Aufstockung eines Parkhauses mit Büroetagen in Culver City, USA

Gewickelt und nicht gestoßen

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Mit skulpturalen Gebäuden haben Eric Owen Moss Architects der einst monoton gestalteten Industriestadt Culver City ein architektonisch markantes Gesicht gegeben. Für die Räumlichkeiten einer Werbeagentur stockten sie ein Parkhaus zweigeschossig auf und ließen einen mit Titanzink bekleideten Flugsaurier auf dem Gebäude landen.

Thomas Bühlmeyer, Anwendungstechnischer Berater, Rheinzink | be

Der Pterodactylus, ein kleiner Flugschwanzsaurier, stand Pate für die Aufstockung eines Parkhauses im US-amerikanischen Culver City. Die kalifornische Stadt gehört zum Los Angeles County, wurde 1913 gegründet und zählte neben Hollywood über Jahrzehnte zu den Zentren der US-amerikanischen Filmindustrie. Stan Laurel und Oliver Hardy – „Dick & Doof“ – drehten ihre Komödien in den Hal Roach Studios, in denen auch „Die Kleinen Strolche“ ihre Abenteuer erlebten.

Als sich in Hollywood das Goldene Filmzeitalter dem Ende neigte, schlossen auch in Culver City diverse Studios. In den 1970er und 1980er Jahren wuchsen dann diverse, nicht immer schöne Immobilienprojekte in die Höhe. Doch als sich Sony in den 1990er-Jahren mit den Columbia Pictures-Filmstudios in Culver City ansiedelte, erwachte der Ort zu neuem Leben, an dessen Gestaltung sich Eric Owen Moss Architects mit kunstvoll gestalteten Bauwerken beteiligten. Sie kreierten Gebäude wie das Beehive, den Umbrella und das Slash/Backslash. Damit trugen sie dazu bei, dass sich das eher öde Industriegebiet zu einem belebten Quartier entwickelte, in dem sich die New Economy und Globalplayer wie AOL, Columbia Tri-Star und Ogilvy & Mather ansiedelten.

Geflügelte Architektur

Ein weiteres markantes Beispiel für die Kreativität von Eric Owen Moss Architects ist die Aufstockung eines dreigeschossigen Parkhauses, für dessen Gestaltung der Pterodactylus als Vorbild diente. Realisiert wurde die Idee: Der Flugsaurier landete auf dem Flachdach, breitete seine Flügel seitlich aus und beugte sich leicht nach vorn, um hinunter zur Straße zu schauen. Geformt haben ihn die Architekten aus neun länglichen Hohlkörpern, die an überdimensionale, ungleichmäßig neben- und übereinander gestapelte Kanthölzer erinnern. Aus diesem Stapel haben die Architekten herausragende Kanten und Enden oben sowie auf Rück- und Vorderseite abgeschnitten. Dort, wo der Pterodactylus seinen Schnabel hat, ordneten sie eine Treppe an, die vom Parkhaus direkt in das zweigeschossige Bürogebäude führt.

Genutzt wird die Aufstockung von einer Werbeagentur. Im unteren Geschoss ist die gesamte Etage überwiegend offen und mit kommunikationsfördernden Arbeitsplätzen gestaltet, während im oberen Geschoss, das über eine interne Treppe angebunden ist, eher separierte Büro- und Besprechungsbereiche dominieren.

Realisiert wurde der Pterodactyl mit einer erdbebensicheren Stahl- und in einigen Bereichen Stahlbetonkonstruktion. Für Planung und Umsetzung der außerordentlich komplexen Strukturen und Tragkonstruktionen setzten die Architekten die CAD-Software Catia in Kombination mit Building Information Modeling (BIM) ein. Neben dem verbesserten Informationsfluss schufen sie damit die Grundlagen für die zuverlässige Bauüberwachung und die präzise Ausführung der Arbeiten. „Für viele unserer Partner war dies eine Herausforderung“ , erzählt Projektarchitekt Raul Garcia rückblickend. „Doch die Software erlaubte es uns, viele Details bereits geklärt zu haben, bevor die Auftragnehmer die Baustelle betraten.“

Gestaltung mit Titanzink

„Für die Gestaltung wollten wir eine relativ kleine Palette an Materialien verwenden“, berichtet R. Garcia weiter. „Das hilft dabei, einen ausdrucksstarken Raum zu kreieren.“

Neben Titanzink zählten dazu Beton, Gipskarton, Glas und Stahl. Mit Rheinzink hatten die Architekten bereits das Beehive umhüllt – ein Büro- und Konferenzzentrum, das sich durch seine Ausformung als Bienenstock einerseits wie eine moderne Skulptur präsentiert und andererseits für Statik und Dynamik, Arbeit und Geselligkeit, Organisation und Transformation steht.

