Neubau eines Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäudes in Berlin

Schillernder Partikelsturm – Structural-Glazing und Gussglas am Futurium Berlin

Infoservice
Sie können folgende Produkt-Informationen der im Beitrag erwähnten Hersteller über den Infoservice kostenfrei anfordern:Wie funktioniert der bba-Infoservice? Zur Hilfeseite »

Wie eine „gelandete Wolke“ wirkt das neue Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude Futurium in Berlin. Die Fassade besteht aus mehreren Tausend rautenförmig angeordneten Kassettenelementen mit Metallreflektoren und keramisch bedrucktem Gussglas. Zwei großformatige Structural-Glazing-Fassaden bieten zudem repräsentative Ein- und Ausblicke.

Bei ihrem Entwurf ließen sich die Architekten Christoph Richter und Jan Musikowski von zwei wesentlichen Ideen leiten: Zum einen sollte das Futurium ein „Zukunftsgefäß“ sein – mit einer eigenständigen Form und starken Raumsequenzen. Zum anderen wollte man es mit einer robusten und gleichzeitig grazilen Hülle umschließen. Entstanden ist ein Baukörper, der an eine „gelandete Wolke“ erinnert und zwischen den steinernen Blockrandbauten seine skulpturale Wirkung entfaltet.

Vielfältige Funktionen vereint

Als neues Veranstaltungs- und Ausstellungszentrum liegt das Futurium vis-à-vis des Spreebogenparks. Das Areal wird im Norden von der Stadtbahn und dem Gelände der Charité, im Osten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung begrenzt. Durch das Zurücksetzen der Baufluchten im Norden und Süden schufen die Architekten zwei öffentliche Plätze. Der Grundriss des Neubaus ist fünfeckig und leicht asymmetrisch. Darüber faltet sich das Volumen zu beiden Schauseiten „schmetterlingsförmig“ auf. Die aus der Anhebung resultierenden Auskragungen bilden bis zu 18 m überdachte Freiflächen und markieren so die Haupteingänge des Baus.

Die Struktur des Hauses ist dreigeteilt: Im Erdgeschoss liegt das in hellen Farbtönen ausgestaltete Foyer mit Treppe. Um den Aufenthaltsbereich herum gruppieren sich Infrastrukturblöcke sowie Restaurant und Shop. Die größte Fläche nimmt jedoch das zwischen 56 und 670 m2 flexibel konfigurierbare Veranstaltungsforum ein. Dunkle Oberflächen prägen das unterirdische, 600 m2 große Futurium Lab; Akzente setzen hier die in regelmäßigem Raster verteilten Lichtspots an den Decken. Im Obergeschoss findet der Besucher das eigentliche Herz des Futuriums: einen rund 3 000 m2 großen Ausstellungsbereich, der zukünftig in die „Denkräume“ Mensch, Natur und Technik eingeteilt wird. Diese lassen sich von den beiden Galerie-Ebenen großzügig überblicken.

Changierende Umgebungsreflexionen

Die Ost- und Westfassade sowie die Eingangsuntersichten sind von rund 4 000 m2 hinterlüfteter, rautenförmiger Kassettenschicht umhüllt. Diese setzt sich aus etwa 8 000 Elementen zusammen, 70 x 70 cm groß. Drei Viertel davon bestehen aus 12 cm tiefen, unterschiedlich gefalteten Metallreflektoren und – in der äußeren Ebene – aus keramisch bedrucktem, 6 mm starkem Gussglas von Saint-Gobain Glass („Decorglass SGG SR Listral L “).

„Das Gussglas ermöglicht ein vielfältiges Lichtspiel. Im Gegensatz zu transparentem Glas streut und moduliert es das Licht mit den Umgebungsreflexionen“ , erklärt Architekt Christoph Richter. „Für uns ist das ein wichtiger gestalterischer Effekt.“

Das reflektierte Licht erzeugt ein sich mit der Tages- und Jahreszeit beständig änderndes Erscheinungsbild. Die weiße Bedruckung tritt als lichtempfangende Ebene insbesondere nachts hervor. Die Gesamterscheinung der Kassettenflächen lässt sich als grafischer Abdruck einer Wolke interpretieren, aber auch als Schwarm oder Partikelsturm. Erzeugt wird dieses charakteristische Muster durch unterschiedliche Bedruckungsgrade auf den Glasflächen.

Ästhetische Ganzglasfassade

An den auskragenden Schauseiten bieten zwei großformatige Panoramafassaden repräsentative Ein- und Ausblicke in Richtung Spree und Hochbahn. Von außen wirken die 28 m breiten und 8 bzw. 11 m hohen Structural-Glazing-Konstruktionen, je nach Lichtverhältnissen, wie überdimensionale, glänzende Screens. Die Pfosten-Riegel-Fassaden sind komplett an darüber liegenden Hohlkastenträgern abgehängt. Die Architekten entschieden sich für das Stahlprofilsystem „Viss SG“ von Schüco Stahlsysteme Jansen in einer Profiltiefe von nur 150 mm und schlanken 60 mm Ansichtsbreite – eine architektonisch hochwertige Lösung für die Konstruktion ästhetisch ansprechender Ganzglasfassaden in energieeffizienter Bauweise.

Neben den gestalterischen Anforderungen an maximale Scheibenformate und minimierte Tragstruktur galt es, auch die baulichen Anforderungen an Schallschutz, Wärmeschutz, Sonnenschutz, Verdunklung, Windlast, Brandschutz und Absturzsicherheit zu erfüllen. Die hier in einer hängenden Pfosten-Riegel-Konstruktion eingesetzten Dreifach-Isolierverglasungen von Saint-Gobain Glass („Vario DZ Climatop“) sind circa 2,3 x 4 m groß und als Structural-Glazing-System ohne sichtbare Glashalter befestigt. Die umlaufenden opaken Randfelder wurden rückseitig schwarz bedruckt, wodurch sie als Teil der transparenten Glasfläche wahrgenommen werden. Die außergewöhnliche Glasfassade am Futurium Berlin ist einer von vielen Bausteinen, die das Gebäude zum Niedrigstenergiehaus machen. Die Zukunft hat hier schon längst begonnen.

Architekten:

Richter Musikowski, Berlin

www.richtermusikowski.com

Dieser Beitrag könnte Sie auch interessieren:

Nominierte für den Deutschen Fassaden-Preis 2018 stehen fest »

Hersteller
Weitere bba-Artikel und Produkt-Informationen finden Sie in den Herstellerprofilen:
Infoservice
Wie funktioniert der bba-Infoservice? Zur Hilfeseite »