Neubau eines Wohnhauses mit Geschäftsflächen in Bühl

Trapezprofile: Plastisch gestreift

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Auf dem Firmengelände eines Einrichtungshauses für Wohn- und Büromöbel entstand ein ungewöhnliches Gebäude, das zwei Wohnungen mit Geschäftsflächen kombiniert und zudem die Designansprüche des Unternehmens repräsentiert.

Dipl.-Ing. Claudia Närdemann

Nordwestlich der Stadt Bühl liegt das Grundstück des Büroausstatters Habich im Gewerbegebiet „Bußmatten“ nahe des Autobahnzubringers L 85. Die Anschlussstelle zur A5 ist nur drei Kilometer entfernt. Das bestehende Firmengebäude sollte inhaltlich und gestalterisch durch einen Neubau ergänzt werden. Mit ihrem Entwurf gelang es den Bühler Architekten Wurm und Wurm ein autarkes Haus zu realisieren, das sich in Form und Funktion auf den Bestand bezieht, aber dennoch als eigenständiger Hingucker auf dem Firmengelände wahrgenommen wird.

Im neuen Gebäude sollte nicht nur gewohnt werden. Neben zwei Betriebswohnungen wünschte der Bauherr eine flexibel nutzbare Erdgeschosszone, die Raum für Büroarbeiten, Besprechungen und Ausstellungen bietet. Analog zur Funktion des bestehenden Firmengebäudes als Ausstellungs- und Verkaufsfläche für edles Möbel entwickelten die Architekten ein Gebäude mit skulpturalem Charakter, das die Neugier der Kunden wecken soll. Mit seiner Architektursprache verkörpert es Design, Nachhaltigkeit und Funktionalität und damit die Philosophie des Unternehmens.

Trapezprofile: Blickfang in Weiß und Grau

Im Südosten begrenzt der bestehende Gebäuderiegel auf der Längsseite das trapezförmige Grundstück der Firma Habich. Haupteingang sowie Kunden- und Mitarbeiterparkplätze liegen im Norden. Städtebaulich nutzten die Architekten die unmittelbare Nähe des Geländes zum Autobahnzubringer, um auf das Unternehmen aufmerksam zu machen. So bildet das neue Gebäude den westlichen Abschluss des Grundstückes und wird durch seine unverwechselbare Fassadengestaltung bereits von weitem zum Blickfang. Durch ihre Anordnung fassen die beiden Häuser das Firmengelände ein und gliedern zugleich den Außenraum in Parkzone und Eingangsbereiche.

Auch in seiner Materialität bezieht sich der Neubau auf das Bestandsgebäude. Seine Leichtmetallfassade ist aus seriell gefertigten Kurzstücken von Trapezblechstreifen hergestellt, die in einem präzise vorgegebenen Raster auf eine Unterkonstruktion aus Kantteilen montiert sind. Es handelt sich dabei um ein beidseitig pulverbeschichtete Aluminium-Trapezprofile der Serie „WU 50/250“ von Wurzer. Das 1,0 mm starke Profil ist 250 mm lang und 50 mm breit. Die Unterkonstruktion besteht aus horizontalen und vertikalen pulverbeschichteten Profilen in der Farbe Grau.

Die weißen Trapezprofile legen sich in gleichmäßigen Abständen senkrecht über die graue, vertikale Unterkonstruktion, wodurch eine lebendige Streifenoptik entsteht. Nach oben und zu den Fensteröffnungen hin bilden die Trapezprofile unregelmäßige Abschlüsse, mal ragen sie über die obere Gebäudekante hinaus, mal enden sie bündig. Diese Unregelmäßigkeiten nimmt die horizontal verlaufende Unterkonstruktion zusammen mit den Trapezprofilen auch im Bereich der Fensteröffnungen auf. In der geschlossenen Fläche gibt es weitere asymmetrische „Durchbrüche“ , die das Spiel zwischen weißen und grauen Elementen betonen und für eine lebendige Fassade sorgen.

Energetisch optimiert

Hinter der Aluminium-Fassade kam der Kalkzement-Leichtgrundputz „PT-1 ULP“ von Schwepa (Schwarzwälder Edelputzwerk) zum Einsatz. Der Putz besteht aus klassierten und getrockneten karbonatischen oder silikatischen Natursanden, hydraulischen Bindemitteln, organischem Leichtzuschlag (EPS-Kugeln), alkalibeständigen Fasern und Additiven zur besseren Verarbeitung, Haftung und Wasserabweisung. Er kann zum Verputzen von Mauerwerk aller Art, insbesondere für sehr leichte und höchstdämmende Untergründe im Innen- und Außenbereich verwendet werden.

