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Fünf Varianten - kein "Königsweg"

Planungsaufgabe Rollladenkasten im Bestand

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Die nachträgliche Ergänzung von Rollläden in der Bauwerksmodernisierung ist eine anspruchsvolle Planungsaufgabe. Neben architektonischen und funktionalen Aspekten muss vor allem die energetische Wirkung des Rollladenkastens in der Gebäudehülle beachtet werden.

Markus Hoeft

Im Neubau ist die Sache recht eindeutig: Wenn von Anfang an mit Rollläden geplant wird, ist der so genannte Sturzkasten in den meisten Fällen die technisch und ästhetisch eleganteste Lösung: Der „Stauraum“ für den aufgewickelten Panzer des Rollladens und der konstruktiv erforderliche Fenstersturz bilden eine funktionale Einheit, die bei der Errichtung der Außenwände mit eingefügt wird.
Dieser einen und weit verbreiteten Neubaulösung stehen in der Bauwerksmodernisierung drei unterschiedliche Produkte gegenüber, die in insgesamt fünf Varianten montiert werden können. Allein das Zahlenverhältnis von 1:5 deutet an, wie aufwändig und knifflig der nachträgliche Einbau moderner Rollläden in Bestandsbauten sein kann. Zugleich zeigt es, dass es offenbar nicht den einen „Königsweg“ in der Modernisierung gibt, sondern mehrere Möglichkeiten, deren Vor- und Nachteile für den konkreten Fall abzuwägen sind.
Das verursacht einerseits Aufwand, ist aber andererseits eine klassische Beratungs- und Planungsleistung, die unterstreicht, dass auch Sanierungen von Architekten oder Ingenieuren begleitet und nicht allein den ausführenden Handwerkern überlassen werden sollten.
Zumal die Beratung schon einen Schritt vorher beginnen muss, nämlich bei der Auswahl des Sonnenschutzsystems. Denn wenn es allein um den sommerlichen Wärmeschutz und das Verhindern von intensiver Sonneneinstrahlung in den Raum geht, sind Jalousien, Markisen oder Rollos mögliche und eventuell einfacher nachzurüstende Alternativen zum Rollladen. Nur diese können jedoch auch den winterlichen Wärmeschutz der Fensteröffnung verbessern und – bei entsprechender Bauweise – zusätzlich dem Schall- und/oder Einbruchschutz dienen. Darum wünschen manche Bauherren ausschließlich Rollläden bzw. können Rollläden in bestimmten Situationen tatsächlich die Sonnenschutzlösung mit der optimalen Funktionsvielfalt sein.
Optische und wärmetechnische Planungsaspekte
Der neubautypische Sturzkasten verbietet sich beim Bauen im Bestand meist wegen des hohen Aufwands, den ein Sturzumbau nach sich ziehen würde. Der Rollladen muss deshalb vor oder in der vorgegebenen Fensteröffnung montiert werden, wofür die Industrie Vorbau- und Aufsatz-Rollladenkästen anbietet. Sofern der Bestandsbau bereits vor der Sanierung Rollläden besaß, die jetzt aber zu erneuern sind, kommen spezielle Modernisierungslösungen im alten Kasten als dritte Möglichkeit in Frage. Der Vorbaurollladen kann zudem in drei Positionen eingebaut werden: Auf der Fassade, in der Ebene der Dämmung oder in der Laibung, wodurch sich die oben schon genannten fünf Planungsvarianten mit drei Produkten ergeben.
Die Entscheidung für eine der Varianten hängt u.a. vom Umfang der Modernisierung ab, also etwa davon, ob die Fenster erneuert werden sollen und ob eine neue Fassade mit zusätzlicher Wärmedämmung geplant ist. Für die Innenansicht spielt zudem der Lichteinfall in den Raum eine maßgebliche Rolle und damit die Frage, in welchem Maß der neue Kasten die Höhe des Fensters reduzieren darf.
Außerdem ist die wärmetechnische Situation genau zu planen, denn der Rollladenkasten stellt eine energetische Schwachstelle am ohnehin schon sensiblen Übergang von der geschlossenen Wand bzw. dem Sturz zum Fenster dar. Für moderne Systemlösungen liegen in der Regel geprüfte Wärmekennwerte vor, so dass der Wärmeschutz an der Schnittstelle rechnerisch nachweisbar ist.
Trotzdem verlangt das Detail die besondere Aufmerksamkeit des Planers, damit die Wärmeverluste am Kasten im Sinne der Energieeffizienz des gesamten Gebäudes ebenso beherrscht werden wie die punktuelle Wärmebrückenwirkung des Rollladenkastens, die bei nicht fachgerechter Planung und Ausführung zu Tauwasserausfall oder Schimmelbildung führen kann.
Vorbau unabhängig auf der Fassade
