BIM-Planungsmethode: Die Koordinationsrolle des Architekten

Umfassende Steuerung mit Planungs- und Datenhoheit

Koordinationsrolle des Architekten in Zeiten der BIM-Planungsmethode

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Die digitale BIM-Planungsmethode ermöglicht es, komplexe Planungs- und Bauabläufe in der Hand des Architekten zu bündeln. Basis hierfür ist das 3D-Gebäudemodell. Damit kann dem Architekten (wieder) eine umfassende Steuerungsrolle zukommen.

Tim Westphal, Dipl. Ing. Arch., Fachredakteur

Als Generalist, Baumeister und Koordinator stand der Architekt über Jahrhunderte hinweg für den gesamten Planungsprozess, den Bau und die Steuerung der Baustelle ein. Er war verantwortlich für die kosten- und termingerechte Abwicklung und die Kommunikation mit dem Auftraggeber oder Bauherrn. Die Bandbreite seiner Arbeit erforderte dabei Struktur und Selbstorganisation sowie den Blick über den Bauprozess hinaus.

Rolle des Baumeisters

Grundlegend veränderte sich die gewachsene Rolle des Baumeisters erst mit der Spezialisierung auf Bauwerkstypologien, so vor allem auf Festungsbauten ab dem 17. Jahrhundert. Mit der Entwicklung der Ingenieurtechnik im 18. Jahrhundert etablierten sich dann Planer -Fachdisziplinen – eine Notwendigkeit, denn die Aufgaben wurden immer komplexer und waren vom Baumeister als Generalisten allein nicht mehr zu steuern. Die Fachdisziplinen besiegelten letztlich die „Aufspaltung“ des Baumeisters zum Architekten, Hochbauer, Wasserbauer, Statiker oder TGA-Fachplaner. Er wurde damit zum Zahnrad innerhalb eines Entwerfer- und Planer -Gefüges.

Mit diesem Status konnten sich die Architekten bis in die 1980er Jahre gut arrangieren. Sie hatten ihre Rolle im Planungs- und Bauprozess als Vermittler zwischen Planungspartnern oder als Projektsteuerer und schufen über die Jahre fruchtbare Allianzen zwischen Architekt und Ingenieur. Ihre Zusammenarbeit befand sich in einem subtilen Gleichgewicht, das jedoch kippte. Der Architekt verlor in den letzten 30 Jahren an Entscheidungshoheit und Befugnis und sah sich neuen Protagonisten wie dem (Gesamt)Projektsteuerer, dem externen Controller oder dem Bauherrnvertreter gegenüber. Kostensensibilität, wachsende Komplexität der Bauabläufe sowie neue Auftraggeberstrukturen sind wesentliche Gründe hierfür.

Wachsender Einfluss durch BIM-Planungsmethode

Aktuell wächst der Einfluss der Architekten jedoch wieder. Building Information Modeling (BIM) ist hierfür der Treiber. Die sich festigende digitale BIM-Planungsmethode ermöglicht es, komplexe Planungs- und Bauabläufe in der Hand des Architekten zu bündeln. Dass dies möglich wird, ist, vereinfacht gesagt, dem 3D-Gebäudemodell zu verdanken.

Digitale Gebäudemodelle dienen – egal mit welcher BIM-fähigen Software erstellt – als zentrale Daten- und Informationspools für den Planungsprozess und die Bauphase bis hinein in den Betrieb. Der Verfasser eines BIM-Modells ist der entwerfende Architekt. Er pflegt meist die Teilplanungen der (Fach-)Ingenieure ins Modell ein und verwaltet sie auch. Damit kommt ihm eine sehr zentrale und umfassende Steuerungsrolle zu.

