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Das Alte bestimmt das Neue

Umbau einer denkmalgeschützten Universität in Weimar
Das Alte bestimmt das Neue

Beim funktionellen Umbau der Bauhaus-Universität Weimar erhielten die Architekten die denkmalwürdige Substanz so weit wie möglich. Bei den Bauhausarchitekten war Linoleum ein beliebter Bodenbelag. Glücklicherweise konnte noch ein Stück Original-Linoleumboden von 1911 gefunden werden, an dem sich die Auswahl des neuen Bodenbelags orientierte.

Das Hauptgebäude der Architekturfakultät der Bauhaus-Universität in Weimar beherbergte seit Anfang des 20. Jahrhunderts schon viele Kunsthochschulen. Mit der Vereinigung der Großherzoglich-Sächsischen Kunsthochschule und Kunstgewerbeschule Weimar war der Grundstein für das Bauhaus gelegt. Henry van de Velde berief Anfang 1900 Walter Gropius nach Weimar und beauftragte ihn, das Bauhaus in seinem Schulgebäude einzurichten.

Der Bau wurde im Verlauf seiner mehr als 90-jährigen Geschichte durch regen Gebrauch stark beschädigt und zu Zeiten der DDR erheblich verändert. Zwischenböden wurden eingezogen, Flure durch Türen unterteilt und die Atelierfenster mit einer zweiten Fensterschicht zum Kastenfenster verändert. 1996, nach Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO, wurde eine konzeptionell reflektierte Sanierung geplant und das Kölner Architekturbüro Thomas van den Valentyn sowie das Büro Harms und Partner in Hannover mit dieser Aufgabe betraut. Das zurückhaltende Sanierungskonzept beinhaltete den Rückbau der Veränderungen aus den 50er Jahren sowie die Wiederherstellung der Gebäudegestaltung von Walter Gropius. Einen besonderen Schwerpunkt bei der Sanierung bildeten die Atelierfenster: Die Architekten verwendeten dafür extrem dünnes, für den Automobilbau entwickeltes Isolierglas. Das maschinengezogene Glas ist leicht gewellt, wodurch die Fassade ihre ursprüngliche Lebendigkeit behält.
Weiße und eierschalene Wände unterstützen in Fluren, Ateliers und Seminarräumen den hellen und luftigen Raumeindruck, während im Nebentreppenhaus intensive Rot- und Blautöne einen scharfen Kontrast zur späteren, vor allem weißen Moderne bilden.
Denkmalwürdig
Gemeinsam mit den Bauherren, dem Land Thüringen, fiel die Entscheidung für einen funktionellen Umbau, der weitestgehend die denkmalwürdige Substanz erhält. Die Einbauten aus den 50er Jahren wurden weitestgehend zurückgebaut, ebenso die Zwischentüren und -decken. Die Fassade gen Norden dominierten einst majestätische Atelierfenster, die im Mansardendach sanft abknicken. Hinter einigen der hohen Fenster aus Gusseisen, die mit Einfachverglasungen versehen waren, hatte man in den 50er Jahren eine zweite Fensterebene mit Holzrahmen eingebaut.
Im EG und 1. OG ließen die Architekten in die alten Gussstahlprofile Isolierglas aus der Automobilindustrie in der Gesamtstärke von 11 mm einsetzen, das Kälte optimal abhält. Mit dieser innovativen Sanierung wurde die historische Substanz und das ursprüngliche Erscheinungsbild weitgehend erhalten bzw. wieder hergestellt und gleichzeitig eine deutliche Verbesserung der Wärmedämmung und damit auch des Raumkomforts erreicht.
Erhaltenes ergänzen
Im Inneren war noch viel der alten Ausstattung erhalten, Türen, Beschläge, auch die früheren Wandfarben konnten bestimmt und ähnliche Töne wieder verwendet werden. Während in der ersten Bauphase von 1904/05 Dielenböden eingezogen wurden, fand sich im 1911/12 errichteten Gebäudeteil originales DLW Linoleum.
„Es war toll, noch ein Stück von dem alten Bodenbelag zu finden, es war zwar nur eine kleine Fläche erhalten, aber wir konnten dadurch zusammen mit einem Fachberater von Armstrong die einstige Farbe und Struktur bestimmen“, erklärt der Projektleiter Jürgen Seifert.
Das Stück Ursprungsbelag wurde mit alten DLW Linoleum-Mustern verglichen und als ein spezielles, dunkelbraunes Uni Walton identifiziert. Bis heute stellt Armstrong den einfarbigen Bauhaus-Klassiker Uni Walton her, teilweise tatsächlich bis heute durchgehend in exakt den gedeckten Farbtönen, die in jener Zeit gefragt waren. Ergänzt wird die Palette inzwischen natürlich durch frische, neue Nuancen. Für das Bauhaus konnte der farb-identische Belag Uni Walton deep brown genutzt werden.
Da Linoleum nicht nur ein natürliches Bauprodukt ist durch seine Zusammensetzung aus überwiegend nachwachsenden Rohstoffen, sondern auch äußerst pflegeleicht und langlebig, entschieden sich die Architekten, DLW Linoleum nicht nur, wie ursprünglich, in den Ateliers und Seminarräumen zu verlegen, sondern auch in den Fluren der Obergeschosse und auf der kunstvoll geschwungenen Haupttreppe.
Architekt: Henry van de Velde Architekten Sanierung: Van den Valentyn-Architektur, Köln H&P Bauingenieure, Hannover
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