Leitfaden für Wärmedämm-Verbundsysteme

Sicherheit im System

Infoservice
Sie können folgende Produkt-Informationen der im Beitrag erwähnten Hersteller über den Infoservice kostenfrei anfordern:Wie funktioniert der bba-Infoservice? Zur Hilfeseite »

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshof EuGH C100/13 gegen die Bundesrepublik Deutschland herrscht rund um die „Kennzeichnung von Bauprodukten“ eine rege Diskussion. Was das Thema WDVS betrifft, ist ein Gefühl der Verunsicherung bei Architekten, Ingenieuren und Bauunternehmen zu spüren. Es geht um Fragen der richtigen Produktauswahl und die sichere Anwendung.

Kay Beyen, Leitung Produktmanagement, Bauberatung & Technische Dienstleistung | be

Fachlich und juristisch gefragt: Was ist eigentlich ein Wärmedämm-Verbundsystem? Ein Wärmedämm-Verbundsystem ist ein Bauprodukt, das aus verschiedenen Komponenten besteht. Diese lassen sich in zwei Hauptgruppen unterteilen – die Hauptkomponenten und das Zubehör. Beide Gruppen bilden gemeinsam das fertige Bauprodukt, wenn sie am Bauwerk als WDVS vereint angewandt bzw. verbaut wurden. Der wesentliche Punkt hierbei ist jedoch, dass die Komponenten (Hautkomponenten und Zubehör) eine Einheit ergeben und die Anforderungen, wie Standsicherheit, Wärmeschutz, Brandschutz, Dauerhaftigkeit, dabei gemeinsam erfüllen. Sie bilden zusammen das Bauprodukt „WDVS“ , d. h. keine der im WDVS verwendeten und durch den Systemhalter definierten Komponenten (Hauptkomponenten & Zubehör) eines WDVS stellen mehr ein eigenständiges Bauprodukt dar.

Auswahl, Ausschreibung und Einsatz von WDVS

Was ist bei der WDVS-Auswahl zu beachten? Im Prinzip ist es ganz einfach. Es muss „nur“ das „richtige“ WDV-System am Objekt und dessen Anforderungen verarbeitet werden. Als erstes sollte eine kurze Anforderungsliste erstellt werden, die mindestens die folgenden Punkte beinhaltet:

  • Neubau oder Sanierung
  • Untergrund
  • Gebäudeklasse nach LBO
  • Weitere Anforderungen an Brandschutz für die Fassade
  • Energetische Anforderungen – R-Wert oder U-Wert
  • Gewünschte Optik bzw. Erscheinungsbild der Oberfläche.

Mit diesen wenigen Punkten lässt sich bereits eine gute Systemauswahl oder auch Vorauswahl treffen. Diese Liste lässt sich je nach bekannter Detailtiefe oder auch Vorlieben bereits von Grund auf verfeinern, jedoch stellt sie den Mindestumfang an Informationen dar, um überhaupt eine gute und sichere Systemauswahl zu ermöglichen.

Was müssen Architekten und Bauingenieure bei der Ausschreibung bzw. der Fachunternehmer beim Angebot beachten? Wurde die Wahl für ein WDVS auf Grundlage des Anforderungskataloges getroffen, geht es – nach Ausschreibung oder Erstellung des Angebotes – ins Detail. Dabei ist unbedingt der Status des WDV-Systems als eigenständiges Bauprodukt zu berücksichtigen. An dieser Stelle entstehen häufig die ersten Missverständnisse, die in der Folge nicht nur zu Schäden, sondern auch zu formalen Schwierigkeiten führen können.

Das Bauprodukt WDVS besteht aus den Hauptkomponenten und dem Zubehör. Beide werden von den Systemhaltern definiert und dann in einem Zulassungsverfahren in unterschiedlichen Kriterien und Prüfverfahren getestet. Erhält der Systemhalter nach erfolgter Prüfung durch das Deutsche Institut für Bautechnik eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, so enthält diese die für die Verwendung nötigen Klassen und Leistungseinstufungen, wie z.B. die für das Brandverhalten – das WDVS erfüllt dann beispielsweise die Klasse A2-s1-d0 nach DIN EN 13501.

Wichtig: Das WDVS erfüllt diese Klasse, also alle Komponenten gemeinsam. Ein Wechsel oder Austausch von Komponenten und Zubehör kann daher nur im Rahmen des erteilten und vom Systemhalter definierten Umfangs erfolgen.

Das heißt für die Ausschreibung oder das Angebot: Es ist darauf zu achten, dass alle Komponenten eindeutig in ihrer Systemzugehörigkeit beschrieben sind. Alle hierfür benötigten Informationen finden sich in den Systemzulassungen und den dazugehörigen Ausführungsleitfäden des jeweiligen Systemhalters. Baumit hat hierfür den Leitfaden für die WDVS-Verarbeitung als Unterstützungswerkzeug ausgearbeitet. Dieser enthält – neben allen wesentlichen Planungsinformationen der Zulassungen – auch die benötigten Komponentenübersichten einfach und übersichtlich strukturiert.

Die fachgerechte Auswahl, Ausschreibung und Verwendung eines WDV-Systems stellt hohe Ansprüche an die am Bauprozess beteiligten Fachleute. Baumit stellt den Beteiligten – neben umfangreichen WDVS-Unterlagen – persönliche Beratung durch Fachberater, Techniker und Mitarbeiter der Planer-Hotline bereit. Denn eine sichere Systemauswahl und Anwendung ist der wichtigste Schritt hin zu einer rundum gelungenen Fassade.

  www.wdv-systeme.de

Hersteller
Weitere bba-Artikel und Produkt-Informationen finden Sie in den Herstellerprofilen:
Infoservice
Wie funktioniert der bba-Infoservice? Zur Hilfeseite »
        ANZEIGE