Daraus ergeben sich neue Arbeits- und Handlungsfelder für ihn und erste Spezialisierungen von Architekten auf BIM-Planungsleistungen lassen erahnen, wohin die Reise geht. Diese spezialisierten Büros bieten gezielt Leistungen ab der
LPH 5 an. Ein Beispiel: Der Entwurfsarchitekt kommt mit der Baugenehmigungsplanung (nicht BIM-basiert) zum BIM-Spezialisten. Dieser erstellt das virtuelle Gebäudemodell aus dem Entwurf und bindet in den Folgephasen von Planung und Bau die Teilplanungen der Fachingenieure ein. Darüber hinaus betreut er gemeinsam mit dem Entwurfsarchitekten Modell und Projekt bis zur Übergabe. Ein entwurfsstarker Architekt wird so (noch) nicht gezwungen, die BIM-Planungsmethode in seinem Büro zu verankern. Er kann aber trotzdem von der Methode profitieren und dem Bauherrn Vorteile wie Kostentransparenz und -sicherheit sowie geringere Fehlerquote bieten.

Gesamtplanungshoheit beim Architekten

Der wesentliche Mehrwert solcher
ARGEs: Im Gegensatz zu einem klassischen Dienstleistungsverhältnis des Architekten mit einem Projektsteuerer oder Generalunternehmer liegt die Gesamtplanungshoheit in den Händen von Architekten. Von der Transparenz und der zentralen Kontrolle profitieren die beteiligten Planer, Bauherren und Betreiber gleichermaßen. So lassen sich durch die bauteilbezogene BIM-Planungsmethode Kosten und Aufwand zügig beziffern: Elemente und Bauteile wie Wand, Decke, Boden, Fassade oder Dach sind meist bereits in der Vorplanung mit konkreten Baustoffen und tagesaktuellen Preisen versehen. Das BIM-Modell ermöglicht überdies die schnelle Visualisierung des Entwurfes und schafft Verständnis beim Bauherrn oder Investor für Entwurfsidee und Gestaltungsqualität des Projektes.

Die Koordination der Planung muss der Architekt seit jeher leisten. Wesentlich für den BIM-Prozess und neu für den Architekten ist nun die Modell-Koordination. Seine Koordinationsleistung dient schlussendlich der Erstellung des sogenannten „as built“-Modells – also des Datenmodells, in dem das tatsächlich erstellte Bauwerk und alle Anpassungen im Planungs- und Bauverlauf erfasst sind.

Die Rolle des Architekten als Koordinator macht ihn zum Treiber im gesamten Prozess, denn er legt gemeinsam mit dem Bauherrn fest, welche Daten sein Gesamtmodell umfassen soll (über die sogenannten Auftraggeber-Informationsanforderung oder AIA) und welche Teilmodelle mit welchen Daten und wann von den Fachplanern zu liefern sind – erfasst wird dies im BIM Projektabwicklungsplan, kurz: BAP.

Verlustarmer Datenaustausch

Dass in der Datenerfassung, Koordination und Verwaltung des Gebäudemodells wichtige Pluspunkte im Vergleich zur konventionellen 2D-CAD-Planung liegen, erkennen ebenso die Software-Hersteller. CAD-Planungssoftware, Statikprogramme, AVA-Lösungen, Projektsteuerungs-Tools oder FM-Programme verankern BIM und machen es über das plattformübergreifende IFC-Format zur Basis eines verlustarmen Datenaustausches.

Graphisoft beispielsweise, Hersteller der BIM-Software „Archicad“, sieht den essenziellen Nutzen für den Architekten schon lange. Für Holger Kreienbrink, Leiter Produktmanagement, ist klar:

„BIM ist ein Werkzeug, das es dem Architekten mit dem Gebäudemodell erlaubt, ungeahnte Transparenz und Tiefgang in seine Planung zu bringen – wenn er das wirklich will. Der BIM-Prozess macht es möglich. Und die Bandbreite der Nutzungen, die das virtuelle Gebäudemodell für ihn bieten kann, ist aktuell noch gar nicht abzusehen.“

Um die Rolle des Architekten und seinen zukünftigen Stellenwert im BIM-Umfeld zu analysieren, hat der Hersteller bei seinen Software-Nutzern nachgehakt. Dabei erfuhr er, dass in den frühen Phasen nach der Einführung von BIM vor allem die Steuerungsprozesse effizienter werden.

