Neubau einer Stadthalle in Bad Neustadt an der Saale

Harmonischer Bogen

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Für frischen Wind in Sachen Kultur sorgt die neue Stadthalle in Bad Neustadt. Architektonisch hat das Gebäude einiges zu bieten: Der kontrastreiche Dialog zwischen Transparenz und Geschlossenheit, zwischen geschwungenen und orthogonalen Formen schafft eine unverwechselbare Architektur, die sich an den Besonderheiten des Ortes orientiert.

Dipl.-Ing. Claudia Närdemann

Der unterfränkische Kurort Bad Neustadt benötigte für seine kulturellen Events dringend neue adäquate Räumlichkeiten. In der 1956 errichteten Stadthalle konnten längst nicht mehr alle Veranstaltungen stattfinden. Das Gebäude war im Hinblick auf Gestaltung, Funktionalität und Energietechnik veraltet, außerdem gab es zu wenig Platz für große Veranstaltungen. Für die anstehende Aufgabe wurde in einem europaweiten VOF -Verfahren die pbr Planungsbüro Rohling AG ausgewählt, u.a. aufgrund ihrer Kompetenzen im Bereich von Kulturbauten und ihres Knowhows im Umgang mit vorhandener Bausubstanz.

Neubau oder Sanierung war die Frage. Viele Mitbürger waren gegen einen Abriss. Erst ein Bürgerentscheid brachte Klarheit: Die Mehrheit stimmte schließlich für einen Neubau.

Signifikanter Eingang

Auch die Architekten sprachen sich nach eingehender Analyse für einen Neubau aus. Städtebaulich ergab sich damit die Chance, eine signifikante Eingangssituation zur Bad Neustädter Altstadt zu schaffen. Direkt gegenüber dem Grundstück liegt das historische Hohntor, das an den südlichen Teil der Stadtmauer grenzt. Es gilt als Wahrzeichen der Stadt und verleiht der Lage des Neubaus eine gewisse Bedeutung.

Ziel der Architekten war es, ein repräsentatives Veranstaltungsgebäude zu schaffen, das sein kulturelles Innenleben nach außen kommuniziert. Sie entwarfen einen kompakten Baukörper, der sich an der prägnanten Form des Eckgrundstückes orientiert. So nehmen Dach und Fassade im Norden den großzügigen Schwung der Straße auf.

Das Gebäude mit seinen geschlossenen steinernen Außenwänden öffnet sich nach Norden und Osten hin mit einer transparenten Glasfassade, die den Haupteingang markiert. Sie schafft weite Ein- und Ausblicke und lässt viel Tageslicht ins Innere. Für die Verglasung kam das hochwärmegedämmte Aluminium-Fenstersystem „Schüco AWS 75 Si“ zum Einsatz. Es bietet schmale Ansichtsbreiten für hohen Lichteinfall. Ein weiteres Auswahlkriterium war die pflegeleichte und langlebige Aluminiumoberfläche, die sich auch optisch in die Architektur des Neubaus einfügt. Besonders im Dunkeln verleiht die Verglasung dem von innen heraus beleuchteten Gebäude eine signifikante Signalwirkung und macht es weithin sichtbar. Highlight in der Nordfassade ist der weiße kubische Baukörper, der die Glasfront durchdringt. Darin befindet sich der Vortragssaal des Obergeschosses.

Lebendiges Fassadenspiel

Um einen Dialog mit dem Hohntor samt Stadtmauer zu schaffen und so das Moderne mit dem Alten zu verbinden, beschlossen die Architekten, den Großteil der Fassade mit einem heimischen Naturstein zu bekleiden. Die Fassade besteht aus weit über 30 000 „Miro-Muro-Steinen“ von Steinbach, deren Steinoberfläche unregelmäßig gebrochen ist. Durch die bruchrauen Kanten entsteht im Verband ein lebendiges, individuelles Bild. Bei dem Stein handelt es sich um Muschelkalk aus der unteren Terebratel-Bank, der aus dem regionalen Steinbruch von Steinbach aus Salz stammt.