Zwei eingeschnittene Lichthöfe gliedern den Kubus. Durch deren Verglasung im Erdgeschoss in der Fassadenebene und die komplett umlaufenden Trapezblechtafeln sind die Höfe von außen nicht als solche erkennbar. Für die Verglasungen wählten die Architekten das Fenstersystem „Schüco AWS 75.SI+“ , das durch den gezielten Einsatz spezieller Dämmstoffe noch weiter energetisch optimiert wurde. So konnte der Uf-Wert des Rahmensystems um 0,1  W/(m²K) verbessert werden. Das Fenster bietet jetzt eine Wärmedämmung mit einem Uf-Wert von 1,2 W/(m²K) bei schmalen 117 mm Ansichtsbreite und überzeugt auch optisch mit seinen schlanken Pfosten- und Rahmenprofilen. Durch eine energetisch optimierte Mitteldichtung und eine neue Glasfalzdämmung sorgt die „SimplySmart“-Technologie für Vorteile in der Verarbeitung. Außerdem bietet eine schraubbare Verbindungsvariante weiteren Verarbeitungskomfort sowie eine flächenbündigere Optik in der seitlichen Detailansicht.

Treppenmöbel im Fokus

Das Besondere an den Grundrissen ist deren Flexibilität. Das komplette Erdgeschoss wird von der Firma Habich als Büro- und Ausstellungsfläche genutzt, kann aber bei Bedarf jederzeit den beiden Wohnungen zugeschaltet werden. Während in den Obergeschossen die Grundriss-Zweiteilung des Hauses längs erfolgt, verläuft die Trennung im Erdgeschoss quer. Nur auf der untersten Ebene besteht eine Verbindung beider Wohneinheiten durch eine Tür.

Der Zugang erfolgt über die Innenhöfe. Bereits beim Betreten wird das Thema „Möbel“ formal in den Mittelpunkt gestellt: Mehr Möbelstück als Treppe stellt die Holzkonstruktion in der Mitte der jeweiligen Wohnung dar, die alle drei Geschosse vertikal verbindet. Sie ist Treppe, Brüstung und offenes Regal zugleich. Im zweiten Obergeschoss sind den Wohnräumen großzügige Dachterrassen vorgelagert, deren Geländer in größtmöglicher Transparenz mit einem Edelstahlnetz konstruiert wurden.

Warmes Holz und Betonoptik

Konträr zur äußeren metallenen Hülle herrschen innen ganz andere Töne. Hier trifft warmes Holz auf Betonoptik und großzügige Verglasungen. Maßgeblich an der Innenraumwirkung beteiligt ist die mineralische, fugenlose Bodenbeschichtung von Béton Ciré (Cramer Paris Werkstoffe GmbH). Für die rund 400 m² Bodenflächen der Wohnräume und Bäder kam „Béton Ciré Floor / Brut“ zum Einsatz. Das Material lässt sich schnell verarbeiten und ist extrem widerstandsfähig. In einer Materialstärke von 1 bis 2 mm wird die Beschichtung 3-lagig aufgetragen und versiegelt. Durch die kontinuierliche Verwendung eines Zusatzmittels im Putzwasser wird die gewünschte Materialästhetik im Used Look erreicht. Der „große Bruder“ ist „Béton Ciré Original“ , ein französischer Feinputz auf Zementbasis, der für die Wände der Bäder eingesetzt wurde. Das Ergebnis ist eine robuste Oberfläche in Sichtbetonoptik, die durch die Handarbeit der Spachtelung zum Unikat wird. Die Beschichtung ist wasserfest und somit für den Einsatz im Nassbereich geeignet.

Mit seiner Streifenoptik und der detailreichen Fassaden-Ausführung setzt sich der Neubau selbstbewusst in Szene. Wurm und Wurm Architekten entwarfen nicht einfach ein Wohnhaus mit integrierter Geschäftsfläche, sondern ein funktionales und gestalterisches Aushängeschild für das Wohn- und Büromöbelunternehmen Habich.

Architekt Robert Wurm:
„Der unkonventionelle Einsatz eines seriell
gefertigten Industriebaumaterials, hier ein
handelsübliches Trapezblech, bricht
eingeschliffene Sehweisen auf.
Die Hülle wird zum eyecatcher.“

Architekten:

Wurm + Wurm

Architekten Ingenieure GmbH, Bühl

www.wurm-wurm.de

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