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Die Nutzer im Blick

Neubau eines Büro- und Verwaltungsbaus in Dresden
Die Nutzer im Blick

Mehr Beteiligung statt enger Vorgaben. Nach diesem Motto agierte der Geschäftsführer der CES IT-Systemhaus GmbH in Dresden. So wurden die Mitarbeiter bei Grundfragen des Entwurfs ebenso mit einbezogen wie bei wichtigen Entscheidungen der Ausstattung. Entstanden ist dadurch ein Firmengebäude nach den Plänen oder besser unter der Regie von Heinle, Wischer und Partner.

Dipl. Ing. Marc Nagel

Gewerbebauten sind meist keine sehr spannenden Entwurfs- und Bauaufgaben. Zu verlockend ist die Möglichkeit, mit einem Baukastensystem eine ordentliche Funktionalität in einem passenden Kostenrahmen zu erhalten. Oder der Planer entscheidet sich für eine Black-Box mit standardisiertem und vielfach bewährtem Grundriss für wahlweise Büro-, Werkstatt- oder Labornutzung und macht sich so die Arbeit leichter.
Anders in Dresden: Dort entstand mit dem Neubau der CES IT-Systemhaus GmbH zwar äußerlich keine architektonische Sonderform, dafür aber eine Grundrissgestaltung, die sich an den Nutzern und nicht an der Nutzung orientiert. Möglich wurde dies, weil das junge Unternehmen aus Dresden von Anfang an die Firmenphilosophie des Miteinanders auch beim Entwurf berücksichtigte.
So wurden wesentliche Entwurfsfragen oder Planungen zur Gebäudeorganisation und zur Ausstattung eng mit den Mitarbeitern abgestimmt. Ein demokratisch-offenes Vorgehen, das bei so manch anderem Projekt egal welcher Größe ebenso wünschenswert wäre.
Lockere Umgebungsbebauung
Städtebaulich fügt sich der Neubau unauffällig in die lockere Umgebungsbebauung ein und hält einen in diesem Dresdner Gewerbegebiet üblichen Abstand zu seinen Nachbarn ein. Aufgewertet wird das Gebäude durch den zur Nordwestseite hin orientierten Garten, der sowohl das Grün der übrigen Parzellen als auch der nahen Schrebergarten-Anlage aufnimmt. Durch diese Maßnahme sowie die nahe Elbe, die in einem Bogen das gesamte Gebiet im Nordwesten von Dresden umfließt, dürfte der Standort der CES IT-Systemhaus GmbH attraktiv genug sein, um als zusätzliches Argument die begehrten Fachkräfte der IT-Branche zu halten bzw. für das Unternehmen zu gewinnen.
Der Baukörper selbst wirkt dabei weniger spektakulär. Mit einer anthrazitfarbenen Fassade und seinem Flachdach verkörpert er den Stereotyp des Büro- und Gewerbebaus. Lediglich die Fensterbänder und der großzügig gestaltete, voll verglaste und an der Südost-Fassade mittig platzierte Eingangsbereich verleihen dem Baukörper eine kleine Extravaganz. Dies vor allem auch, da der Eingangsbereich mit einem großen Sichtbetondach geschützt und zugleich markiert ist. Die Gestaltung der Fassade wurde nach Angaben der Architekten von einem Speicherchip inspiriert. Die Interpretation des für ein IT-Unternehmen wichtigen Bauteils führte zum Wechsel von geschlossenen Fassadenbereichen und transparenten Bändern. Sie erinnern an Leiterbahnen und werden durch das Anthrazit der Fassadenplatten unterstützt.
Fassade im Wechsel
Die geschlossenen Fassadenbereiche wurden mit Eternit Faserzement-Platten von Eternit des Typs Textura im Farbton Schwarz TA 001 verkleidet. Ober- und unterhalb der Fensterebenen setzten die Architekten von Heinle, Wischer und Partner Platten im Querformat 2 500 x 1 500 mm ein. Im Bereich der Fenster wurden die Platten zugeschnitten und hochformatig montiert. Dadurch belegen zwei Platten die gleiche Breite wie die darüber liegende große Platte und nehmen die Höhe der Fenster auf. Dieser Wechsel betont die Fensterebenen zusätzlich und nimmt dem Fugenbild der Fassade die Eintönigkeit. Die Textura-Platten verfügen dabei über eine Reinacrylatbeschichtung, die für einen leichten Abperleffekt sorgt und so die Fassade vor starker Verschmutzung schützt. Hinter der vorgehängten Fassade verbirgt sich eine Dämmschicht aus 16 cm dicken Rockwool Mineralwolle-Matten, die als einzige Dämmschicht zwischen den Fassadenplatten und der Stahlbeton-Konstruktion liegen.
