Individuell gefertigte Klinker für den Neubau des Stadtarchivs in Delft

Neubau des Stadtarchivs in Delft

Mit Tiefenwirkung

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Wie ein riesiges Bücherregal sollte das neue Stadtarchiv in Delft erscheinen. Für die Profilierung der Fassaden wählten die Architekten ein ursprüngliches Material mit besonderem Farbwunsch: Individuell gefertigte Wasserstrich-Klinker in changierenden Bronzetönen.

Anforderung:

Unverwechselbare Gebäudehülle mit individueller Farbgebung

Lösung:

Eigens für das Projekt entwickelte Wasserstrichklinker mit Vor- und Rücksprüngen für plastische Wirkung


Dipl.-Ing. Claudia Närdemann

In den 1950er Jahren zog das Stadtarchiv von Delft in ein historisches Gebäude aus dem 16. Jahrhundert ein. Nach rund sechzigjähriger Nutzung waren die Kapazitäten erschöpft. Die heutigen baulichen und klimatischen Anforderungen an die Aufbewahrung von Archivalien wurden bei weitem nicht erfüllt. So entstand unweit des alten Standortes ein Neubau, der fünf Kilometer Regalfläche für historische Dokumente und Bücher in einem zeitgemäßen Rahmen bietet. In Zusammenarbeit mit dem dänischen Büro Gottlieb Paludan Architects entwarfen die Architekten vom Büro Office Winhov aus Amsterdam ein Gebäude mit ganz eigener Formensprache, das die hohen Anforderungen an Funktion und Gestaltung auf besondere Weise erfüllt.

Klinker für plastische Wirkung

Spannungsvoll und vielschichtig präsentiert sich das neue Archivgebäude. Auf einem L-förmigen Sockelgeschoss liegt ein zweigeschossiger, komplett geschlossener Gebäuderiegel mit schlichter Kubatur, der zur Aufbewahrung der Archivalien dient. Zum Schutz der historischen Dokumente vor Tageslicht und Außenluft verzichteten die Architekten in den beiden Obergeschossen auf Fenster. Lediglich das Sockelgeschoss als Kommunikations- und Arbeitsebene ist mit großflächigen Fensteröffnungen ausgeführt.

Für die Fassaden der oberen Geschosse wählten die Architekten mit Klinker ein Material, das prägend für das Stadtbild von Delft ist. Im Erdgeschoss dominiert heller Beton, der den Eingang und die öffentliche Nutzung markiert. Wie eine Fortsetzung der Bücherregale erscheinen die profilierten Obergeschoss-Fassaden. Durch ihre Materialität und Gestaltung kommunizieren sie das Innere des Gebäudes nach außen. Scheinbar willkürlich wurden die Abmessungen der Klinker-Rücksprünge mit ihren unterschiedlichen Breiten und Tiefen gewählt. Je nach Sonnenstand erscheinen mal mehr und mal weniger tiefe Schlagschatten. Im Zusammenspiel mit den bronzefarben changierenden Klinkern entstand eine lebendig strukturierte Fassade mit plastischer Wirkung.

Ursprüngliches Material

Die Klinker stammen von der Klinkermanufaktur Deppe Backstein und wurden eigens für das Archiv entwickelt. Die Architekten entschieden sich für einen Wasserstrich Klinker in der Farbe Bronze, original Kohlebrand. Dabei variiert der Klinker in seiner Farbigkeit von Orange über Braun bis hin zu Bronze. Als keramisches Produkt, bei etwa 1 100° C gebrannt, ist der Backstein ein farbechter, form- und UV-beständiger Baustoff. Er speichert Wärme und Feuchtigkeit und gibt sie gleichmäßig wieder ab. Algen haben auf seiner Oberfläche keine Chance. Als bereits gebranntes Produkt ist der Stein unbrennbar und verfügt zudem über einen guten Schallschutz.

Das natürliche Farbspiel entsteht während des Brennprozesses im Ofen. Dort wird die Farbe beeinflusst, indem man an den Ziegeloberflächen lokal für Überhitzungen und reduzierende Atmosphäre sorgt. Je nach Intensität und Setzweise der Ziegel im Ofen entstehen dann wenig nuancierte bis sehr bunte, stark gesinterte Brände.