Kein Stein ist wie der andere. Die vielen tausend Steine mit den changierenden Tönen fügen sich zu einem Ganzen zusammen, dessen Einzigartigkeit von jedem einzelnen geprägt ist. Durch das Wechselspiel zwischen offenen und geschlossenen Flächen wird das Innere der Stadthalle außen ablesbar, und es entstehen dynamisch strukturierte Fassaden, die von dem auskragenden Dach zusammengefasst werden.

Flexibles Innenleben

Im Inneren waren Multifunktionalität und Flexibilität gefragt. Die Stadthalle sollte für alle Fälle gerüstet sein und variabel auf die jeweils erforderliche Besucherzahl, ob großes oder kleines Event, reagieren können. Deshalb wurde bei der Planung auf flexible Nutzbarkeit besonderen Wert gelegt. Neben dem großen Saal gibt es einen kleineren Vortragssaal für bis zu 120 Personen und weitere Veranstaltungsräume. Im Obergeschoss sind Büro- und Verwaltungsräume für das Hallenmanagement und den Tourismusbereich der Stadt Bad Neustadt integriert.

Sichtbeton, Holz und viel Glas prägen die Atmosphäre im Inneren der Stadthalle. Das Foyer präsentiert sich großzügig und lichtdurchflutet. Es dient als Kommunikationszone und ist variabel nutzbar. Die Foyerflächen in Erd- und Obergeschoss sind in Form von Galerien und Durchblicken visuell miteinander verbunden. Über eine Treppenanlage werden alle Ebenen erschlossen, die barrierefrei auch per Aufzug erreichbar sind.

Damit möglichst wenig Lärm nach außen, aber auch nach innen dringen kann, wurde der große Veranstaltungssaal im Inneren des Gebäudes positioniert. Eine eigens geplante Akustikdecke sorgt für optimales Hörvergnügen. Für die Wandverkleidung des Saales wurde die nicht brennbare „BER Holz F A-BG Akustikplatte“ gewählt. Die im Verbund geprüfte Akustikplatte verfügt über eine edle Holzoptik und erfüllt alle Anforderungen an Brandschutz, Akustik und Optik. Durch ihr geringes Gewicht ist eine einfache und schnelle Montage gegeben.

Wandelbarer Saal

Am südlichen Zugang ermöglichen Trennwände die räumliche Anpassung des Saals an die Größe der jeweiligen Veranstaltung. Um der Besucherkapazität bei größeren Events gerecht zu werden, kann der große Saal bei Bedarf durch die mobile Trennwand „Palace 110 Si“ von Parthos um die Foyerfläche erweitert werden. Auf diese Weise finden bis zu 800 Personen sitzend und bis zu 1 200 Personen stehend ausreichend Platz. Nicht nur optisch passt die Trennwand ins Bild: Dank der Verwendung von EPDM-Druckleistenendstücken verfügt sie über hervorragende akustische Eigenschaften. Mit einer Elementdicke von nur 110 mm erzielt die mobile Wand eine hohe Schalldämmung. Auch ihre Bedienungsfreundlichkeit war ein Auswahlkriterium. Dank kugelgelagerter Laufrollen läuft die Trennwand ruhig und sanft in der Schienenkonstruktion und bietet unzählige Parkstellungen. Direkt an den Bühnenbereich sind Lager- und Sammlungsbereiche angeordnet.

Im März 2017 wurde die neue Stadthalle offiziell eingeweiht. Mit ihrem Entwurf schlagen die Architekten der pbr Planungsbüro Rohling AG einen harmonischen Bogen zwischen zeitgemäßer Architektur und den historischen Strukturen des Ortes. Entstanden ist ein identitätsstiftender Stadtbaustein, der einen architektonisch und funktional vielseitigen Rahmen für das Bad Neustädter Kulturleben bildet.

Dipl.-Ing. Architekt Michael Bracke: „Mit der neuen Stadthalle wollten wir einen Ort der Begegnung schaffen. So lag ein großes Augenmerk während der Planung auf der Integration aller Besuchergruppen. Ein hohes Maß an Transparenz und die flexibel nutzbaren Räume verkörpern dies auch in architektonischer Hinsicht.“

Architekten:

bpr Planungsbüro Rohling AG, Jena

www.pbr.de

Lageplan.
Zeichnung: Planungsbüro Ledermann Landschaftsarchitekten
Grundriss EG.
Zeichnung: pbr Planungsbüro Rohling AG
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