Neubau eines Forschungslabors in Oldenburg. Elegant im Wind

Neubau eines Forschungslabors in Oldenburg

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In Oldenburg ist kürzlich ein Forschungslabor für Turbulenz- und Windenergiesysteme eröffnet worden. Das Büro hammeskrause architekten fügte die erforderlichen Funktionen in einer klar strukturierten Form aus hellem Klinker und Sichtbeton zusammen. Vor schlanken Fensterbändern bieten außen liegende Falt- und Schiebeläden einen optimierten Sonnenschutz.

Robert Uhde

Die 1973 gegründete Carl von Ossietzky Universität Oldenburg zählt mit rund 14 000 Studenten zu den größten Hochschulen in Niedersachen. Sie verteilt sich auf zwei Standorte, die beide durch ein Naturschutzgebiet miteinander verbunden sind: In Oldenburg-Haarentor sind die zentralen Einrichtungen der Universität angesiedelt, im Stadtteil Wechloy wurde 1982 ein idyllisch im Grünen gelegener Campus für die Naturwissenschaften geschaffen.
Westlich angrenzend an den Standort in Wechloy, und damit unmittelbar an der Stadtgrenze im Übergang zur Landschaft gelegen, ist zuletzt das WindLab als interdisziplinäres Forschungszentrum für Turbulenz- und Windenergiesysteme fertiggestellt worden. Der Ende Januar offiziell eröffnete Neubau integriert auf einer Bruttogeschossfläche von 2 300 m² unterschiedliche Labore, Werkstätten, Seminarräume und Büros. Eine Besonderheit ist der außergewöhnlich lange Windkanal, der eine national wie international einzigartige Basis zur Erforschung der Windenergie bietet. Insgesamt stehen 85 Arbeitsplätze für Wissenschaftler aus den Bereichen Physik, Meteorologie oder Ozeanographie zur Verfügung. Weitere Nutzer sind die Ingenieurwissenschaften der Universitäten Oldenburg und Hannover, der Jade Hochschule, des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (Bremerhaven) sowie des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation (Göttingen).
Hohe Funktionalität
Mit der Planung des Neubaus war 2012 auf Basis eines beschränkten Wettbewerbs das Stuttgarter Büro hammeskrause architekten bda beauftragt worden. Die Planer, Markus Hammes und Nils Krause, haben in den vergangenen Jahren gemeinsam mit ihrem Team zahlreiche hochwertige Forschungsbauten realisiert, darunter das 2016 fertiggestellte Hirnforschungszentrum CBBM in Lübeck oder das 2010 bezogene BioMedizinZentrum Ruhr (bba 11|2011).
Ausgehend vom Wunsch des Auftraggebers zur Schaffung einer hoch konzentrierten und untereinander vernetzten interdisziplinären Forschungslandschaft entwickelten die Architekten einen hell und leicht wirkenden viergeschossigen Kubus mit teilweise abgerundeten Ecken, der von Südosten her über eine breite Glasfront im Erdgeschoss erschlossen wird. Ebenso luftig präsentiert sich auch der überwiegend in weiß gestaltete Innenraum mit seinem glasdachüberdeckten Atrium, um das herum die unterschiedlichen Funktionen angesiedelt sind: „Neben den unterschiedlichen Büro- und Laborflächen stehen den Wissenschaftlern auch flexibel nutzbare Seminar- und Besprechungsräume im Erdgeschoss sowie zusätzliche Kommunikationsorte wie Meeting-Points oder Teeküchen zur Verfügung“, beschreibt Architekt Markus Hammes das Konzept. „Ganz bewusst sollen so informelle und institutsübergreifende Treffen zwischen den interdisziplinären Forschergruppen gefördert werden.“
