnenschutz.

Dr.-Ing. Arch. Nikolai Ziegler

Heue erscheinen die Bauten der Fakultät für „Architektur“ und „Technische Wissenschaft“ in einem deutlich differenzierten Erscheinungsbild. Das war nicht immer so. Das für die Fakultät für Architektur errichtete Gebäude entstand wie der Nachbarbau für Technische Wissenschaften 1968 in ähnlicher Bauweise und Gestalt. Angesichts der erforderlichen Sanierung wurde entschieden, die energetische und gestalterische Qualität aufzuwerten. Das Konzept von ATP, der mit der Planung des Umbaus beauftragten Architekten und Ingenieure, sah vor, die beiden bestehenden, ähnlich strukturierten Gebäudekomplexe entsprechend der jeweiligen Disziplinen differenziert zu gestalten. So sollten die eigenständigen Studiengänge zukünftig auch im Erscheinungsbild der Fakultätsgebäude eine eigene Identität ausstrahlen.
Bereits in bba-Ausgabe 5|2016 berichteten wir über die Sanierung des Gebäudes der Technischen Wissenschaften. Während ATP im Zuge der Modernisierung dem Hochhausbau der Technischen Fakultät durch eine streng gegliederte Aluminiumfassade zum neuen Erscheinungsbild verhalf, gingen die Planungen für die „Architekturwerkstatt” in eine andere Richtung. Für den Bau der mehr künstlerisch ausgerichteten Fakultät fiel die Entscheidung zugunsten einer vorgesetzten Glasfassade, die im Gegensatz zum Nachbarbau offen und belebt wirken sollte.
Offene, helle und flexible Grundrisse
Grundlegende Änderungen des Bestands charakterisieren das gesamte Sanierungskonzept des Gebäudes der Architekturfakultät, selbst das Raumprogramm wurde überarbeitet. Im Erdgeschoss befindet sich neben dem Foyer und einer zentralen Erschließungszone die große Aula. In den drei Obergeschossen sind sämtliche Büro- und Seminarräume angeordnet. Großzügige Raumkonfigurationen und der präferierte Einsatz von Glas im Innenraum erlauben Sichtbeziehungen von den Büros und Seminarräumen zu der umgebenden Alpinlandschaft. Die raumhohe Verglasung der Fenster sowie der Trennwände schaffen lichtdurchflutete Innenräume in loftartigem Charakter. Das Ambiente der „Architekturwerkstatt” wirkt offen, kreativ, flexibel und technisch – ein angemessenes Umfeld für das Studium der Architektur.
Sanierungspotenzial Fassade
Für die maßgebliche Wandlung des Gebäudekomplexes von außen ist eine neugeschaffene energiesparende Fassadenarchitektur verantwortlich. Die ursprünglichen Bestandsfassaden wurden einst durch umlaufende Balkonbrüstungen aus Sichtbeton mit zurückversetzten Fensterbändern dominiert. Diese Gestaltung wurde im Rahmen der Sanierung maßgeblich überarbeitet.
Die neue Fassade des Architekturdesignstudios wurde dabei an die Außenkante der ehemaligen Fluchtbalkone versetzt. Damit vergrößerte sich die nutzbare Fläche je Geschoss um ca. 180 m². Darüber hinaus entstand Platz für eine zweite, äußere Fassadenschicht, die zugleich Belüftung und Sonnenschutz gewährleistet. Die Fassade des viergeschossigen, kubischen Baus wird durch Stahlprofile geschossweise separiert. Im Erdgeschoss bilden große Glastafeln einen geschützten Eingangsbereich. In den drei Obergeschossen dient die ehemalige Balkonstruktur des Bestandes einer abgewandelten Funktion: Zwischen den Geschossdecken bestimmen fächerartig angeordnete Glaselemente das Erscheinungsbild des Gebäudes. Wie transparente Schuppen reiht sich ein Glaselement an das nächste und schützt die dahinterliegende thermische Hülle.
„Es ist für uns immer eine interessante Herausforderung”, erklärt Paul Ohnmacht, Projektleiter und Entwurfsarchitekt des Wettbewerbsteams, „bestehende Strukturen neu zu interpretieren und technisch in das 21. Jahrhundert zu führen.“
Sonnenschutz und Frischluft
Für ein Bürogebäude erscheint die dunkelgrau schimmernde Fassade des viergeschossigen Kubus untypisch. Jedoch leistet die Fassadenkonstruktion für das dahinter liegende Bauwerk wertvolle Funktionen: Primär fungiert das gläserne Schuppenkleid dem Gebäude langfristig als zuverlässiger Sonnenschutz. Folglich wurden die fächerartig angeordneten Glaselemente aus Scheiben der Serie „Sunguard“ des Herstellers Guardian hergestellt, die mit Sonnenschutzbeschichtung versehen sind.
Aufgrund dieses vorgelagerten Sonnenschutzes lässt sich die sommerliche Überwärmung des vollverglasten Gebäudes vermeiden. Durch einen hohen Lichttransmissionswert unterstützen die Glasfächer den Lichteinfall in die großen Raumtiefen des Gebäudes. Jene am Boden der Wartungsbalkone angebrachten Bleche dienen ebenfalls einer Unterstützung des Tageslichteinfalls. Horizontal montiert, reflektieren diese zusätzliches Sonnenlicht in die Räume. Die innere, der thermischen Trennung dienende Fassadenschale wird durch passivhauszertifizierte Elemente „WicLine 75 Evo“ von Wicona gebildet. Der Fassadenzwischenraum wird durch Balkontüren, die unauffällig in der Laibung angebracht sind, erschlossen. Dieser dient darüber hinaus als Wartungsbalkon zur Fassadenreinigung. Auch der weiteren Gebäudetechnik dient die Fassade: die zweischalige Hülle ermöglicht eine witterungsunabhängige Nachtkühlung, bei welcher die automatisch öffenbaren Lüftungselemente das Haus mit kühler Frischluft versorgen.
Das äußere Erscheinungsbild wird nicht ausschließlich aufgrund der außergewöhnlichen Fassadenkonstruktion bestimmt. Durch jene reflektierende Sonnenschutzbeschichtung erzielen die schuppenartig versetzten Glasscheiben einen optischen Blickfang: So verändert sich durch die unterschiedliche Schrägstellung der Flügel die jeweilige Spiegelung der Umgebung und bietet je nach Standpunkt des Betrachters ein neues Erscheinungsbild der Fassade.
Architekten:
ATP – architekten ingenieure, Innsbruck


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