Zweischaliger Wandaufbau

Das zweischalige Mauerwerk besteht innen aus Stahlbeton und außen aus Klinker. Auf der Außenseite der inneren tragenden Wand wurde mit Ankern eine Wärmedämmung befestigt. Zwischen der Dämmung und der Außenschale ist ein hinterlüfteter Hohlraum. Der dort zirkulierende Luftstrom trocknet das auftretende Kondenswasser der äußeren Schale, an deren Rückseite das anfallende Schlagregenwasser abfließt.

Die Dämmung des zweischaligen hinterlüfteten Außenwandaufbaus besteht aus einer 17 cm dicken vlieskaschierten Kerndämmung aus Steinwolle von Rockwool. Sie ist diffusionsoffen, nicht brennbar, wasserabweisend und weist neben einer Wärmeleitfähigkeit λ von 0,035 W/mK auch gute schalldämmende Eigenschaften auf.

Grundrissgestaltung

Ein klares Grundrisskonzept bestimmt den Innenraum. Im lichtdurchfluteten Sockelgeschoss befinden sich Arbeitszimmer und Büros. Hier sind auch Verwaltung und Räumlichkeiten für die Besucher des Archivs untergebracht, die dort die Ergebnisse ihrer Forschungen ausarbeiten können.

Die zwei Obergeschosse dienen der sicheren Aufbewahrung der umfangreichen Archivsammlung. Dabei sorgt die Gestaltung der Grundrisse für eine flexible und effiziente Nutzung. Bei Bedarf kann das Archivgebäude auf der Rückseite erweitert werden.

Mit ihrem Entwurf gelang es den Architekten, ein unverwechselbares Gebäude mit assoziativem Charakter zu schaffen. Das gemauerte „Bücherregal“ kehrt sein Inneres nach außen und setzt einen prägnanten städtebaulichen Akzent in Delft.


Bauherr: Stadt Delft

Architekten: Office Winhov, Amsterdam, NL
www.winhov.nl

Gottlieb Paludan Architects, Nordhavn, Dänemark
www.gottliebpaludan.com

Bruttogeschossfläche: 2 160 m2

Baukosten: 2 750 000 Euro


Stimmen

Jan Peter Wingender, Architekt Office Winhov: „Der Architektur von Archiven kommt aufgrund der Verbindung von zeitlich unbegrenzter Archivierung und öffentlicher Nutzung ein besonderer Stellenwert zu. Unter anderem mit der Idee, die Nutzung bereits von außen ablesbar zu machen, glauben wir, diese Herausforderung ganz gut gelöst zu haben.“

Jan Peter Wingender, Architekt Office Winhov: „Neben einer besonderen Fassadengestaltung wollten wir ein Gebäude entwerfen, das aufgrund seiner Langlebigkeit relevant bleibt. So haben wir einen kompakten Baukörper mit einer effizienten Grundrissgestaltung entworfen, der jederzeit erweiterbar ist.“

Dr. Dirk Deppe, Geschäftsführer Deppe Backstein-Keramik GmbH: „Eine Herausforderung für uns war es, die richtigen Farbtöne für den Wasserstrichstein zu finden. Dieser sollte nicht zu rot, aber auch nicht zu gelb erscheinen.“


Regelwerke

DIN V 105-100 Güteanforderungen
an Mauerziegel

DIN EN 771-1 Festlegungen für Mauersteine – Teil 1: Mauerziegel

DIN 1053 Norm für den Einsatz von Mauerwerk


Mehr zum Thema

  • Broschüre „Verblendmauerwerk – Planung und Ausführung“ (Fachverband Ziegelindistrie Nord e.V.)

www.hier.pro/ziegelindustrie-verblendmauerwerk

  • Ausschreibungstext f. d. Herstellung v. Ziegel-Verblendmauerwerk mit Wärmedämmung

www.hier.pro/ziegelindustrie-ausschreiben



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