Im zweiten Schritt lassen sich dann meist Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung mit den gewonnenen Erfahrungen über das Gebäudemodell abwickeln. In einer bauteilbezogenen BIM-Planung sind verwertbare Bauteilattribute hinterlegt, die in alle Folgeprojekte übernommen werden können. So entsteht eine individuelle Bauteildatenbank, die im gesamten Architekturbüro nutzbar wird. Die Bauteilattribute sind ein Garant für eine wirtschaftliche – weil realistische – Kostenschätzung. Arbeiten Architekten in der Vergabephase weiterhin bauteilbasiert und bereiten die Informationen so auf, dass sie in ihre Bauteildatenbank einfließen können, stellt sich der Mehrwert zügig ein: Reale Preise sind mit dem Bauteil verknüpft. Das bietet Kostensicherheit über alle Planungsphasen und Folgeprojekte hinweg.

Architekt hat die Datenhoheit

Die Rolle des Koordinators im BIM-Prozess ist für den Architekten damit nur logisch, denn bei ihm laufen die Fäden zusammen: Teilplanungen der Fachplaner (Fachmodelle oder Teilmodelle genannt) fließen in das virtuelle Gebäudemodell ein, die Ausschreibungsinformationen und die Vergabedaten lassen sich für die Bauteil-Attributierung nutzen, Planungsfortschritte werden im BIM-Modell stetig ergänzt und bleiben transparent. Da der Architekt die Datenhoheit hat, kann er seine Kompetenzen ausbauen.

Jörg Ziolkowski, Architekt und BIM-Verfechter bei Astoc Architects und Planners GmbH, sieht einen weiteren Aspekt:

„Der BIM-Prozess erfordert eine neue, intensive Form der Kommunikation unter den Planungsbeteiligten. Im Besonderen werden von den Bauherren frühzeitige Entscheidungen gefordert, die von den Planern entsprechend mit Alternativen hinterlegt sein müssen. Hierdurch kann es zu vorgezogenen Leistungen der Planer im Vergleich zu den Leistungsbildern der HOAI kommen.“

Und er ergänzt: „Der BIM-Prozess ermöglicht nach unserer bisherigen Erfahrung ein effektiveres Planen komplexer Projekte. Die Verantwortung und die Kompetenzen des Architekten entsprechen an dieser Stelle seiner bisherigen Position – sofern er sich der technischen Herausforderung einer BIM-Gesamtkoordination stellt.“ Jörg Ziolkowski spricht damit einen wichtigen Punkt an: Die Architekten sollen sich der Koordinationsrolle stellen und BIM und dessen Implementierung fördern. Das ist eine Aufgabe, mit der sich jeder auseinandersetzen muss, will er sein Architekturbüro erfolgreich in das nächste Jahrzehnt führen.

Für Michael Willimek von Brechentsbauer Weinhart + Partner Architekten sind Meilensteine dafür in seinem Büro bereits gesetzt. Er arbeitet in verschiedenen BIM-Ausbaustufen:

„Nahezu alle unsere Projekte werden zumindest mit ‚Little BIM‘ geplant. Das heißt: Bürointern erfolgt die Planung an gemeinsam erzeugten und auszuwertenden 3D-Gebäudeinformationsmodellen. Stark projektabhängig ist derzeit noch die Arbeit im Open BIM, in der Zusammenarbeit mit Fachplanern über deren jeweilige Fachmodelle. Treiber für die breite Einführung der BIM-Planungsmethode  könnten die Bauherren sein, die sich jedoch dieser vor allem für sie selbst sehr wichtigen Aufgabe aktuell kaum annehmen.“



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