Vorbaurollläden werden wie schon der Name sagt vor die vorhandene Gebäudehülle gesetzt – wahlweise außerhalb der Laibung auf die geschlossene Fassadenfläche bzw. in die Dämmebene oder in der Laibung, jedoch vor dem Fenster. Die Fassadenmontage verursacht die wenigsten Schnittstellenprobleme, denn die Gebäudehülle und der Rollladen sind – elektrische Ansteuerung vorausgesetzt – voneinander unabhängig. Die ursprüngliche Fenstergröße bleibt bei der Fassadenmontage erhalten.
Dafür liegt der Rollladen sehr exponiert an der Fassade, der Kasten und die seitlichen Führungsschienen sind in der Gebäudeansicht meist sehr deutlich zu erkennen. Kästen mit halbrunder statt eckiger Front wirken in dieser Situation etwas unauffälliger und weniger wuchtig. Betont kleine Kästen, verschiedene Designvarianten und schließlich die Farbgebung sind weitere Ansätze, um den Rollladenkasten gestalterisch zu integrieren. Ein sichtbares Element bleibt er bei der Fassadenmontage jedoch immer.
Vorbau in der Dämmebene
Sofern die Fassade im Rahmen der Modernisierung eine zusätzliche Wärmedämmung bekommt, besteht die Möglichkeit, den Vorbau-Kasten vor der massiven Wand innerhalb der Ebene des Dämmstoffs relativ unauffällig zu platzieren. Dabei wird jedoch die Wärmedämmung gerade im ohnehin schon gut wärmeleitenden Sturzbereich geschwächt und es entsteht eine Wärmebrücke. Einfach den Wärmedämmstoff im Bereich des Kastens wegzulassen, ist darum keine Lösung. Die Dämmung hier dünner auszuführen, bleibt immer noch mit dem Risiko einer sich auf der Innenseite optisch abzeichnenden Wärmebrücke und im schlechtesten Fall mit Tauwasserausfall und/oder Schimmelbildung verbunden. Ein Kompromiss kann in diesem Falle sein, hinter dem Rollladenkasten einen Dämmstoff mit deutlich geringerer Wärmeleitfähigkeit einzusetzen. So kann der gleiche Wärmeschutz wie in den Hauptflächen der Fassade mit geringer Dämmstoffdicke erreicht und der Vorbau-Rollladenkasten um die gewonnenen Zentimeter nach innen versetzt werden.
Praktisch in Frage kommen für diese Anwendung derzeit eigentlich nur Vakuumpaneele und perspektivisch viel-leicht Aerogel-Dämmstoffe. Beide Lösungen sind zwar teurer als eine gängige Fassadendämmung, werden aber auch nur kleinflächig benötigt.
Vorbau in der Laibung
Sofern die Fenster erneuert werden, lassen sich Vorbaurollläden auch innerhalb der Laibung montieren. Dafür müssen der transparente Teil der Fenster niedriger und die Fläche darüber mit einem vergrößerten Blendenrahmen ausgeführt werden. Den Wärmeschutz übernimmt allein das Fenster, der Kasten befindet sich konstruktiv und wärmetechnisch unabhängig auf dessen Außenseite.
Die geringere Fensterhöhe ist im Hinblick auf den Lichteinfall ein Nachteil dieser Lösung. Dafür kann jedoch der Kasten sehr unauffällig angeordnet werden. Je nach Tiefe der Laibung schließt er mit der Fassade ab oder sitzt sogar noch tiefer, so dass die Fassade über den Kasten greifen kann. Die Vorderseite des Kastens gehört dann gestalterisch zur Außenwand, das Einbauelement ist nicht zu erkennen und die Ansicht kommt der eines Einbaurollladens sehr nahe.
Der Kasten muss seinen Revisionszugang in diesem Fall von unten haben, während bei sichtbar montierten Kästen auch eine Revisionsklappe vorne möglich ist. Eine Revision von innen ist bei Vorbaurollläden systembedingt nicht möglich, ihr Vorteil ist ja gerade die vollständige bauliche und thermische Trennung vom Innenraum. Diese Besonderheit kann allerdings den Einsatz bei mehrgeschossigen Gebäuden erschweren, wenn der Bauherr den Aufwand für die Revision von der Hebebühne aus scheut.
Aufsatz als verlängertes Fenster
Beinhaltet die Sanierung auch die Erneuerung der Fenster, können neben Vorbaurollläden auch Aufsatzrollläden geprüft werden. Beide befinden sich in etwa an der gleichen Position, beide reduzieren damit die Höhe des verglasten Fensteranteils. Der Unterschied ist, dass Aufsatzrollläden Teil des Fensters und damit der wärmeübertragenden Umfassungsfläche sind. Sie werden auf den Blendrahmen des Fensters aufgesetzt und gemeinsam mit diesem montiert.
