Neubau eines Wohn- und Geschäftshaus in der Ackerstraße Berlin

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Schlichte Kubatur, puristisches Fassadenmaterial, vielfältige Rücksprünge, imposante Fenster-Passepartouts aus Architekturbeton: Mit seiner spannungsreichen Formensprache prägt ein neues Wohn- und Geschäftshaus in der Ackerstraße Berlin das Stadtbild – in einer pulsierenden Gegend voller Vielfalt und Gegensätze.

Dipl.-Ing. Claudia Närdemann | vs

Auf einem rund 1 000 m² großen Grundstück in der Ackerstraße Berlin (Berlin-Mitte) realisierten Tchoban Voss Architekten (Berlin) ihren Entwurf für ein viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit Staffelgeschoss und drei außergewöhnlich gestalteten Fassaden. Das Grundstück liegt an der Ackerstraße/ Ecke Elisabethkirchstraße und grenzt im Nordosten an den historischen Pappelplatz. 1833 geschaffen, wurde der Platz 2006 nach historischem Vorbild saniert. Heute ist er als Gartendenkmal in die Berliner Denkmalliste eingetragen. Mit seinen Pappeln und der überlebensgroßen Brunnenfigur „Der Geldzähler“ schafft der dreieckige Platz einen unverwechselbaren grünen Ruhepunkt im Großstadtviertel.

Aufgelockerte Kubatur

Das neue Wohn- und Geschäftshaus sollte sich architektonisch von der vorhandenen Gebäudestruktur abheben und gleichzeitig respektvoll in den städtebaulichen Kontext einfügen. Es wurde als schlichte Kubatur parallel zur Ackerstraße errichtet. Da eine anschließende Nachbarbebauung vorgesehen ist, konzipierten die Planer die südöstliche Stirnseite des Gebäudes als geschlossene Brandwand. Die drei anderen Fassaden sind freiliegend und bieten dem Betrachter asymmetrisch strukturierte Ansichten. Die nordwestliche Kopfseite orientiert sich am Verlauf der Elisabethkirchstraße, weshalb die Außenmauern hier keinen rechten Winkel ergeben. So wurde die Grundstücksfläche optimal ausgenutzt und die Innenraumfläche erhöht. Den oberen Gebäudeabschluss bildet das rundum verglaste Staffelgeschoss, das die Höhe des Neubaus visuell verringert und im Zusammenspiel mit dem großflächigen Rücksprung in der Nordostfassade die strenge Kubatur auflockert. So wurden ein behutsamer Übergang zum umgebenden Grün sowie eine bessere Verzahnung mit der Umgebung geschaffen.

Dreidimensionale Passepartouts

Der Neubau ist in Stahlbetonskelettbauweise errichtet. Für die Fassade wählten die Architekten ein Verblendmauerwerk. Zum Einsatz kam ein heller Ringofen-Wasserstrichziegel von Janinhoff, der speziell für dieses Projekt angefertigt wurde. Der Ziegel verbindet die Vorzüge des Ringofensteins mit den Besonderheiten eines Wasserstrichziegels. Beim Wasserstrichverfahren wird jeder Stein zu einem Unikat – denn der Produktionsprozess ist nicht steuerbar. Das Aufeinandertreffen von Rohling und Wasser führt zu individuellen optischen Eigenschaften – feinen Rissbildungen, ungeraden Ausformungen, Abplatzungen – bei gleichbleibender Qualität und Materialität. Neben der besonderen Haptik und den changierenden Farbtönen zeichnen den Ringofen-Wasserstrichziegel eine hohe Witterungsbeständigkeit sowie eine geringe Verschmutzungsneigung aus.

Mit der Anordnung und Gestaltung der Fensteröffnungen verleihen die Architekten von Tchoban Voss dem Gebäude ein unverwechselbares Gesicht. Weiße, imposante Architekturbetonelemente – die Architekten nennen sie „kolossal“ – durchbrechen die Fassaden und umrahmen die Öffnungen wie Passepartouts. Die überdimensionalen Laibungen variieren in Größe, Tiefe und Anordnung. So schaffen sie in den ansonsten weitgehend ebenen Fassaden eine dritte Dimension und verleihen dem Gebäude einen skulpturalen Charakter. In scheinbar willkürlicher Anordnung strukturieren die unterschiedlich großen Fensteröffnungen die Fassadenansichten. Die Öffnungen sind jedoch exakt auf die Bedürfnisse der Innenräume abgestimmt. Dort bedingen sie die Raumwirkung und sorgen für optimale Lichtverhältnisse.