Eric Owen Moss Architects waren von der Oberfläche des Titanzinks, von seiner Farbe und von der durch die Patina entstehenden Lebendigkeit so begeistert, dass sie sich auch beim Pterodactyl dafür entschieden.

„Weitere große Pluspunkte sind seine Bearbeit- und Formbarkeit, denn sie erlaubt dem Verarbeiter, das Titanzink vor Ort zu formen und es selbst in komplizierten Bereichen wie engen Kurven der Architektur anzupassen“, erklärt Raul Garcia. Diese Eigenschaft spielte beim Pterodactylus eine herausragende Rolle, denn die Architekten bestanden darauf, dass die Titanzinkbekleidung an Schrägen, Ecken und Kanten nicht gestoßen, sondern gewickelt, also um die Ecke geführt wurde.

Als Verlegesystem kamen Großrauten zum Einsatz. Sie bieten vielfältige Möglichkeiten der Gebäudestrukturierung, weil sie in verschiedenen Baubreiten vertikal, horizontal und diagonal verlegt werden können. Weitere Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich durch den variablen Falzversatz. Verlegt wurde das Titanzink auf folgendem, für Teile Nordamerikas typischem Wandaufbau (von innen nach außen): Gipskarton, Dampfbremse, Dämmung, OSB-Platten, wasserdichte Abdichtung auf Butyl-Kautschukbasis, Rheinzink-Strukturmatte AIR-Z und Großrauten. Die Architekten entschieden sich für die Oberflächenqualität Rheinzink prePatina blaugrau, denn dieser Farbton harmoniert mit der umgebenden Bebauung und setzt zugleich einen farblichen Akzent.

Die Lieferung des Titanzinks erfolgte in 1 000 mm breiten Coils, die der Verarbeiter zunächst in 500 mm breite Bänder geteilt hatte, um nach der Verarbeitung ein sichtbares Achsmaß von ca. 430 mm zu erhalten. Das Längenmaß der Bänder war individuell und hing vom Einsatzort ab. Zur Herstellung der Großrauten wurde das zugeschnittene Titanzink an einer langen und einer kurzen Seite um 180° nach innen und an den beiden anderen Seiten – ebenfalls um 180° – nach außen gefalzt. Diese Falze bilden die Voraussetzung, um die Großrauten sicher ineinander einzuhängen. Die Verlegung erfolgte von unten nach oben, die Befestigung der Großrauten mit Edelstahlhaften, die mit Edelstahlschrauben in der Unterkonstruktion befestigt wurden.

Ausführung und Ausformung der Bekleidung mit ihren zahlreichen, individuellen Details stellten hohe Anforderungen an den Verarbeiter. Seine Arbeit beeindruckt durch hohe handwerkliche Qualität, akkurate Ausführung und scharfkantige Details. Er setzte die Großrauten als Fassadenbekleidung und als Dachdeckung ein und hat den Übergang vom Dach zur Fassade häufig fließend ausgeführt: „gewickelt“ (also um die Ecke geführt) und nicht gestoßen. Hinzu kamen Bereiche, in denen er beispielsweise die Großrauten in Längsrichtung noch um schräg verlaufende Wände herum legte.

Die Architekten wählten Titanzink nicht nur für die Dach- und Fassadengestaltung, sondern auch für die Gestaltung im Innern. Damit schufen sie zusammen mit den großen, nach Norden und Osten orientierten Glasflächen einen fließenden Übergang sowie interessante Blickbeziehungen zwischen innen und außen.

Architekten:

Eric Owen Moss Architects, Los Angeles, CA, USA

http://ericowenmoss.com

Konzept „Pterodactyl“ von Eric Owen Moss Architects als Video:

goo.gl/DFXmv6

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