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Platte auf der Matte

Speziell bei der Sanierung
Platte auf der Matte

Markus Hoeft

Balkone gehören wegen ihrer exponierten Lage zu den klimatisch extrem belasteten Bauteilen.
Niederschläge können mehr oder minder ungehindert die Konstruktion angreifen, die Bauteiltemperaturen erreichen je nach Jahreszeit Spitzenwerte um + 70 °C bzw. – 20 °C.
Trotz oder eigentlich gerade wegen dieser widrigen Bedingungen muss eine Abdichtung die Bodenplatte gegen das Eindringen von Feuchte dauerhaft und sicher schützen, weil diese sonst durch Korrosion und Karbonatisierung relativ schnell geschädigt wird.
Die Schäden zeigen sich als Risse, Abplatzungen oder Ausblühungen an der Oberfläche und sind nicht nur ein optischer Mangel, sondern können Anzeichen einer allmählichen Zerstörung der Krag- oder Tragplatte sein.
Eine sorgfältige Planung und fachgerechte Ausführung der Funktionsschichten ist also für Balkone in jedem Fall unerlässlich. Zusätzliche Überlegungen sind erforderlich, wenn ein Balkon mit einem Plattenbelag aus Keramik oder Natursteinplatten neu gebaut oder saniert werden soll.
Regelaufbauten bei Plattenbelägen im Neubau
Balkonabdichtungen sind geregelt in der DIN 18195 Bauwerksabdichtungen, Teil 5: Abdichtungen gegen nichtdrückendes Wasser auf Deckenflächen und in Nassräumen, Bemessung und Ausführung; Ausgabe August 2000.
Balkone gehören danach zu den mäßig beanspruchten Flächen, für die in Punkt 8.2 der Norm die Regelaufbauten der möglichen Abdichtungen beschrieben werden.
Die DIN 18195, Teil 5 versteht sich in erster Linie als „Neubaunorm“ und gilt nur bedingt für nachträgliche Abdichtungen im Rahmen von Sanierungen (siehe Punkt 1.2 der Norm).
Die Balkonabdichtung benötigt ein Gefälle von 1 bis 2%, das entweder im Rohboden oder – meist wirtschaftlich günstiger – mit einem Gefälleverbundestrich unterhalb der Abdichtung ausgebildet wird. Ebenfalls noch unter der Abdichtung ist eine eventuell erforderliche Wärmedämmung anzuordnen, falls nicht das Prinzip eines Umkehrdachs verwirklicht wird.
Balkone mit Plattenbelägen aus Keramik oder Naturstein benötigen über der Abdichtung zusätzlich eine Dränschicht, wenn die Gefahr besteht, dass Wasser, das unter den Plattenbelag gelangen konnte, sich anstaut bzw. Pfützen bildet.
Über der Dränschicht liegt im Regelaufbau dann zumeist eine lastverteilende Schicht (z.B. Estrich), die zugleich den Fliesengrund bildet.
Eine Dränschicht ist also kein absolutes Muss. Wenn das Mörtel- bzw. Kleberbett fachgerecht vollflächig und hohlraumfrei mit einem für Außenanwendungen geeigneten Material ausgeführt wird, kann zwar Feuchtigkeit in den Aufbau gelangen, sich aber kein stehendes Wasser bilden. Wegen der besonderen klimatischen, thermischen und auch mechanischen Beanspruchungen von Balkonen sowie wegen der vielfältigen Anschluss-, Übergangs- und Verbindungsdetails im Bodenbereich ist die Gefahr von kleinen Verarbeitungsfehlern, die dann gravierende Folgen haben können, aber relativ groß.
Kommt es doch zu stehendem Wasser, so muss dieses zumindest die Möglichkeit des ungehinderten Abflusses haben. Eine Dränschicht ist deshalb für eine erhöhte Funktionssicherheit des Balkons durchaus bedenkenswert, auch wenn sie leider den Bodenaufbau verstärkt, sozusagen Höhe „verbraucht“. Und mit der Aufbauhöhe muss der Planer schon im Neubau sparsam umgehen, bei Sanierungen sind ihm oft sehr enge absolute Grenzen gesetzt.
