Den Haager Strafgerichtshof überrascht mit mosaikartiger Glasfassade

Neubau des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag

Vibrierende Mosaik-Glasfassade

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Zentraler Blickfang des des Internationalen Strafgerichtshofs ist die mosaikartig gerasterte Glasfassade, mit der die Architekten Schmidt Hammer Lassen den Komplex ganz selbstverständlich in die Dünenlandschaft an der Nordsee eingefügt haben. Das Gebäudeensemble im niederländischen Regierungssitz Den Haag wurde Ende 2015 fertig gestellt.

Robert Uhde

Der 1998 gegründete Internationale Strafgerichtshof (IStGH) ist ein unabhängiger, ständiger Gerichtshof zur Ahndung von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschheit und Kriegsverbrechen. Seine rechtliche Grundlage ist das Römische Statut, das bislang von 139 Staaten unterzeichnet wurde. Seit 2002 hatte der IStGH seinen Sitz in einem anonymen Bürogebäude im Den Haager Stadtteil Laak, das aber aufgrund seiner begrenzten Räumlichkeiten, seiner Lage und seiner nicht ausreichenden Sicherheitstechnik von Beginn an nur als Provisorium gedacht war.
Nach längerer Standortsuche hatte die Institution deshalb 2008 einen internationalen Wettbewerb für einen Neubau des IStGH auf dem 72 000 m² großen Grundstück einer ehemaligen Kaserne im eingemeindeten Seebad Scheveningen ausgeschrieben, bei dem sich schließlich das renommierte dänische Büro Schmidt Hammer Lassen unter anderem gegen einen Entwurf von Ingenhoven Architekten durchsetzen konnte.
Um die vielfältigen räumlichen und sicherheitstechnischen Anforderungen für den IStGh umzusetzen, die demokratischen Werte der Institution zu symbolisieren und gleichzeitig eine markante Zäsur zwischen der Stadt und dem nach Nordwesten angrenzenden Naturschutzgebiet der „Meijendel-Dünen“ zu schaffen, entwickelten die Architekten ein langgestrecktes Gebäudeband, bestehend aus sechs unterschiedlich großen Kuben, die gemeinsam über einem doppelgeschossigen Sockel in die Höhe steigen: „Ausgehend von der Lage des Grundstücks haben wir das Gebäude als skulpturale Abstraktion einer Landschaft entworfen“, fasst Projektarchitekt Pim IJsendoorn die Grundidee des Entwurfes zusammen.
„Der Komplex ist dabei bewusst als Schnitt in die Landschaft zu verstehen.“
Im Innenraum des als Hochsicherheitstrakt ausgelegten Gebäudeensembles stehen für 1 200 Mitarbeiter auf einer Fläche von rund 54 000 m² Büros sowie drei große Verhandlungssäle im zentral platzierten Gerichtsturm zur Verfügung. Die Erschließung sämtlicher Bereiche erfolgt über ein luftiges Foyer im doppelgeschossigen Sockelbau. Komplettiert wird der Komplex durch fünf begrünte Innenhöfe, die im Übergangsbereich zwischen den verschiedenen Baukörpern attraktive Aufenthaltszonen für Mitarbeiter und Besucher schaffen. Rings um den Internationalen Strafgerichtshof wurde außerdem ein umlaufendes Bassin angelegt, das den Neubau von seiner Umgebung trennt, ohne dabei auf Stacheldraht oder Zäune zurückgreifen zu müssen.
Glasfassade ohne Rückschlüsse auf innere Gliederung
