Betonboden und Sichtestrich individuell gestalten: Unikate ohne Belag

Zementgebundene Designböden

Unikate ohne Belag – Betonboden und Sichtestrich

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Der Fortschritt im Bereich des Sichtbetons und die Erfahrungen mit Industriefußböden ermöglichen zementgebundene Designböden, die ohne zusätzlichen Fußbodenbelag direkt genutzt und begangen werden können. Damit ist auch für das Bauteil Fußboden der Weg zu einer unverwechselbaren und am materialehrlichen Bauen orientierten Architektur frei.

Bodenbeläge haben in der Baugeschichte so viele unterschiedliche Funktionen übernommen, dass sie sich hier nur fragmentarisch aufzählen lassen: Mit den Belägen wurden die Räume beispielsweise ästhetischer, wärmer oder im Hinblick auf die Raumakustik auch leiser. Der Belag konnte außerdem den Trittschallschutz verbessern, die Pflege und Reinigung des Bodens vereinfachen oder diente der repräsentativen Darstellung von Wohlstand. Letzteres zählt heute vielleicht nicht mehr zu den Funktionen im technischen Sinn, sollte aber in seiner historischen Bedeutung keinesfalls unterschätzt werden, man denke an aufwändige Parkettgestaltungen oder Marmorböden in herrschaftlichen Bauten.

