Neubau eines Seminargebäudes der Uni Gießen

Prägnanter Auftakt – Neuer Campus an der Uni Gießen

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Puristisch, schlicht und edel präsentiert sich das neue Seminargebäude der Uni Gießen. Es bildet den Auftakt zur kompletten Neugestaltung des Campus Philosophikum. Geplant wurde es von der pbr Planungsbüro Rohling AG. Im Inneren des Neubaus herrscht eine klare, lichte Atmosphäre, die den Studenten der Geisteswissenschaften einen inspirierenden Raum zum Lernen und Denken bietet.

Dipl.-Ing. Claudia Närdemann | vs

Die Justus-Liebig-Universität Gießen ist die zweitgrößte Hochschule in Hessen. Allein der Campus Philosophikum beheimatet 10 000 Studenten. Nach der Entwicklung eines Masterplans soll der Campus in den nächsten Jahren eine städtebauliche Neustrukturierung erfahren. Alle geistes- und kulturwissenschaftlichen Bereiche werden an einem Ort gebündelt und die bisher getrennten Campusbereiche Philosophikum I und II zusammengefügt.

Ziel ist es, einen Universitätsstandort mit eigenem Charakter in landschaftlich reizvoller Lage zu schaffen. Der neue Campus Philosophikum der Uni Gießen wird nicht nur das Hochschulgelände selbst entscheidend prägen, sondern auch das Image der Universitätsstadt Gießen. Als bedeutender Hochschul- und Forschungsstandort in Mittelhessen soll die Stadt über die Landesgrenzen hinaus Bekanntheit erlangen. Mit der Setzung kraftvoller Gebäudevolumen wird eine städtebauliche Figur entwickelt, die klar definierte Räume zum Campus und zur Landschaft erzeugt. Der Masterplan sieht vor, insgesamt sechs Gebäude zu realisieren, die gemeinsam mit dem Campusplatz entlang einer Achse angeordnet werden. Die Achse dient dabei als verbindendes Element und erleichtert so die Orientierung.

Gelungener Auftakt

Den Auftakt zur Umsetzung des neuen Campus bildet das Seminargebäude am Alten Steinbacher Weg, für das die pbr Planungsbüro Rohling AG die Architekturplanung sowie die Planung der Technischen Ausrüstung erbrachte. „Auftakt“ ist sowohl im zeitlichen als auch im räumlichen Sinne gemeint: Denn im Nordosten ist es das erste Gebäude an der geplanten Achse des neuen Campus Philosophikum. Mit seiner prägnanten Architektur wird es auch nach Fertigstellung aller baulichen Maßnahmen einen markanten Akzent auf dem Campusgelände der Uni Gießen setzen. Verzahnt mit der grünen Umgebung, präsentiert sich der freistehende Baukörper selbstbewusst und zurückhaltend zugleich. Die Stärke des Entwurfs liegt in der Reduktion: Die klare Formensprache konzentriert sich auf das Wesentliche, der schlichte Solitär mit der rechtwinkligen Kubatur wirkt puristisch und edel.

Harmonie aus Glas und Beton

Unterstrichen wird das architektonische Konzept durch die Wahl der beiden Fassadenmaterialien Glas und Beton. Die dadurch entstehenden offenen und geschlossenen Flächen harmonieren trotz (oder gerade wegen) ihrer konträren Wirkung miteinander. Auf den beiden Stirnseiten zeigt sich das Gebäude überwiegend geschlossen. Eine großzügige Übereck-Verglasung macht den Eingangsbereich weithin sichtbar. Sie lockert die strenge Kubatur auf und lässt ins Innere des Gebäudes blicken. Dahinter sind Foyer, Treppenaufgang, Galerie und im dritten Obergeschoss ein Aufenthaltsraum zu sehen.

Die über drei Geschosse reichende Verglasung mit der dahinterliegenden Erschließungszone besteht aus dem Pfosten-Riegel-Fassadensystem „FW 60+ SI“ von Schüco. Neben der optimierten Wärmedämmung durch ein intelligentes Isolatorsystem (Uf-Werte bis zu 0,70 W/m²K) ermöglicht die Fassade auch das sichere Abtragen großer Glaslasten.