Neben den dunklen Fassadenplatten von Eternit prägen die Fensterbänder das Aussehen der Gebäudehülle. Die bündig mit der Dämmebene eingebauten Profile FW 50 von Schüco verfügen über einen Ug-Wert von 1,1 W/m2K und einen Gesamt- U-Wert für die Fenster von 1,5 W/m2K und liegen somit in einem ordentlichen Wärmedämm-Bereich. Die Führung der Bänder um die Gebäudeecken wertet die Fassade zusätzlich auf. Dies wurde möglich, weil sie als Pfosten-Riegelkonstruktion angelegt wurden und so selbst eine statische Funktion übernehmen. Innerhalb der Bänder wechseln geschlossene Elemente und Öffnungsflügel in einem regelmäßigen Rhythmus.
Ein weiteres Fassadenelement fällt erst bei Dunkelheit ins Auge. So befinden sich, eingelassen in die Fassadenebene, am Ende der Fensterbänder Leuchtbalken. Diese wurden als Sonderanfertigung für dieses Projekt von der li’arde GmbH & Co. KG realisiert und leuchten in einem türkis-blauen Farbton, der sich auch an der Hauptwand des Eingangsfoyers wiederfindet.
Gestaltete Demokratie oder demokratische Gestaltung
Dass die Mitarbeiter des Unternehmens in den Gestaltungs- und Entwurfsprozess integriert wurden, hatte auch Einfluss auf die Grundrisse. Die Räume und die Übergänge zwischen den Räumen wurden offen angelegt. So entstanden große Einheiten statt der manchmal üblichen und auf Ausnutzung jedes Quadratmeters hin optimierten Bürokästen. Da sich die Mitarbeiter auch Kommunikationszonen wünschten, wurde auch dies berücksichtigt. Leider blieb von diesem Anspruch jedoch außer ein paar kleinen Sitzecken nur der Innenhof übrig, der sich über zwei Geschosse erhebt. Er ist hell und wurde mit drei Bergamotte-Bäumen und einer Holzbeplankung aufgewertet. Mit der angrenzenden Espressoküche hat dieser Bereich durchaus das Potenzial, Treffpunkt und Ort des Austauschs zu sein. Dies vor allem auch, weil man die Erschließung neben den Funktionsblock an der südlichen Seite des Gebäudes setzte und nicht in den Innenhof. Wäre dies der Fall gewesen, dann hätte der Innenhof schnell zum Transitort und nicht zum Aufenthaltsraum werden können.
Die gute Belichtung am Tag erhält der Innenhof über ein großes Oberlicht. Dieses wurde ebenfalls, wie die Fensterbänder, mit einem System von Schüco realisiert. Auch hier wurden Profile FW 50 mit einer Spannweite von 4,55 m eingesetzt. Der Einsatz von viel Glas ermöglicht auch an den nordwestlichen Besprechungs- und Veranstaltungsräumen die gewünschte Offenheit. Diese Räume sind vom Innenhof durch große Glasflächen getrennt, die im Erdgeschoss von Profilen des Systems 3400 und im Obergeschoss von solchen des Systems 2300 von Strähle gehalten werden. Beide Systeme zeichnen sich durch einen sehr guten Schallschutz aus. Zudem wirkt das nahezu rahmenlose Design des Systems 3400 dezent und elegant.
Angenehme Zurückhaltung
Die Klarheit der gläsernen Raumabtrennung zwischen Innenhof und Besprechungsraum im Erdgeschoss setzt sich auch bei der Materialität fort. Anthrazitfarbene Fassade, Profile in Anthrazit, weiße Wände und Decken sowie Handläufe, Türen und die Sitzbank im Innenhof mit heimischer Räuchereiche sind die einzigen Gestaltungsfarben und Hinweise auf diese angenehme Zurückhaltung.
Dass viele Details wie ein sauberes und wohl proportioniertes Fugenbild gelungen sind, lässt den Neubau des IT-Unternehmens aus Dresden zusätzlich in einem guten Licht erscheinen. Auch der Gedanke, dass zukünftige Nutzer bereits bei der Planung integriert wurden, ist charmant und versprüht einen sanften Hauch von Byker und Ralph Erskine in Dresden.
So zeigt das Firmengebäude von CES IT-Systemhaus durchaus, dass Büro- und Gewerbebauten spannende Projekte sein können. Statt Grundrisse aus der Konserve und einer Baukonstruktion aus der Systemkiste sind auch der zweite und der dritte Gedanke beim Entwerfen und Bauen möglich. Und selbst die Gesamtinvestitionssumme von 2,7 Millionen Euro für eine Bruttogrundfläche von 1 534 m2 lässt kaum ein Argument für eine langweilige Gebäude-Alternative aus dem vermeintlich kostengünstigen Baukasten.
Jens Krauße, Projektleiter, Heinle, Wischer und Partner: „Der Unternehmensphilosophie entsprechend hat der Geschäftsführer der CES IT-Systemhaus GmbH die Mitarbeiter bei der Planung des neuen Firmengebäudes von Beginn an bei allen Entscheidungen mit eingebunden. Entstanden ist dabei die Idee, ein Gebäude mit offenen Raumstrukturen und vielen Kommunikationsflächen zu entwickeln“
Architekten: Heinle, Wischer und Partner, Berlin
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