Im Erdgeschoss schaffen großzügige Verglasungen Leichtigkeit und Transparenz. Im Bereich der Straßenecke geht die Verglasung über Eck und lässt Durchblicke von der Ackerstraße in die Elisabethkirchstraße zu. Dadurch wird der Straßenraum optisch geweitet. Bei den Fenstern fiel die Wahl auf das hochwärmegedämmte Blockfenstersystem „AWS 75 BS.HI“ von Schüco. Es ist sowohl als Drehkipp- als auch als PASK-Fenster („Parallel-Abstell-Schiebe-Kipp-Fenster“) ausgeführt. Das System mit verdecktem Flügel ermöglicht schmale Ansichten ohne Falzgrundverklebung, was für die Planer – neben hoher Funktionalität – ein wichtiges Auswahlkriterium war.

Vielseitiger Grundriss

Die äußere Vielschichtigkeit setzt sich im Inneren des Gebäudes fort. Acht attraktive Wohneinheiten zwischen 70 und 190 m² Größe sind im zweiten bis vierten Obergeschoss untergebracht. Das rundum verglaste Staffelgeschoss bietet Platz für eine Penthouse-Wohnung mit 290 m² und eine großzügige, umlaufende Terrasse. Durch den großen Rücksprung ist das Geschoss erst aus einiger Entfernung sichtbar. So ist es vor neugierigen Blicken geschützt und erlaubt gleichzeitig weite Ausblicke ins Viertel.

Im Erdgeschoss sowie in Teilen des ersten und zweiten Obergeschosses sind Gewerbeflächen untergebracht. Das Untergeschoss dient teilweise als Lagerfläche, der Rest ist als Tiefgarage mit zehn Stellplätzen angelegt. Die Zufahrt erfolgt an der Stirnseite des Gebäudes von der Elisabethkirchstraße aus. Mittig in der Fassade zur Ackerstraße hin befindet sich der markante Haupteingang, dessen Verglasung über zwei Geschosse reicht.

Auch im Inneren legten die Architekten Wert auf edle Materialien. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Bodenbeläge. Das Foyer des Erdgeschosses sollte ein repräsentatives Ambiente erhalten. Eingesetzt wurden deshalb Feinsteinzeug-Bodenfliesen der Serie „Genesis Loft“ von Cercom. Die Kollektion zeichnet sich durch graue Oberflächen in Stein-Optik aus und eignet sich insbesondere für die minimalistische Raumgestaltung. In den Wohnungen wurden edle Bodenbeläge aus Feinsteinzeug in Holzoptik von Marazzi verlegt. Die Vorzüge robusten Feinsteinzeugs vereinen sich hier mit dem warmen Charakter von Holz. Im Bereich der Büroräume und Flure entschieden sich die Planer für textile Bodenbeläge, die sowohl gestalterisch als auch funktional hohe Anforderungen erfüllen sollten: Elegantes Design, hohe Strapazierfähigkeit und geringe Schmutzanfälligkeit waren ein Muss. Die Wahl fiel auf „next Gen 2“, ein Teppichboden von Carpet Concept. Klassische Rutenwebware in Anthrazit bildet den Fond des Webteppichbodens, auf dem die Dessins – parametrischen Modellen aus Innenarchitektur oder Stadtplanung nachgebildet – harmonisch zur Geltung kommen.

Mit ihrem Entwurf haben Tchoban Voss Architekten ein Gebäude geschaffen, das die Vielschichtigkeit des lebendigen Viertels widerspiegelt und zugleich einen markanten städtebaulichen Akzent setzt. So heterogen wie seine Umgebung ist auch die Architektur des Wohn- und Geschäftshauses, das selbstbewusst den Ort prägt, ohne dabei die Bestandsstrukturen zu dominieren.

Architekt Sergei Tchoban: „Die Ackerstraße in Berlin-Mitte befindet sich an einer Schnittstelle von diversen Nutzungen, Lebensmodellen und Generationen. Der Neubau sollte die lebendige, kontrastvolle Atmosphäre und gleichzeitig die
urbane Harmonie materialisieren.“

Architekten

TCHOBAN VOSS Architekten GmbH,
Hamburg, Berlin, Dresden

www.tchobanvoss.de

Die bba hat über ein weiteres interessantes Projekt von Tchoban Voss Architekten berichtet:

Raffiniert gestapelt – Neubau einer Villa in Wilhelmshorst bei Potsdam

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