Neubau eines Wohn- und Geschäftsblocks in Amsterdam. Mäandrierend verklinkert

Neubau eines Wohn- und Geschäftsblocks in Amsterdam

Mäandrierend verklinkert

In Amsterdam ist der großformatige Wohn- und Geschäftsblock „De Kameleon“ fertig gestellt worden. Der ungewöhnlich gestaltete Klinkerbau des ortsansässigen Büros NL Architects verbindet einen dreigeschossigen Sockel mit mehreren Wohnblocks und einer zehngeschossigen Hochhausscheibe und schafft dabei die beginnende Revitalisierung des Viertels.

Robert Uhde

NL Architects aus Amsterdam gehören zu den innovativsten Architekturbüros in den Niederlanden. Bei ihrer BasketBar auf dem Universitätscampus in Utrecht verknüpften sie vor Jahren einen Bistro-Pavillon mit einem auf der Dachfläche errichteten Basketball-Spielfeld und boten so eine exemplarische Lösung für das in den Niederlanden viel diskutierte Thema „Verdichtung“. Und mit ihren Power-Flowers schlagen die Planer aktuell die Nutzung von attraktiv gestalteten und flexibel einsetzbaren Mini-Rotoren zur Stromgewinnung mitten in der Stadt vor.
Zu den jüngsten Projekten von NL Architects zählt der ungewöhnlich gestaltete Wohn- und Geschäftsblock „De Kameleon“ in Amsterdam-Zuidoost, bekannt auch als „Bijlmermeer“. Das Quartier zählt zu den sozialen Brennpunkten der Stadt und hat seit Jahrzehnten mit hoher Arbeitslosigkeit und einem Migrationsanteil von deutlich über fünfzig Prozent zu kämpfen. Um Bijlmermeer in eine ganz normale niederländische Vorstadt umzuwandeln, wird das Viertel aktuell nachhaltig umstrukturiert. Zahlreiche Hochhaus-Wohnblocks werden dabei durch niedrige Reihenhaus-Siedlungen ersetzt, ebenso sollen die zwischen den Blocks gelegenen Grünflächen nachträglich verdichtet werden.
Städtebauliche Landmarke
Der neue Wohn- und Geschäftsblock von NL Architects fungiert ergänzend zu dieser Strategie als eines von mehreren großformatigen Leuchtturmprojekten, die an städtebaulich exponierter Stelle neue Stadtteilzentren schaffen sollen. Das in weiten Teilen mit engobierten Klinkern errichtete Ensemble basiert auf einem 180 m langen dreigeschossigen Sockelbau, der neben einer Ladenzeile im Erdgeschoss auch zwei oberirdische Parkebenen umfasst. Oberhalb dieses Sockels haben die Planer mehrere unterschiedlich große, nach außen hin jeweils bündig mit dem Sockel abschließende Baukörper mit insgesamt 222 Wohnungen integriert; einem langgestreckten viergeschossigen Riegel entlang der südlich angrenzenden Karspeldreef stehen dabei zwei ebenfalls viergeschossige Wohnblocks in Richtung Norden gegenüber.
Komplettiert wird das Programm durch einen zehngeschossig oberhalb des Sockels aufsteigenden Wohnblock in Richtung der östlich angrenzenden Metro-Strecke, der ein gelungenes Gegengewicht zu der ansonsten horizontalen Ausrichtung des Ensembles schafft. Im Zentrum des großformatigen Komplexes steht oberhalb der Parkgarage außerdem ein gemeinschaftlich nutzbarer Innenhofgarten mit Bäumen und einem kleinen Flusslauf zur Verfügung, der über freie Treppen mit den Galerien der Apartments verbunden ist. „Als wären sie auf einmal mitten im Grünen, können die großen und kleinen Bewohner hier gemeinsam grillen, spielen oder einfach nur entspannen“, erklärt Projektarchitekt Iwan Hameleers das überraschende Konzept.
Dynamische Klinkerfassaden
Analog zu der multifunktionalen Nutzung präsentiert sich der Neubau mit einer dynamischen und betont abwechslungsreichen Fassadengestaltung. Ein charakteristisches Detail sind dabei die wellenförmig mäandrierenden Klinkerfassaden in Richtung Norden und Süden. Die Front der beiden Parkebenen wurde dabei durch schmale, vertikale Öffnungen untergliedert, um so eine natürliche Entlüftung und ausreichende Versorgung mit Tageslicht zu ermöglichen. In den darüber gelegenen Wohnebenen springen die auskragenden Balkone diagonal versetzt hervor, während die dazwischen gelegenen Mauerwerksabschnitte jeweils zurücktreten und dabei das Motiv der schmalen vertikalen Fassadeneinschnitte weiterführen.
