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Mängelbilanz eines Jahres

Schadensfälle im Wintergartenbau
Mängelbilanz eines Jahres

Peter Struhlik, Minden-Kassel (öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Fenster, Türen, Fassaden und Wintergärten)

Auf einem Ein-Tages-Seminar des Fachverbandes Wohn-Wintergarten im November 2003 in Leipzig referierte Peter Struhlik über typische Problemfelder bei Wintergärten aus der Sicht eines technischen Sachverständigen. Er wertete dabei die Schadensfälle aus, die er im Jahr 2003 zu bearbeiten hatte.
Sie sehen im Folgenden eine Zusammenfassung des Leipziger Vortrags.
Auswertung der Gutachten
Insgesamt habe ich 2003 vierundzwanzig Gutachten zum Thema Wintergarten erstellt. Siebzehn der zu erstellenden Gutachten fußten auf bei Gerichten anhängige Streitfälle und Beweissicherungsverfahren.
Sieben der untersuchten Fälle stammten aus privatrechtlich erstellten Gutachten. Anhand der mir zur Verfügung stehenden Daten habe ich die vorgefundenen Mängel in verschiedene Bereiche bzw. verwendetes Konstruktionsmaterial unterteilt und die relative Schadenshäufigkeit zugewiesen:
– Holz : 21%
– ALU+PVC: 79%
– Anschlüsse: 54%
– Beratung/Hinweispflicht: 17%
– Verglasung: 21%
– Silikon: 29%
– Statik: 8%
– Planung: 42%.
Konstruktionsmaterial
Von den in Augenschein genommenen Wintergartenkonstruktionen waren etwa ein Fünftel komplett aus Holz gefertigt. Die Dachkonstruktionen des überwiegenden Teils der anderen Wintergärten waren mit Aluminiumprofilen ausgeführt.
Reine Kunststoffkonstruktionen (stahlverstärkt) waren mit zwei Exemplaren relativ selten vertreten. Damit ergeben sich bei dem Auftreten von Mängeln keine auffälligen Abweichungen zu den jeweiligen Marktanteilen.
Einen Rückschluss von dem verwendeten Material zu einem in der Praxis besonders häufigen Schadensbild kann ich daher aus meiner Gutachterpraxis nicht ableiten. Es gibt offensichtlich keine wirklich nachteilige Konstruktionsart.
Allerdings überwiegen bestimmte Schadensbilder abhängig vom verwendeten Material. Aluminiumdächer weisen im Gegensatz zu den Holzkonstruktionen natürlich keine so dramatischen Materialzerstörungen und Pilzbefall auf, allerdings sind sie bei entsprechend sorgloser Verarbeitung erheblich undichter (quantitativer Wassereintritt) als vergleichbare Holzkonstruktionen.
Anschlüsse
Bei 54% der besichtigten Wintergärten lagen handfeste Mängel im Bereich der Baukörperanschlüsse vor. Dabei hielten sich Undichtigkeiten im Fußpunkt der Elemente und an den hinteren Wandanschlüssen in etwa die Waage. Zwei Wandanschlüsse betrafen mit Wärmedämmverbundsystemen ausgestattete Häuser. Da diese in der Ausführung komplizierter sind als ein normaler Wandanschluss, verwundert das nicht.
Immer wieder bin ich erstaunt darüber, dass ganz normale Fußpunktanschlüsse in so vielen Fällen so verkehrt ausgeführt werden. Die Schadensbilder reichen hier vom Wassereintritt bis zur erheblichen Kondenswasserfalle. Planung. Auf mangelhafte Planung beruhende Fehler waren mannigfaltig zu finden (in 42% der Fälle) und hatten mitunter etwas burleske Züge. Als Beispiel möchte ich den Fall nennen, bei dem Aluminiumfenster als Teil eines Holzständerwintergartens mit Neigung nach innen eingebaut wurden (siehe Zeichnung).
Die mit C bezeichnete Linie kennzeichnet dabei die tatsächliche Lage der Waagerechten. Mit etwas Überlegung wird jedem klar werden, dass diese „Schräglage” des Rahmenprofils in Verbindung mit dem an Punkt A massiv auftretenden Regenwasser unfehlbar zum späteren Eindringen des Niederschlags zur Rauminnenseite führen wird.
Davor schützte auch die vorhandene Entwässerung (in Punkt B) nicht. Als Lösungsmöglichkeit wurde von der ausführenden Firma dann allen Ernstes vorgeschlagen, den Bereich von außen mit einer weiteren Glasüberdachung zu versehen, um so die Fenster vor Regenwasser zu schützen.