Ergänzt wird der Komplex durch eine 8 m hohe, an der Nordseite des Gebäudes vorgelagerte – und damit baudynamisch und raumakustisch vom übrigen Gebäude entkoppelte – Experimentierhalle mit dem angrenzenden Windkanal als zentralem Forschungsgroßgerät. Die Anlage setzt sich zusammen aus vier großen Vertikalrotoren mit einer Leistung von jeweils 110 kW, einer 3 x 3 m großen Düse zur Beschleunigung des Luftstromes sowie einer aus flexibel verrollbaren Elementen bestehenden Messstrecke, in der unterschiedliche Untersuchungen durchgeführt werden. Anhand von individuellen Modellen lassen sich hier die Auswirkungen von turbulenten atmosphärischen Strömungen auf Windenergieanlagen oder ganze Windparks erforschen, um so schon im Vorfeld einer Planung deren Effizienz zu steigern und technische wie finanzielle Risiken zu vermeiden.
Elegant detaillierte Fassade
Um den gewünschten leichten Eindruck zu erzielen und gleichzeitig einen Bezug zu den Bestandsbauten der Universität aus rotem Klinker herzustellen, wurde entschieden, die Außenhülle des Neubaus als helles Verblendmauerwerk mit extrem schlanken Wasserstrichziegeln im Format von 290 x 115 x 42 mm auszubilden (Wasserstrichziegel „Köln“ als Sonderformat aus dem Ringofen von Janinhoff). Eine Ausnahme bildet das an der Nordseite des Gebäudes vorgelagerte Volumen mit dem Windkanal, das abweichend mit einer Fassade aus vertikal strukturiertem Sichtbeton gestaltet wurde. Die Verdichtung der Fugen im Bereich der abgerundeten Gebäudekanten schafft dabei einen sinnfälligen Bezug zu den Turbulenzen der im Innenraum stattfindenden Windsimulationen:
„Räumlich und gestalterisch ist der Windkanal in das Gebäude und sein Gesamterscheinungsbild integriert“, erklärt Markus Hammes das Konzept. „Gleichwohl ist er aber konstruktiv und geometrisch so angeordnet, dass auf wechselnde funktionale, geometrische und baudynamische Anforderungen reagiert werden kann. Dieses zentrale Grundkonzept des Entwurfs hat sich bereits in der Planungs- und Realisierungsphase bewährt.“
Optimierter Sonnenschutz
Untergliedert und geöffnet wird die Klinkerfassade durch präzise gefasste horizontale Fensterbänder. Das Aluminiumfenstersystem AWS 90SI von Schüco wurde mit einer 3-fach Verglasung mit integriertem Jalousiesystem (Shade-Isolette) von Uniglas zusammengeführt.
Ein gelungenes Detail ist hier der außenliegende Sonnenschutz aus Falt- und Schiebeläden. Das motorisch verfahrbare und mit einer Streckmetallbekleidung ausgebildete System fügt sich nahtlos ins architektonische Konzept ein und schafft dabei einen eleganten Kontrast zur rauen Materialität des Klinkers. Es setzt sich zusammen aus systemeigenen Schienenprofilen mit integrierten Antriebseinheiten, die mit Konsolen am Baukörper montiert sind und auf denen die Laufwagen der vertikalen Faltschiebeläden stufenlos verfahren können: „In der geöffneten Position sind die Rahmen in einem Winkel von 90° Grad zur Fassade nach außen ausgestellt, beim Schließen verfahren die Elemente bis die Fassadenfläche komplett geschlossen ist“, erklärt Projektleiter Veit Schäfer das Prinzip. Die synchronisierte Mechanik sorgt dabei für einen parallelen Antrieb auf der oberen und unteren Schiene, so dass ein Verkanten der Elemente ausgeschlossen ist. Der motorisch verfahrbare Sonnenschutz mit Streckmetallbekleidung wurde von Hype individuell gefertigt.
Um eine optimierte Funktion der Falt- und Schiebeläden zu erreichen, ist die Anlage direkt an die interne Wettersta-tion auf dem Dach des Gebäudes angebunden. Je nach Messdaten kann so eine gezielte Steuerung von Tages- bzw. Kunstlicht in sämtlichen Räumen erfolgen. Unabhängig von den äußeren Lichtverhältnissen stehen den Wissenschaftlern des WindLab damit jederzeit optimal beleuchtete Arbeits- und Laborräume zur Verfügung.
Planung:
hammeskrause architekten bda, Stuttgart
Projektteam: Markus Hammes, Veit Schäfer, Daniela Richter, Detlef von Seggern


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