Modulbauweise ermöglicht schnelle Fertigstellung von Holzhybridbau

Neubau eines Studentenwohnheims in Hamburg in Modulbauweise

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In Hamburg-Wilhelmsburg ist just das Studentenwohnheim „Woodie“ bezogen worden. Der E-förmige Holzhybridbau von Sauerbruch Hutton bietet auf sechs Ebenen 371 Wohneinheiten. Für eine minimierte Bauzeit wurden die einzelnen Apartments mit kompletter Ausstattung vorgefertigt und auf der Baustelle aufeinander gestapelt und verbunden – in Modulbauweise.

Robert Uhde

Maßgeblich vorangetrieben durch die Internationale Bauausstellung von 2006 bis 2013 hat sich der Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg in den vergangenen Jahren vom abgehängten Arbeiterquartier zu einem angesagten Kiez entwickelt, in dem es sich für örtliche Verhältnisse vergleichsweise günstig leben lässt. Zu den wichtigsten Neubauten, die im Rahmen der IBA hier umgesetzt wurden, zählt die 2012 nach Plänen von Sauerbruch Hutton fertiggestellte Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Unmittelbar angrenzend an den farbenfroh gestalteten Büro-Komplex haben die Berliner Architekten jetzt mit dem Studentenwohnheim „Woodie“ ein weiteres Großprojekt vor Ort realisiert. Der sechsgeschossig ausgeführte Holzhybridbau stellt auf sechs Ebenen mit einer Bruttogeschossfläche von rund 12 000 m² insgesamt 371 Wohneinheiten mit einer Fläche von jeweils 20 m² zur Verfügung und ist damit das größte bislang realisierte Holzhaus in der Hansestadt.

Ausgangspunkt der Planung war das heterogene städtebauliche Umfeld des Grundstücks zwischen mehreren Berufsschulen in Richtung Norden, der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt im Osten und dem südlich angrenzenden Wilhelmsburger Inselpark. Als intelligente Antwort auf diesen Kontext entwickelten die Planer einen langgestreckten Riegel in Ost-West-Richtung, der auf halber Höhe leicht nach Norden abknickt und sich in gegenüberliegender Richtung mit drei Gebäudespangen in Richtung Grüngürtel orientiert. Ein gelungenes Detail ist außerdem die rhythmisch gestaltete Lochfassade mit ihren horizontal wie vertikal übereinandergelagerten Holzpaneelen, die sich von weitem zu einem überdimensionalen plastischen Flechtwerk ergänzen, das mühelos mit der auffallenden Gestaltung der nebenan gelegenen Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt konkurrieren kann.

Eine optimale Anbindung des Studentenwohnheims an die Stadt wird durch die nahe gelegene S-Bahnstation Wilhelmsburg ermöglicht. Direkt angrenzend soll in den kommenden Jahren die bislang den Stadtteil trennende Wilhelmsburger Reichsstraße verlegt werden und damit eine neue Siedlungsachse mitten im Quartier entstehen.

Modulbauweise
mit hohem Vorfertigungsgrad

Um den Bedürfnissen der Studenten nach maximaler Flexibilität entgegenzukommen und gleichzeitig eine minimierte Bauzeit zu ermöglichen, wurde der Neubau in Holz-Modulbauweise mit hohem Vorfertigungsgrad geplant:

„Die einzelnen Wohneinheiten kamen jeweils als fertige Kleinstappartements, also inklusive Fassade, Innenausbau, sämtlichen Installationen, kompletter Nasszelle und Kompaktküche per Tieflader fertig montiert auf die Baustelle“ , erklärt Projektleiterin Sibylle Bornefeld das Prozedere.

Ebenfalls bereits integriert waren die Holzfenster (Menck Klassik IV92 und IV68), ausgeführt entsprechend einem Schallschutzgutachten als dreifach verglaste Brüstungsfenster, als bodentiefe Fenster mit Prallscheibenkonstruktion sowie als bodentiefe Kastenfenster mit Schallabsorber. „Und auch die gesamte Möblierung mit Bett und Bettkasten, Einbauschrank und Regal, kleinem Küchenblock und ausklappbarem Küchentisch war bereits eingebaut“ , so die Architektin. Zu den wenigen Arbeiten vor Ort zählte anschließend das Verlegen der ausgewählten Kautschukboden-Fliesen noraplan uni.

Um eine optimierte Logistik auf der Baustelle zu ermöglichen, waren bei der Herstellerfirma, dem Vorarlberger Unternehmen Kaufmann Bausysteme, teilweise bis zu 50 Module gleichzeitig in Arbeit: „Insgesamt verarbeitete das Unternehmen etwa 3 800 m³ Fichten-, Tannen- und Lärchenholz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern in der Steiermark, um sämtliche Module zu fertigen“ , so Sibylle Bornefeld. Vor Ort wurden die einzelnen Module innerhalb von nur vier Monaten aufeinander gestapelt und technisch bzw. konstruktiv miteinander verbunden. Um eine angenehme Wohnatmosphäre in den Innenräumen zu schaffen und außerdem die Konstruktion des Gebäudes offenzulegen, haben Sauerbruch Hutton die konstruktiven Wände aus 12,5 cm dickem Massivholz bewusst holzsichtig belassen. Abschließend wurde die vorfabrizierte Holzfassade vorgehängt.

Nicht aus Holz gefertigt ist lediglich die anfänglich errichtete tragende Sockelkonstruktion aus Stahlbeton im Erdgeschoss, die die Lasten der sechs Etagen aus Holzcontainern abfängt und in die Fundamente leitet. Parallel wurden auch die Treppenhäuser und die Fahrstuhlschächte des Studentenwohnheims aus Stahlbeton errichtet, um so zur Aussteifung der Konstruktion beizutragen und die Windlasten abzufangen. „Im Zusammenspiel der verschiedenen Maßnahmen war es schließlich möglich, das Studentenwohnheim in nur elf Monaten Bauzeit fertigzustellen. Ein herkömmlich errichtetes Gebäude hätte mindestens 18 Monate Bauzeit benötigt“ , so Sibylle Bornefeld.

Gemeinschaftsbereiche

Ebenso durchdacht wie die einzelnen Wohneinheiten präsentiert sich auch das Konzept für die Gemeinschaftsbereiche. Das beginnt schon bei dem luftig gestalteten Eingangsbereich, der gleichzeitig als gemeinsames Wohnzimmer der Bewohner dient, in dem gespielt, gelesen oder gemeinsam ferngesehen werden kann. Im Erdgeschoss des Neubaus schließen sich Gewerbeflächen sowie überdachte Fahrradstellplätze an, zusätzlich stehen gemeinschaftlich nutzbare Waschmaschinen und Trockner bereit, die mithilfe einer App gesteuert und abgerechnet werden. Die Miete beläuft sich auf etwa 500 Euro, darin enthalten sind neben den Verbrauchskosten für Wasser, Heizung, Strom auch eine High-Speed Internetverbindung und die Nutzung eines überdachten (und überwachten) Fahrradstellplatzes und der Gemeinschaftsflächen. Für Hamburger Verhältnisse kann sich das durchaus sehen lassen.

Planung:

Sauerbruch Hutton, Berlin

www.sauerbruchhutton.de

Grundriss Erdgeschoss „Woodie“.
Zeichnungen: Sauerbruch Hutton
Typisches Regelgeschoss „Woodie“.
Zeichnung: Sauerbruch Hutton


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