„Um die unterschiedlichen Bereiche kostengünstig und sicher ausbilden zu können, haben wir insbesondere die schmalen Details mit vorgefertigten Klinkerelementen aus Beton errichtet“, so Iwan Hameleers.
Die vorgefertigen Klinkerelemente aus Beton wurden von von CRH Clay Solutions geliefert. Insgesamt wurden 1 074 Elemente auf die Baustelle geliefert, darunter 474 Stützpfeiler, 436 Fassadenplatten, Attikabrüstungen in verschiedenen Abmessungen sowie 164 Balkonschutzelemente. Die Ausbildung des eingearbeiteten Mauerwerks im homogenen Läuferverband mit tiefliegenden dunklen Fugen schafft dabei ganz bewusst einen ruhigen Gegenpol zur expressiven Oberflächenstruktur des Gebäudes.
„Für die gesamten Fassaden kamen rund 730 000 Steine zum Einsatz“, berichtet Iwan Hameleers. „In enger Absprache mit dem Hersteller haben wir uns dabei für einen engobierten Keramik-Klinker im 200 x 50 mm großen Waalformat entschieden, der je nach Lichteinfall und Wetter eine ganz unterschiedliche Farbgebung zeigt: Bei bewölktem Himmel wirken die Klinker eher grau, bei sonnigem Wetter eher grünlich. Und bei untergehendem Licht erscheinen sie sogar leicht golden.“ Hersteller der engobierten Keramik-Klinker ist Strating. Ähnlich wie beim namensgebenden Chamäleon präsentiert sich die Fassadenoberfläche des Neubaus also in Abhängigkeit zur Umgebung in unterschiedlichsten Farbgebungen.
Komplexe Gestaltung
Ein weiteres ungewöhnliches Detail hält die Hochhausscheibe in Richtung Osten bereit. Denn hier haben die Planer einen großen torartigen Fassadeneinschnitt zwischen dem 3. und 7. OG geschaffen, der eine überraschende Blickbeziehung zwischen Innenhofgarten und angrenzender Metro-Station ermöglicht. Die Lasten des Baukörpers werden dabei über insgesamt zwölf Stahlstützen abgetragen.
Die zum Innenhof orientierte Fassade der Hochhausscheibe wurde erneut mit vor- und zurückspringenden Balkonen gestaltet, die zur Metro-Station hin orientierte lärmbelastete Front wurde im Kontrast als verklinkerte Lochfassade errichtet. Eine weitere Abwechslung bieten die viergeschossigen Innenhoffassaden, die statt mit Klinkern mit vertikal gestreiften Aluminium-Paneelen mit anodisierten Oberflächen in vier unterschiedlichen Farbtönen (von Leebo) gestaltet wurden, um hier individuelle Adressen zu schaffen.
Flächen für Einzelhandel
Um die Struktur des Quartiers zu stärken und jegliche Monotonie zu vermeiden, bietet der Neubau keine großflächige Shoppingmall, sondern stellt stattdessen eine Galerie mit flexibel nutzbaren Flächen für kleineren Einzelhandel bereit. Der im EG zentral gelegene Supermarkt wird dabei von mehreren weiteren Einheiten umgeben, die gleichzeitig auch von außen erschlossen werden, so dass sich eine abwechslungsreiche Ladenzeile entlang der Straße ergibt. Im 1. OG wurde neben dem Parkdeck noch ein weiterer Supermarkt integriert. Diese vielfältige Durchmischung unterschiedlicher Funktionen kombiniert mit einer überzeugenden und abwechslungsreichen Gestaltung macht das Projekt zu einem gelungenen Bezugspunkt für die weitere Revitalisierung von Bijlmermeer.
Architekten: NL Architects, Amsterdam Projektteam: Iwan Hameleers, Gertjan Machiels (Projektarchitekten); Pieter Bannenberg, Walter van Dijk, Kamiel Klaasse Statik: Strackee BV Bouwadviesbureau, Amsterdam
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