Sanierungen mit Matten
Die Industrie hat deshalb vor allem für Balkonsanierungen verschiedene Systemlösungen mit relativ dünnen Matten oder Platten entwickelt, die als Untergrund für den neuen Plattenbelag aus Keramik oder Naturstein dienen und meist zugleich weitere Funktionen erfüllen. Lösungen mit „Platten auf Matten“ lassen sich in der Regel aber auch für Neubauten einsetzen.
Die Matten werden – je nach System – lose verlegt oder streifenweise bzw. vollflächig verklebt. Abhängig vom Grad der Befestigung können sie den neuen Belag mechanisch von der Altkonstruktion weitgehend abkoppeln, wodurch sich Spannungen und Rissbildungen durch Bauwerksbewegungen oder Temperaturunterschiede der Schichten verhindern lassen.
Auch eine spätere Entfernung des Plattenbelags wird durch die Matten wesentlich vereinfacht, etwa wenn der Auftraggeber künftig aus rein geschmacklichen Gründen einmal einen anderen Belag haben möchte oder aber, wenn trotz aller Sorgfalt nach Jahren oder Jahrzehnten eine erneute Sanierung erforderlich wird.
Vor der Entscheidung für einen konkreten Systemaufbau muss der Planer, ggf. in Zusammenarbeit mit dem Systemanbieter, vor allem den Ist-Zustand des Balkonsm sowie die Ursache für die vorhandenen Schäden analysieren.
Drei wesentliche Fragen dabei sind:
Ist nur der alte Plattenbelag geschädigt oder auch die alte Abdichtung der Bodenplatte?
Kann der alte Plattenbelag – eventuell nach Ausbesserungsarbeiten – liegen bleiben und überbaut werden oder sollte/muss er entfernt werden?
Wie und wohin wird das Wasser im sanierten (neuen) Aufbau abgeleitet?
Es verringert natürlich wesentlich Aufwand, Zeit und Kosten der Sanierung, wenn auf die Erneuerung der Abdichtung verzichtet werden kann. Der Planer muss dann allerdings auf eine alte Funktionsschicht vertrauen können, obwohl im Systemaufbau offensichtlich ein Problem steckt, ansonsten wäre ja keine Sanierung erforderlich.
Ursache des Schadens muss aber nicht die alte Abdichtung sein, in Frage kämen auch eine nicht vorhandene oder nicht mehr funktionsfähige Dränschicht unter dem Plattenbelag sowie undichte bzw. undicht gewordene Anschlussdetails. Die Weiterverwendung der Abdichtung kann demzufolge möglich sein.
Aufbauhöhen und Wasserführung
Auch das Überbauen des alten Plattenbelags vereinfacht die Sanierungsarbeiten erheblich. Gerade bei bewohnten Häusern kommt es dem Auftraggeber entgegen, wenn auf laute und dreckige Abrissarbeiten verzichtet werden kann.
Der Planer muss jedoch die entstehende Aufbauhöhe beachten. Die neue Oberfläche darf natürlich keinesfalls über der Türschwelle der Balkontür liegen, aber auch nicht über der an den aufgehenden Bauteilen hochgezogenen Abdichtung. Für Neubau-Balkone verlangt DIN 18195, Teil 5 15 cm Abstand zwischen wasserführender Oberfläche und Oberkante der senkrecht hochgezogenen Abdichtung.
Bei Sanierungen kann man diesen Wert in Abhängigkeit von der Art und Lage des Balkons (Hauptwetterrichtung, eventuelle Überdachung bzw. geschlossene Seitenwände) sicher reduzieren.
Weil sich die 15 cm auch bei Neubauten an der Balkontür kaum einhalten lassen, gestattet die (Neubau-)Norm hier besondere Maßnahmen, etwa die Anordnung Linienentwässerungen in Form von Rinnen mit Gitterrosten.
Der nachträgliche Einbau solcher Linienentwässerungen vor aufgehenden Bauteilen wäre auch bei Sanierungen eine elegante Lösung, nur wird man oft nicht die nötige Höhenreserve dafür haben. Die neue Aufbauhöhe nach einer Sanierung ist auch in Relation zum vorhandenen Geländer zu prüfen, falls dieses Bauteil nicht ohnehin mit erneuert werden soll.
Wenn alle Höhen- und Entwässerungsprobleme in einem konkreten Fall lösbar sind, kann ein Neuaufbau des Plattenbelags ohne Entfernung der alten Oberfläche ins Auge gefasst werden. Lose Altbestandteile sind dafür vorher zu entfernen und Ausbruchstellen zu verspachteln.