Eine fachgerechte Planung hätte an dieser Stelle von vornherein den Einsatz eines Fassadensystems (Pfosten-Riegel-Konstruktion) vorsehen müssen.
Silikon
„Silikon, das war sein letztes Wort”, so werden vermutlich einmal die Hinterbliebenen verstorbener Wintergartenmonteure zu berichten wissen. Vielfältig (bei 29% der Wintergärten) waren die von mir vorgefundenen unsinnigen „Silikon-Wülsteleien“. Es dichtet nicht, wenn äußere Abdeckbleche verschmiert werden. Die wasserführenden Profilebenen liegen ohnehin tiefer. Auch ungeeignete und daher selbstlösende Materialkombinationen von dauerelastischem Dichtstoff und Untergrund kamen immer wieder vor.
Ich empfehle allen am Bau Beteiligten die Lektüre des IVD Merkblatts Nr. 9. Dort ist die fachgerechte Anwendung dieses Dichtstoffs beschrieben.
Verglasung
Die Mangelerscheinungen in den Fällen mit Verglasungsproblemen (bei 21% der Wintergärten) waren immer unterschiedlich. Dabei reichte die Palette vom Nichtbeachten der „Technischen Regeln für die Verwendung von linienförmig gelagerten Verglasungen“ bis zum gewöhnlichen „Kratzer” auf der Scheibe.
Beratungspflicht
Immer wieder (bei 17% der Fälle) kam es auch vor, dass der technische Laie (= Käufer des Wintergartens) auf gewisse Dinge nicht oder nicht ausreichend hingewiesen wurde.
Wenn bei der geplanten Wohnraumerweiterung (lassen wir das baurechtliche Problem einmal beiseite) nicht nachdrücklich darauf hingewiesen wird, dass der nach Süden orientierte Wintergarten im Sommer ohne eine Beschattung und zumindest mit mechanisch unterstützter Lüftung überhaupt nicht zum dauernden Aufenthalt von Mensch, Tier und Pflanzen geeignet ist, dann ist das eindeutig eine Unterlassungssünde des Errichters.
Gleichfalls ist es nicht in Ordnung, ohne entsprechenden Hinweis, auf Kundenwunsch eine Dachverglasung in Drahtglas auszuführen, wenn von vornherein klar ist, dass eine Kante der Verglasung ständig und ungeschützt der Bewitterung ausgesetzt ist.
Wie der Kunde nicht wissen kann – dem Fachmann sollte es aber jedenfalls bekannt sein – ist so eine Ausführung nach den Richtlinien der Isolierglas herstellenden Industrie überhaupt nicht zulässig und führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Glasbruch. Im vorliegenden Fall jedenfalls waren bereits drei Scheiben geplatzt.
Statik
Konstruktionen mit statischen Problemen sind glücklicherweise eher selten. Allerdings sind die Mängel dann in der Regel umso drastischer.
Wenn beim Bauen der Konstruktion von der vorliegenden statischen Berechnung erheblich abgewichen wird, entsteht im Nachhinein meist ein beträchtlicher Aufwand zur Mangelbeseitigung. In einem der Fälle – ein sehr großes und filigranes Aluminiumdach – war durch die Veränderung des Auflagerpunkts eines Hauptsparrens die Dachlast, im buchstäblichen Sinne des Wortes, verrückt worden und die statische Berechnung natürlich hinfällig.
Anstatt auf einer Stütze wirkt nun die Gewichtslast direkt auf den Rahmen ein. Eine deutliche Druckverformung des Rahmenprofils (nur durch das Eigengewicht der Dachfläche – ohne Schnee und Windlast) war bereits sichtbar. Zur Mangelbeseitigung müssen nun sehr störend wirkende zusätzliche Stützen und eine komplette neue Seitenpartie eingebaut werden.
Fazit
Alle besichtigten Wintergärten wiesen erhebliche Ausführungsmängel auf. Der Anteil an Planungs- und Beratungsfehlern war deutlich geringer.
Hauptmangelpunkt war und bleibt die Ausbildung von fach- und sachgerechten Baukörperanschlüssen. An jedem zweiten Wintergärten war ein solcher Ausführungsmangel vorhanden.
Weitere Informationen
Wintergartenbau bba 520
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