Aufsatzkasten können außen in etwa bündig mit dem Fenster angeordnet werden, wodurch sie den Lichteinfall von oben weniger behindern als nach außen ragende Vorbaukästen. Die innere Frontseite von Aufsatzkästen bleibt entweder als Einbauteil sichtbar, dann ist die Anordnung der Revisionsklappe sehr bequem auf der Innenfront möglich. Es gibt jedoch auch überputzbare Frontblenden, die mit einer Revisionsklappe unten kombiniert sind. Allerdings muss bei hochwärmedämmenden Fenstern mit Dreifachverglasungen berücksichtigt werden, dass der Rollladenkasten durch die größere Rahmendicke schlechter zugänglich wird. Doch wie auch immer, die Revision lässt sich bei Aufsatzlösungen in jedem Fall von innen organisieren, so dass ein Einsatz auch im vielgeschossigen Bauen möglich ist.
Je nach Art der Fassade können Vormauerungen, verputzte Dämmschichten oder Plattenbekleidungen über den Rollladenkasten hinweg geführt werden, so dass dieser von außen nicht als separates Teil erkennbar ist, sondern wie ein Einbaukasten im Neubau optisch „verschwindet“.
Aufsatzkästen energetisch betrachtet
In die Wärmeschutzberechnung gehen Aufsatzkästen mit ihrem eigenen, vom Hersteller anzugebenden Wärmedurchgangskoeffizienten Usb und der zugehörigen Flächen Asb als Teil des Fensters ein (Index sb für shutter box).
Im Sinne der Energieeffizienz des Gesamtgebäudes hat der Rollladenkasten also keine eigenständige Anforderung zu erfüllen, stattdessen muss das gesamte Fenster mit Rahmen, Verglasung und eben dem Kasten den geforderten U-Wert erreichen.
Neben diesen Anforderungen an den Wärmeschutz des Gebäudes im Sinne der EnEV haben Rollladenkästen, die Teil der wärmeübertragenden Umfassungsfläche sind, zusätzlich den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108–2 zu erfüllen. Dabei geht es nicht um die Einsparung von Heizenergie, sondern um die Vermeidung von Tauwasserausfall oder Schimmelpilzbildung auf der Innenseite von zu kühlen Bauteilen.
Aus der Norm ergibt sich ein U-Wert von 0,85 W/m2K für Rollladenkästen (dort formuliert als Wärmedurchlasswiderstand R). Zu beachten ist, dass die Angabe lediglich den hygienisch erforderlichen Mindestwärmeschutz beschreibt. Im Sinne der Energieeffizienz sind bessere, also kleinere Werte erstrebenswert.
Außerdem ist zum Schutz gegen Schimmelbildung nachzuweisen, dass der Temperaturfaktor fRsi an der ungünstigsten Stelle 0,70 nicht unterschreitet, was einer niedrigsten inneren Oberflächentemperatur von 12,6 °C unter Normbedingungen entspricht. Viele Systemanbieter geben in ihren Unterlagen fRsi-Werte für bestimmte typische Einbausituationen an.
Im Sinne der Energieeffizienz nach EnEV, aber auch im Hinblick auf den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108 ist außerdem auf einen fachgerecht abgedichteten Einbau der Fenster im Allgemeinen und des Aufsatzrollladens im Besonderen zu achten.
Vorhandene Sturzkästen
Einen Sonderfall der Modernisierung stellen Gebäude dar, die bereits vorher Rollläden oder doch zumindest Sturzkästen für Rollläden hatten. Diese meist älteren Rollladenkasten erfüllen in der Regel nicht mehr die heutigen Anforderungen an den Wärmeschutz. Trotzdem ist es natürlich sinnvoll, die Kästen weiter zu verwenden, schon weil sie die optisch unauffälligste Lösung für den neuen Rollladen darstellen.
Man kann eine bauseitige Wärmedämmung des alten Kastens in Erwägung ziehen, die aber wegen der Kleinteiligkeit und Geometrie aufwändig sowie anfällig für Fehlstellen ist. Sicherer dürfte darum der Einsatz spezieller Systemlösungen sein, die die Hersteller als Altbaurollladen, Modernisierungsrollladen oder mit ähnlichen Bezeichnungen anbieten. Der Panzer samt Welle und Wärmedämmung wird dabei als komplette Einheit geliefert und im alten Kasten montiert.
Im Hinblick auf den Wärmeschutz ist ein solcher ertüchtigter Kasten – wie ein Einbaukasten im Neubau auch – nicht Teil des Fensters, sondern eine Wärmebrücke in der Wand. Wie jede Wärmebrücke kann auch diese einzeln nachgewiesen oder mit dem pauschalen Zuschlag Δ Uwb = 0,10 W/(m²K) berücksichtigt werden. Am günstigsten ist jedoch meist der Mittelweg über die Planungsbeispiele von DIN 4108 Beiblatt 2, weil der U-Wert dann nur um 0,05 W/(m²K) erhöht werden muss. Dafür darf der längenbezogene Wärmebrückenverlustkoeffizient c (Psi) des Rollladenkastens nicht größer als die Vorgabe aus Beiblatt 2 sein. Den Psi-Wert für die jeweilige Einbausituation liefert der Anbieter des Sanierungs-Rollladens, was ein weiteres Plus der Systemlösung gegenüber der bauseitigen Wärmedämmung ist.


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