Als strukturierte Lochfassade mit gleichmäßig angeordneten quadratischen Fensteröffnungen ist die Nordwest-Seite ausgeführt. Hier wählten die Planer das Schüco Fensterprofil „AWS 75 SI+“. Es bietet eine effiziente Wärmedämmung (Uf-Werte bis zu 1,2 W/m²K) bei geringer Ansichtsbreite. Die „SimplySmart“ Technologie sorgt durch eine energetisch optimierte Mitteldichtung und eine neue Glasfalzdämmung für Vorteile in der Verarbeitung.

Die großformatigen, fein gestrahlten Betonfertigteilplatten der Fassaden stammen von Fuchs Fertigteilwerke. Sie sind in der Sichtbetonklasse SB4 ausgeführt und unterstreichen den puristischen Charakter des Gebäudes. Abmessung und Anordnung der vorgehängten Platten machen Decken und Geschosse von außen ablesbar. Mithilfe spezieller Ankersysteme, die bereits im Fertigteilwerk einbetoniert wurden, erfolgte die Montage der großformatigen, vorgehängten Betonplatten am Ortbetonrohbau.

Innere Funktionalität

Auf 1 420 m² brachten die Architekten der pbr Planungsbüro Rohling AG alle geforderten Nutzungsbereiche bei optimaler Grundrissfunktionalität unter. Im Erdgeschoss befinden sich zwei große Seminarräume für je 100 Personen. Acht weitere Vortragssäle für je 60 Besucher sind in den übrigen drei Geschossen angeordnet.

Durch den verglasten Haupteingang gelangen die Besucher in das lichtdurchflutete Foyer, das sich nach oben hin über zwei Geschosse öffnet. Im Bereich der großzügigen Verglasung erfolgt die Haupterschließung über eine breite einläufige Treppe. Von hier aus bietet sich ein weiter Ausblick über das Gelände. Angrenzend an das Foyer trennt ein längs durchlaufender Flur den Seminarbereich vom Erschließungs- und Sanitärtrakt.

Im Erdgeschoss sorgt die „F30-Metall-Brandschutzdecke“ von Fural im hinteren Bereich des Flurs für größtmögliche Sicherheit. Die Decke funktioniert als selbstständige Brandschutzunterdecke und erreicht ihren Feuerwiderstand ohne zusätzliche Einlagen aus künstlichen Mineralfasern. Durch die Pulverbeschichtung besitzt sie eine saubere, glatte Oberfläche. Neben ihren funktionalen Eigenschaften überzeugt die Decke auch optisch und fügt sich gestalterisch in das Gebäude ein.

Für die Seminarräume wurde die Knauf Akustik-Plattendecke „Cleaneo“ eingesetzt. Sie besteht aus robusten, glasfaserverstärkten Elementen („Danoline“), die zu einer optimalen Akustik und, mit ihrem Luftreinigungseffekt, zur Raumluftverbesserung beitragen.

Robuste Bodenbeläge

Auch die Bodenbeläge mussten hohe funktionale und gestalterische Kriterien erfüllen. Für Foyer, Flure und Treppen wählten die Architekten die trittsichere Fliese „Valley“ von Agrob Buchtal in Erdbraun. Das Relief mit den feinen, körnigen Strukturverläufen betont die natürliche Oberfläche der Feinsteinzeugfliese.

Als Bodenbelag in den Seminarräumen kam „Tarkett Veneto xf²“ zum Einsatz. Der robuste Linoleumboden mit der dezenten Marmorierung wurde speziell für stark frequentierte Bereiche entwickelt. Durch die Mikro-Modifikationen der Oberflächenstruktur erhält der Boden das charakteristische Erscheinungsbild mit der glatten Oberfläche und dem reduzierten Glanzgrad.

Autark und dennoch Teil eines Ganzen: Der Auftakt zur Neugestaltung des Campus Philosophikum der Uni Gießen ist geglückt. Den Architekten der pbr Planungsbüro Rohling AG gelang es, im Rahmen des komplexen Masterplans einen prägnanten, in Form und Funktion eigenständigen Solitär zu schaffen, der sich mit seiner klaren Architektur in die künftigen baulichen Strukturen einfügen wird.

Dipl.-Ing. Architektin Martina Fuchs: „Mit unserem Seminargebäude, das eine hohe Repräsentationskraft ausstrahlt, ist der erste Meilenstein für den neuen Campus der Uni Gießen gelegt. Für uns war insbesondere die Arbeit mit großformatigen Betonfertigteilplatten eine neue Erfahrung. Wir sind froh, die Herausforderung angenommen zu haben.“

Architekten:

pbr Planungsbüro Rohling AG, Osnabrück

www.pbr.de

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