Lamellen an Fensterbändern sorgen für Sonnenschutz

Neubau einer Schule in Rotterdam

Lichte Eleganz

Mit dem Neubau der Zalmplaatschool in Rotterdam haben Diederendirrix architecten aus Eindhoven einen wunderbar leichten Schulbau geschaffen, der sich mit seiner elegant mäandrierenden Fassade aus Backstein und Glas harmonisch in die umgebende Wohnbebauung einfügt. Mit Vertikal-Lamellen ausgestattete Fensterbänder und ein großes Oberlicht über dem Foyer sorgen dabei in sämtlichen Bereichen für eine optimierte Tageslichtnutzung.

Anforderung:

Nachhaltig zu planender Schulneubau mit unterhaltsarmem Betrieb

Lösung:

Lamellenkonstruktion für Tageslichtnutzung mit Blendschutz. Dezentrale Beheizung und Belüftung mit vorerwärmter Frischluft.


Robert Uhde

Seit der Eingemeindung in den 1930er-Jahren hat sich der am äußersten südwestlichen Stadtrand von Rotterdam gelegene ehemalige Stadtteil Hoogvliet sukzessive von einem kleinen Dorf zu einem ausgedehnten Reihenhausteppich mit insgesamt 35 000 Einwohnern entwickelt. Im Süden des Quartiers wurde hier 1967 zeitgleich mit der gleichnamigen Quartierserweiterung die protestantisch orientierte Grundschule „Zalmplaat“ in Betrieb genommen, die aktuell von rund 400 Schülern im Alter von zwei bis zwölf Jahren besucht wird.

Aufgrund des zunehmend schlechten baulichen Zustandes der Schule hatte die Stadt Rotterdam 2014 entschieden, den beinahe 50 Jahre alten Bestandsbau abzubrechen und durch einen nachhaltig geplanten, möglichst unterhaltsarmen Neubau zu ersetzen. Mit den Planungen für das Projekt war im November 2014 auf Basis eines zuvor ausgeschriebenen Wettbewerbs das Büro Diederendirrix architecten aus Eindhoven beauftragt worden. Die Planer um Paul Diederen und Bert Dirrix zählen seit Jahren zu den führenden Architekturbüros in den Niederlanden. Für ihre Umbauplanung eines ehemaligen Kesselhauses zu einem Forschungsinstitut war das Büro vor einigen Jahren mit der Auszeichnung „BNA Gebouw van het jaar 2013“ bedacht worden, der landesweit höchsten Architekturauszeichnung.

Elegante Fassadendetaillierung mit effektivem Sonnenschutz durch Lamellen

Um die geforderten Räumlichkeiten für die verschiedenen Altersstufen organisch unter einem Dach zusammenzufügen und den Bau möglichst gut in den bestehenden städtebaulichen Kontext zu integrieren, entwickelten die Planer einen freundlich und offen mit roten Klinkern und großen Glasflächen gestalteten Bau, der auf zwei Ebenen mit einer Bruttogeschossfläche von 2 500 m2 insgesamt 20 Klassenräume zur Verfügung stellt. Die abgerundeten Gebäudeecken und die wellenförmig mäandrierenden Ausbuchtungen in Richtung Westen schaffen dabei Raum für eine ausreichend große Schulhoffläche und ermöglichen gleichzeitig einen harmonischen Kontrast zur Monotonie der hell verklinkerten Reihenhausbebauung gegenüber. Zusätzlich aufgewertet wird die Architektur durch die überaus elegante Fassadengliederung mit schmalen, in Beton eingefassten Klinkerbändern, den optisch in Richtung Westen scheinbar mitschwingenden Fensterflächen (Aluminiumprofile von Intal) sowie mit den dort integrierten innen liegenden Vertikallamellen, die sich mit ihrer goldgelben Farbigkeit harmonisch ins Bild einfügen: „Die speziell für dieses Projekt aus eloxiertem Aluminium gefertigten Lamellen ermöglichen in den betreffenden Räumen einen effektiven Blendschutz, der sich allerdings nicht weiter steuern lässt“, erklärt Projektarchitekt Jeroen Schipper. „Und anders als die homogene Optik nahelegt, finden sich hinter den Lamellen nicht in allen Bereichen offene Fensterflächen, sondern teilweise liegen dort auch Außengalerien oder geschlossene Fassadenabschnitte.“ Die projektspezifisch gefertigte Lamellenkonstruktion stammt von Aldowa.

