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Regenwassernutzung senkt Betriebskosten

Sanierung und Erweiterung eines Gymnasiums in Berlin
Regenwassernutzung senkt Betriebskosten

Die Stadt Falkensee in Brandenburg ließ das Lise-Meitner-Gymnasium sanieren. Der Wasserbedarf für Toilettenspülung ist für 1 000 Schüler ein großer Betriebskostenfaktor. Deshalb wurde ein Betriebswassernetz installiert und eine Regenspeicheranlage gebaut. Vorgeschaltet an eine zentrale unterirdische Zisterne, reinigt ein Filterschacht das Regenwasser.

Dipl.-Ing. Klaus W. König

Falkensee gehört zu den am schnellsten wachsenden Kommunen, entgegen dem Trend einer abnehmenden Bewohnerzahl in Ostdeutschland. „Wir kommen kaum nach mit der Infrastruktur. Schulen sind besonders wichtig – und hier wollen wir nicht kleckern, sondern klotzen, “ sagt Harald Höhlig, Baudezernent der Stadt Falkensee. „Die Betriebskosten müssen stimmen, aber auch der Umweltschutz.“ So wurde unter anderem in eine Anlage zur Nutzung des auf den Dächern anfallenden Regenwassers investiert.
Das Lise-Meitner-Gymnasium wurde in mehreren Stufen saniert. Das vorhandene Hauptgebäude, ein Plattenbau aus der DDR-Zeit, musste renoviert und modernisiert werden. Statiker und Haustechniker waren besonders gefordert. Energie und Wasser als vorrangige Themen: Vom Flachdach des Hauptgebäudes wird der Niederschlag im unterirdischen Speicher gesammelt, ebenso vom Gründach der neu erstellten Aula. Für Beregnung der Außenanlagen und Toilettenspülung wird der kostenlose Rohstoff genutzt.
Alles aus einer Hand
Regenspeicher aus Betonfertigteilen von Mall werden komplett mit Steuerung und Pumpentechnik geliefert. Die Schnittstelle zwischen Tiefbau (Zisternen und Sammelleitungen) und Sanitärtechnik (Druckerhöhungsanlage und Verteilleitungen) ist einfach und klar. Wird ein Komplett-System dieser Art verwendet, ist damit sichergestellt, dass die Komponenten kompatibel sind, selbst wenn sie von verschiedenen Gewerken montiert werden.
Im Gebäude steht die Regenwasser-Zentrale mit elektronischer Steuerung, Doppelpumpendruckerhöhung und integriertem Vorlagebehälter. Dieser wird von außen her periodisch gefüllt durch eine unter Wasser in der Zisterne stehende Zubringerpumpe. Sie fördert nach Bedarf, von der Regenwasser-Zentrale automatisch gesteuert. Mit einem optischen und akustischen Signal weist die Steuerung auf Fehlfunktionen hin und reagiert darauf. Der potenzialfreie Störmelder ermöglicht eine Fernanzeige der Störung. Zudem verfügt die Steuerung über eine Anschlussmöglichkeit für RS 232-Schnittstellen zur externen Datenübermittlung.
Die Druckerhöhungsanlage (Mall Monsun XL 14 m³/h max. Förderleistung) ist zweistufig, sitzt im kompakten Regencenter unter dem Zwischenbehälter und erhält so das Wasser im Zulaufbetrieb mit leichtem Vordruck. Bei Spitzenbedarf laufen beide Pumpen gleichzeitig, ansonsten alternierend einzeln. Sie verfügen über einen integrierten Trockenlaufschutz. Versorgt werden von hier aus die Toiletten im Gebäude sowie die Anschlüsse für die Bewässerung außerhalb.
An Stelen, die frei im Gelände stehen, kann elektrischer Strom einerseits und Regenwasser andrerseits „gezapft“ werden.
Schnelle Montage mit Fertigteilen
Die Regenspeicher, eine unterirdische 3-Behälter-Anlage von Mall, werden als Betonfertigteile im Werk produziert und vom Hersteller vor Ort auf 15 cm hohem Sandbett versetzt. Drei Behälter in monolithischer Rundbauweise sind hier zu einem kommunizierenden Gefäß mit 40 m³ Nutzvolumen verbunden.
Die Durchführungen sind mit hochwertigen Dichtungen so in den Behältern eingegossen, dass bei der Montage die Verbindungsrohre nur gesteckt werden müssen. Mit Schachtabdeckungen Klasse D sind diese Behälter befahrbar. Damit kann der Standort flexibel gewählt werden, sowohl unter Grünflächen als auch unter Stellplätzen und Zufahrten.