Charakteristisches Element des Neubaus ist die großzügig verglaste, in weiten Teilen mosaikartig gerasterte Vorhangfassade mit ihren zufällig abwechselnden Feldern aus transparenten und weiß besiebdruckten Elementen aus Verbundsicherheitsglas. Die Untergliederung der einzelnen Geschosse in zwei übereinander liegende, jeweils 1,20 x 1,20 m große quadratische Felder mit wechselweise transparenter oder opaker Oberfläche erzeugt einen abstrakten, dabei mosaikartig-vibrierenden Gesamteindruck, der keinerlei Rückschlüsse auf die Geschosszahl und damit auf die tatsächliche Höhe der unterschiedlichen Baukörper zulässt. Zusätzlich betont die Glasfassade den bewegten Charakter der Außenhülle durch das wechselweise Vor- bzw. Zurückkippen der einzelnen Elemente um fünf Grad. Die somit unterschiedlich tiefen Aluminiumlaibungen an der Ober- und Unterseite lassen dabei den optischen Eindruck entstehen, als seien die Felder nicht quadratisch, sondern trapezförmig zugeschnitten.
Die Glasfassade überzeugt aber nicht nur ästhetisch, das Verhältnis von opaken und transparenten Glasfeldern berücksichtigt zusätzlich auch den jeweils notwendigen Bedarf an Tageslicht im Innenraum. „Zudem musste die Fassade angriffshemmend aus mehrschichtigem Verbundsicherheitsglas ausgeführt werden, um neben den üblichen statischen Einwirkungen wie Windbeanspruchung oder Eigengewicht auch Explosionen oder Kugelbeschuss widerstehen zu können“, erklärt Pim IJsendoorn. Für die insgesamt 2 000 m² große umlaufende Foyerfassade im langgestreckten Sockelbau kamen alternativ 1,20 bzw. 2,40 m breite und 3,50 m hohe Glaselemente zum Einsatz.
„Um die hier zusätzlich vorgesehene Einbruchsklasse RC5 einzuhalten, mussten teilweise 75 mm starke Gläser mit einem Gewicht von bis zu 1,2 Tonnen eingesetzt werden“, so Pim IJsendoorn.
Für sämtliche Fassaden wurde eine individuell modifizierte, im Hinblick auf die hohen Sicherheitsauflagen angepasste Variante des Sonnenschutzglases Saint Gobain Cool-Lite Extreme gewählt. „Der genaue Aufbau und die Dicke der Gläser hängen dabei ab von den jeweiligen Windlasten, der Größe der Fensterflächen sowie der spezifisch benötigten Widerstandsklasse und Kugelsicherheit.“
Gerichtsturm mit Glasfassade
Ein gänzlich abweichendes Gestaltungskonzept zeigt der alles überragende zehngeschossige Gerichtsturm im Zentrum des Ensembles: Um die hier gelegenen Sitzungssäle und das Pressezentrum optisch von der Außenwelt abzuschirmen, gleichzeitig aber eine ausreichende Transparenz in den übrigen Bereichen zu erhalten, wurde der Baukörper in weiten Teilen in Stahlbeton ausgeführt. Ausreichend Tageslicht bieten stattdessen zwei mittig gegenüber platzierte, gebäudehoch durchlaufende Panoramafronten mit einer Gesamtfläche von 1 750 m². Die hier eingesetzten Gläser mit Scheibengrößen von bis zu 1,80 x 4,80 m haben ebenfalls ein Eigengewicht von bis zu 1,2 Tonnen.
Zusätzliche Tiefe erhält der Gerichtsturm durch eine vorgehängte Fassadenkonstruktion aus Stahl, die gleichzeitig als Kletterhilfe für eine umfangreiche Fassaden- bzw. Dachbegrünung dient. Die im Erdgeschoss angepflanzten Pflanzen und Bäume aus sämtlichen Mitgliedsstaaten des Gerichtshofs ermöglichen nicht nur eine interessante Gestaltung und eine optimierte Klimatisierung, sondern sie fungieren gleichzeitig als sinnfälliges Symbol für die Zusammengehörigkeit der Mitgliedsländer des Strafgerichtshofes.
Planung:
Schmidt Hammer Lassen architects, Aarhus/Kopenhagen, DK
Projektmanagement:
Brink Groep, Leidschendam, NL
Statik:
Royal Haskoning Nederland B.V., Den Haag, NL
und Esbensen – Consulting Engineers AS, Aarhus, DK


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