Ein weiteres gelungenes Detail der Architektur ist die leichte Auskragung im Eingangsbereich nach Nordwesten, die im Erdgeschoss ein auf zwei Säulen aufgeständertes Vordach bereitstellt. Zusätzlich markiert wird der Übergang von außen nach innen durch den in großen Lettern auf den Lamellen aufgebrachten Namenszug der Schule.

Ebenso elegant haben die Planer die große breite Treppe aus Beton gestaltet, die südlich angrenzend an den Eingangsbereich eine bequeme Verbindung von Obergeschoss und Außenfläche ermöglicht und die gleichzeitig als Treffpunkt genutzt werden kann. Der Rücksprung der im Obergeschoss an die Treppe angrenzenden, trotz der Lamellen komplett geschlossenen Stirnfassade hat auch hier die Schaffung eines weit auskragenden Vordaches ermöglicht.

Helle Innenräume

Ihre nahtlose Fortsetzung findet die Gestaltung im Innenraum, wo ein zentrales doppelgeschossiges Foyer und eine vielfältig als Treffpunkt und Tribüne nutzbare Holztreppe die verschiedenen Räumlichkeiten im Erdgeschoss und auf der oberen Ebene erschließen. Die farblich unterschiedliche Markierung der verschiedenen Klassenzimmer sorgt dabei für eine leichte Orientierung und Wiedererkennbarkeit bei den Schülern. Ein besonderes Element ist außerdem die ebenfalls mit hellem Holz ausgeführte, dabei wellenförmig geschwungene Foyerdecke, die nach oben hin in einem 7,5 m langen Oberlicht mündet (Sonderkonstruktion von Jet Bik).

Ausgehend vom pädagogischen Konzept der Schule sind die verschiedenen Räumlichkeiten bewusst flexibel ausgelegt. Ein gutes Beispiel dafür ist das zwischen dem Haupteingang und der Außentreppe gelegene Spielzimmer, das sich über eine auffaltbare Innenwand fließend mit dem Foyer verbinden lässt. In gegenüber liegender Richtung erlaubt eine ebenfalls vollständig öffenbare Glasfront eine flexible Erweiterung des Raumes nach außen, in einen mit flachen Mauern vom sonstigen Schulhof abgetrennten Bereich.

Unterhaltsarmer Schulbetrieb

Großen Stellenwert bei der Planung des Gebäudes hatte die Planung einer nachhaltigen Gebäudetechnik: „Um einen energiesparenden Betrieb zu ermöglichen, erfolgen die Beheizung und Belüftung der Schule dezentral über eine kombinierte Luft- und Bodenheizung, bei der die Frischluft bereits vorerwärmt in die einzelnen Räume einströmt“, erklärt Jeroen Schipper. „Auf diese Weise war es auch möglich, dass wir keinen zusätzlichen Raum für die technischen Anlagen benötigen.“ Der Neubau überzeugt also nicht nur ästhetisch und funktional, er ermöglicht der Schule auch einen langfristig unterhaltsarmen Betrieb.

Grundriss Zalmplaat Schule Erdgeschoss.
Zeichnungen: Diederendirrix architecten
Grundriss Zalmplaat Schule 1. OG
Zeichnung: Diederendirrix architecten

Auftraggeber: Stadt Rotterdam und Stichting voor Protestantisch-Christelijk Basis- en Orthopedagogisch Onderwijs

Bauherr: Dura Vermeer Bouw & Vastgoed

Planung: Diederendirirx architecten, Eindhoven, Rotterdam

Projektteam: Paul Diederen, Jeroen Schipper, Fabianne Riolo

www.diederendirrix.nl/en

Fertigstellung: Februar 2016

BGF: 2 500 m²


Projektarchitekt Jeroen Schipper: „Die speziell für dieses Projekt aus eloxiertem Aluminium gefertigten Lamellen ermöglichen in den betreffenden Räumen einen effektiven Blendschutz, der sich allerdings nicht weiter steuern lässt.“


Projektarchitekt Jeroen Schipper: „Für einen energiesparenden Betrieb erfolgen Beheizung und Belüftung der Schule dezentral über eine kombinierte Luft- und Bodenheizung, bei der die Frischluft bereits vorerwärmt in die einzelnen Räume einströmt. So war es auch möglich, dass wir keinen zusätzlischen Raum für die technischen Anlagen benötigen.“


Mehr zum Thema

  • bba-Fachbeitrag Schulbau

www.hier.pro/bba-0318-Schule

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