Die Vielfalt von Zweck und Nutzen in den verschiedenen Zeiten und Bauweisen erschwert eine allgemeingültige Definition dessen, was ein Bodenbelag generell leisten muss – wofür er sozusagen überhaupt da ist. Ein übergreifender Gedanke scheint immerhin, dass der Belag die rohe, ungestaltete Konstruktion der Geschossdecke bzw. der Bodenplatte verdeckt und stattdessen der unteren Raumbegrenzung eine ästhetische und wohnbehagliche Qualität verleiht. In den Begriffen des Rohfußbodens oder der Rohdecke schimmert diese Bedeutung bis heute durch, die in den Zeiten, als die Konstruktion hauptsächlich funktional verstandenes Tragwerk und kaum gestaltete Architektur war, auch eine unbestreitbare Berechtigung hatte.
Teil des Raumerlebnisses
Im modernen Massivbau sind die Verhältnisse jedoch oft anders: Die tragende Konstruktion muss nicht mehr roh und ungestaltet sein, sondern wird mit sichtbaren Stützen und Deckenunterzügen sowie mit ästhetisch anspruchsvollen Oberflächen aus Beton, Stahl oder Mauerwerk Teil des Raumerlebnisses und der Architektur. Möglich wurde diese Entwicklung durch die hohe optische und haptische Qualität, die sich mit heutigen Materialien und Verarbeitungstechnologien erreichen lässt – sowohl bei den Wand- als auch bei den Decken- bzw. Fußbodenbaustoffen. In einem solchen Kontext kann es widersprüchlich sein, zunächst mit einigem Aufwand einen hochwertigen Estrich oder Betonboden als Nutzschicht herzustellen, um ihn anschließend mit einem Bodenbelag als Verschleißschicht wieder zuzudecken.
Stattdessen ist als Fortsetzung der Sichtbetonidee auch ein direkt nutzbarer Zementestrich oder Betonboden denkbar, der ohne zusätzliche Schutz- oder Verschleißschichten begangen werden kann. Das Erscheinungsbild dieser zementgebundenen Designböden wird unmittelbar aus der Nutzschicht herausgearbeitet, was den planerischen und handwerklichen Aufwand zunächst erhöht. Dafür entfallen jedoch die Leistungspositionen für Teppiche, Fliesenverlegungen oder andere Belagsarbeiten.
Bei fachgerechter Ausführung entsteht ein Betonboden mit unverwechselbarem, weil praktisch nicht identisch wiederholbarem Design, der sich zudem durch eine hohe Verschleißarmut und Lebensdauer sowie einfache Reinhaltung auszeichnet.
Einsatzgebiete der zementgebundenen Designböden sind dementsprechend Industrie- und Gewerbeobjekte, viel begangene öffentliche Räume in Museen, Messehallen, Hotelfoyers u. Ä., aber auch der exklusive Wohnungsbau für Bauherren mit puristischen Architekturvorstellungen.
Merkblätter und Planungshilfen
Ein Designboden ist in technischer Hinsicht entweder ein Betonboden oder ein Zementestrich und muss im Grundsatz nach diesen Kriterien und Regeln geplant werden. Etwa im Hinblick auf die Dicke der Nutzschicht, ihre Belastbarkeit oder auch die Rutschsicherheit ihrer Oberfläche im gewerblichen oder öffentlichen Bereich.
Neben DIN 18560 zu den Estrichbau-weisen beschreiben verschiedene Merkblätter aus der Zement- und Betonindustrie die Herstellung von zementgebundener Böden, etwa die Merkblätter B19 Zementestrich des InformationsZentrum Beton oder T1 Industrieböden aus Beton des Vereins Deutscher Zementwerke. Auf spezielle Aspekte der Designböden mit ihrer Optik und Gestaltung gehen die Merkblätter Farbige Fließestriche vom Industrieverband WerkMörtel sowie Geschliffene zementgebundene Bodensysteme (ohne Estrich) in Herausgeberschaft mehrerer Verbände ein.
Die umfassendste Planungshilfe dürfte jedoch nach wie vor der 32-seitige Leitfaden Zementgebundene Designböden sein, in dem HeidelbergCement die Planung und Ausführung geschliffener Estrich- und Betonboden umfassend beschreibt. Obwohl es sich hier um eine Firmenschrift handelt, werden die zu beachtenden Details und die in Frage kommenden Gestaltungsmittel weitgehend produkt- und herstellerneutral dargestellt.
Farbe in der Matrix oder im Korn
Die Optik von Designböden kann einerseits mit der Farbe des Zementsteins und/oder der Zuschläge sowie andererseits mit mechanischen Verfahren wie Glätten oder Schleifen in verschiedenen Intensitäten gesteuert werden. Einfluss auf die optische Wirkung haben außerdem je nach Aufbau die anschließende Beschichtung, Versiegelung oder Imprägnierung.
Der Zementstein lässt sich durch die Zugabe von Pigmenten im gewünschten Farbton herstellen. Verwendet werden vor allem pulverförmige Pigmente von Metalloxiden oder daraus hergestellte Flüssigfarbe (Slurry). In der Regel reichen Zugabemengen bis 5 Masseprozent für die Farbgebung aus, wodurch sich die Verarbeitungseigenschaften und Festigkeiten der zementösen Matrix nicht wesentlich verändern.
Die Farbbrillanz der Matrix kann durch den Einsatz von Weißzement gesteigert werden, weil die Pigmente dann zu klaren, kräftigen Zementsteinfarben ohne Grauschleier führen. Dies gilt auch für schwarze Einfärbungen. Ebenso kann der helle Weißzement, der das Bindemittel des Bodensystems Terraplan von Dyckerhoff ist, auch pur, also ungefärbt verwendet werden.