Vor der Speicherbatterie wird ein Filterschacht montiert. Schwebstoffe, die die Filterkassetten aus Edelstahlgewebe mit einer Maschenweite von 0,4 mm nicht passieren können, sinken als Feinteile zu Boden oder schwimmen auf an die Wasseroberfläche, wie z. B. Blütenpollen. Das mit dem Filter verbundene Ablaufrohr gewährleistet, dass weder Sediment noch Schwimmschicht in den Speicher gelangt.
Um die Planung zu erleichtern, trägt der Filterschacht als Produktbezeichnung die Zahl der maximal anschließbaren Dachfläche. In diesem Fall wurde an den Regenspeicher der Mall Filterschacht FS 2500 angeschlossen. Das bedeutet, dass der Filter den Abfluss einer Dachfläche bis zu 2 500 m² rückstaufrei bei dem zu Grunde gelegten Bemessungsregen von 300 l/s x ha verkraftet.
Sollte der Regenwasservorrat im unterirdischen Speicher ganz aufgefüllt sein und dennoch weiterhin Niederschlagswasser anfallen, so wird der Speicherüberlauf in einen Regenwasserteich abgeleitet. Dort verdunstet ein Teil, ein Teil versickert. Der Teich wurde als Teil der Landschaft biotopartig angelegt an Stelle eines rein technischen Versickerungsbeckens. In jedem Fall wird so noch auf demselben Grundstück der natürliche Wasserkreislauf kleinräumig geschlossen – neben der Regenwassernutzung eine weitere Vorsorge, um den möglichen Folgen des Klimawandels zu begegnen durch Grundwasseranreicherung und Verdunstungskühlung der Umgebungsluft.
„Anlagen zur Regenwassernutzung sind preiswert und unkompliziert. Sie funktionieren zuverlässig, wenn Inspektion und Wartung regelmäßig durchgeführt werden. Bei neuerer Bauart entsprechend DIN 1989 genügt ein jährlicher Check“, sagt Michael Hänsch, Fachplaner Regenwassertechnik.
Gute Hersteller übernehmen das oder beauftragen dazu einen von ihnen autorisierten Fachbetrieb, der die durchgeführte Prüfung mit Protokoll bestätigt. Falls erforderlich, werden Mängel gegen Berechnung sofort behoben. „Entspricht die Bautechnik nicht DIN 1989, sind die Angaben des Herstellers für die Wartungsintervalle verbindlich. So kann es z. B. notwendig sein, Filter öfter als ein Mal jährlich zu reinigen, “ fügt Hänsch hinzu. Er plant bereits Regenwassernutzung für das nächste öffentliche Gebäude in Falkensee. Auch die Diesterweg-Schule bekommt Regenwassernutzung für Toiletten und Bewässerung der Außenanlagen.
Umweltentlastende Vorgaben
Für alle öffentlichen Einrichtungen macht die Stadtverwaltung Falkensee dem Hochbauamt Vorgaben zur Art und Weise von Neubau- oder Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden. Gleichrangige Ziele sind die Senkung der Betriebskosten und die Entlastung der Umwelt. Dies geht aus einer Information des Bürgermeisters Heiko Müller vom 17.05. 2008 hervor. Neben einem detaillierten Katalog für das Energiemanagement ist auch in jedem Fall die Regenwassernutzung für WC-Anlagen zu prüfen. Handelt es sich um Schulen, so „sind aus pädagogischen Gründen für Schüler Umwelt entlastende umgesetzte Maßnahmen am Objekt zu dokumentieren oder in geeigneter Weise darzustellen, wie z. B. durch das Zentraldisplay im Lise-Meitner-Gymnasium“.
Weitergehend hat die Stadtverwaltung Objekte im Eigentum der Stadt als Vorbereitung für eine „Dächerbörse“ erfasst. Damit erhalten Investoren Informationen zur Anmietung von Dächern für die Installation von Fotovoltaikanlagen. Falkensee zeigt, wie Kommunen im neuen Jahrhundert ihrer Verantwortung gerecht werden können, um dem Klimawandel zu begegnen und an einer Veränderung der Energie- und Wasserpolitik mitzuwirken.
Fachplanung: Ing.-Büro für Haustechnik Michael Hänsch, Falkensee
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