Viele ältere, aber auch falsch geplante jüngere Balkone entwässern durch einfachen Ablauf über die offenen Kanten. Dies führt fast immer mehr oder minder schnell zu hässlichen Fließspuren an den Stirnseiten der Bodenplatten und greift das hier ggf. befestigte Geländer an seinen Verankerungen an. Schon ein einfaches Tropfprofil kann die Situation verbessern, vor allem wenn das Wasser dann nicht mehr direkt über die sensible Kante zwischen Oberfläche und Stirnseite der Balkonplatte fließt. Technisch elegant lässt sich das Tropfprofil gleichzeitig nach dem Prinzip der verlorenen Schalung als seitliche Begrenzung für die neuen Fliesen und ihr Mörtel- bzw. Kleberbett nutzen.
Eine noch höhere Entwässerungssicherheit erreicht man mit stirnseitig angebrachten Rinnen, wobei aber nicht jeder Auftraggeber bereit ist, diesen zusätzlichen Aufwand in Kauf zu nehmen.
Sanierungssysteme
Basis eines Komplettsystems für Balkone und Terrassen innerhalb der Renoceram-Reihe von Uzin ist die Kombination von Abdichtungsbahnen mit Dünnbett-Dränagematten. Das System kann direkt auf dem Altbelag errichtet werden und hat sowohl abdichtende als auch entkoppelnde Wirkung. Trocknungszeiten können mit den lose ausgelegten Funktionsschichten minimiert werden.
Weitere Informationen bba 517
Watec-Matten sind lose zu verlegende Dünnschichtdränagen aus dem Sortiment von Gutjahr. Sie bestehen aus reißfestem Glasgittergewebe und haben auf der Unterseite verbundene Längs- und Querkanäle, die auftretendes Stauwasser ableiten können.
Belag und Untergrund werden entkoppelt. Als weitere Lösungen für die Balkonsanierung bietet der Hersteller verschiedene Typen der Trag-, Drän-, Filter- und Schutzmatten AquaDrain an. Für den Randabschluss können Profile und Rinnen des Sortiments WatecFin eingesetzt werden.
Weitere Informationen bba 518
Im Programm von Schlüter-Systems ist Troba-Plus eine vliesabgedeckte Noppenbahn für die Flächendränage von Balkonen und Terrassen, die wahlweise mit 8 oder 12 mm Höhe unter Plattenbelägen eingebaut werden kann. Ein andere Möglichkeit sind Ditra-Matten, die entkoppelnd und bei einer Abklebung mit dem Dichtband Kerdi gleichzeitig abdichtend wirken.
Die Matten fungieren auch als Dampfdruckausgleichsschicht, so dass die Verlegung auf frischem Estrich unmittelbar nach dessen Begehbarkeit möglich ist. Für die Entwässerung und Randausbildung stehen verschiedene Linienentwässerungen, eine Vielzahl von Profilen sowie ein Rinnensystem zur Verfügung.
Weitere Informationen bba 519
BA Balco von Wedi ist eine Fliesenträgerplatte für den Außenbereich auf der Basis von extrudiertem Polystyrol-Hartschaum. Die Platten können in Dicken von 50, 20 oder 10 mm sowie als Gefälleplatten auf den alten Untergrund geklebt werden und wirken durch ihre Flexibilität entkoppelnd. Für die Abdichtung der Plattenstöße steht ein Set aus Kleber und Dichtband zur Verfügung. Anschließend kann wahlweise im Dickbett- oder Dünnbettverfahren gefliest werden. Zum Sortiment des Anbieters gehören außerdem Rand- und Abschlussprofile aus Edelstahl.
Weitere Informationen bba 520
Keraflex FB ist eine 31 mm dicke elastische und wasserdurchlässige Gummiplatte für den Einsatz auf Balkonen oder Terrassen. Die Platte besitzt auf der Unterseite Dränagerillen und wird streifenweise auf eine vorher zu verlegende Kunststoffabdichtungsbahn geklebt. Auf der Oberseite der Gummiplatte sind Mulden in der Größe von Keramikfliesen profiliert, in die die Fliesen nur noch eingeklebt werden müssen.
Weitere Informationen bba 521
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