Je nach Art und Menge des Zuschlags bilden aber eventuell nicht der Zementstein, sondern die Zuschläge den optisch wirksameren Anteil am Bild des Bodens, weshalb speziell bei geschliffenen Oberflächen auch farbige Zuschläge geprüft werden sollten. Gängig sind helle Körnungen aus Marmor oder Kalkstein sowie dunkle aus Basalt. Möglich ist aber ebenso roter, grüner und selbst blauer Edelsplitt.
Böden mit Schliff
Maßgeblich für die spätere Erscheinung der Gesteinskörnungen ist die Art und Intensität der mechanischen Oberflächenbehandlung. Frische Betonoberflächen werden durch Glätten oder Flügelglätten bearbeitet, wobei speziell eingefärbter Beton ein wolkig-marmoriertes Aussehen erhält. Eine gewisse Ungleichmäßigkeit der Farbgebung muss in diesen Fällen deshalb gewollt und akzeptiert sein. Im Außenbereich sind auch das feine oder grobe Auswaschen und das Strahlen möglich, die der Oberfläche eine gewisse Rauigkeit und Textur verleihen, wie sie für Freiflächen vertretbar, aber für Innenräume wegen der Reinhaltung weniger geeignet ist.
Hier werden eher hochwertig glatte Oberflächen benötigt, weshalb das Schlei-fen die wichtigste mechanische Bearbeitungsmethode für Designfußböden in Gebäuden darstellen dürfte. Geschliffen wird in mehreren Arbeitsgängen von grob nach fein, an die sich gegebenenfalls weitere Polierungen anschließen können. Dyckerhoff gibt für seinen Designboden Terraplan beispielsweise insgesamt sieben Schleifstufen bis zur hochglanzpolierten Oberfläche an.
Das Schleifen beginnt je nach Betongüte und -stärke 20 bis 28 Tage nach dem Einbau. Die Zuschläge müssen so gewählt sein, dass sie einem ähnlich starken Abtrag wie der Zementstein unterliegen. In den ersten Stufen des Schleifens, dem sogenannten Anschliff, tritt das Feinkorngefüge hervor und es entsteht eine kleinteilige Pfeffer-und-Salz-Optik. Im weiteren Feinschliff können die Zuschläge bis zu ihrem größten Querschnitt freigelegt werden, was dann ein dem Terrazzo ähnliches Aussehen erzeugt. Neben der oben schon erwähnten Kornfarbigkeit spielt auch die Korngröße eine wichtige Rolle. Mit der zunehmenden Anzahl und Feinheit der Schleifstufen entwickelt sich die bearbeitete Oberfläche von seidenmatt allmählich zu hochglänzend.
Unverwechselbar mit System(lösungen)
Gerade bei der Beschreibung der Ausführung wird klar, dass Designböden weniger ein Produkt sind, sondern vielmehr Ergebnis eines umfassenden Prozesses. Der Planer muss einen qualifizierten sowie einschlägig erfahrenen Verarbeiter finden und diesem eine exakte Leistungsbeschreibung übergeben.
Das Anlegen einer nicht zu kleinen Musterfläche sollte in jedem Fall vereinbart werden, damit eine eindeutige Verständigung über das gewünschte Ergebnis möglich ist. Und selbst dann ist zu berücksichtigen, dass Designböden Unikate sind und sich nicht exakt reproduzieren lassen – gerade das macht schließlich ihren Charme aus.
Die Einzigartigkeit jedes Bodens verhindert jedoch nicht, dass auf bestimmte Systemlösungen der Hersteller zurückgegriffen werden kann, um zur gewünschten Gestaltung zu kommen.
Bereits erwähnt wurden Dyckerhoff (Terraplan) und HeidelbergCement (CemFlow) mit ihrer Kompetenz für zementgebundene Designböden. Einen durchgefärbten Zementfließestrich hat Hasit mit ArtFloor entwickelt. Gestaltende Spachtelsysteme für Böden mit Beton- oder Steinlook sind zum Beispiel Durostone und Durocolour von Franken Maxit, Pandomo von Ardex, DesignFloor von Saint-Gobain Weber oder SDB Safetec von Quick-Mix.
Sowohl bei den Beschichtungen als auch bei den direkt aus dem Betonboden oder dem Zementestrich herausgearbeiteten Oberflächen entstehen Ansichten, die einerseits an die handwerkliche Tradition des Terrazzos erinnern und andererseits die Gestaltungsvielfalt von Betonwerkstein auch für Vor – Ort hergestellte Fußböden erschließen. Gegenüber dem Terrazzo haben Designböden Vorteile durch geringeren Aufwand und weniger Kosten.
Im Vergleich zu Betonwerkstein überzeugt vor allem die Fugenlosigkeit gestalteter Estriche bzw. Böden. Präziser muss allerdings von Fugenminimierung gesprochen werden, denn auch Designböden brauchen bei entsprechender Größe eine Feldeinteilung. Eventuell mindern diese Fugen etwas die Faszination ungestörter großer Flächen und stoßen darum beim Planer selbst oder beim Auftraggeber nicht auf ungeteilte Zustimmung.
Aber eine planmäßige Fuge sieht allemal besser aus als ein spontaner Riss, zumal sich die Fugen eventuell geschickt in die Muster des Designbodens bzw. Betonboden integrieren lassen.
Statt einfacher geschnittener Fugen können Trennschienen oder Fugenprofile verwendet werden. Bei zu schleifenden Böden müssen diese und andere Einbauteile aus gut schleifbarem Material bestehen, etwa aus Messing oder Aluminium. Zu prüfen ist auch, ob Einbauten wie Bodenlampen oder Elektranten eventuell nachträglich mittels Kernbohrung installiert werden, weil sie dann die Homogenität der Fläche beim Schleifen nicht beeinträchtigen.
Markus Hoeft
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