Studie untersucht Auswirkungen von Bauprojekten in Graz, Luzern und Wolfsburg

Stararchitektur und ihr Einfluss auf die Stadt

Kann Stararchitektur das Schicksal einer Stadt positiv beeinflussen? Dieser Frage sind Forscherinnen und Forscher der Technischen Universität München (TUM) nachgegangen. Anhand von drei Gebäuden in Graz, Luzern und Wolfsburg haben sie die Effekte von Stararchitektur auf die jeweiligen Städte untersucht.

Das Guggenheim-Museum  des Star-Architekten Frank Gehry ermöglichte es der Stadt Bilbao, sich neu ganz zu erfinden. Die Industriestadt war vom wirtschaftlichen Niedergang gezeichnet. Nach Eröffnung des Museum gelang der Stadt eine wirtschaftliche Neupositionierung: Sie wandelte sich zur kulturellen Metropole.

Viele Stadtplaner und Politiker erhoffen sich durch Stararchitektur ähnliche Effekte auf ihre Stadt. „Die Wirkung dieser Bauvorhaben wurde insbesondere für kleine und mittelgroße Städte bislang kaum untersucht“, erklärt Prof. Alain Thierstein vom Lehrstuhl für Raumentwicklung der TUM. Ein Team des Lehrstuhls, der HafenCity Universität Hamburg und der Technischen Universität Berlin hat daher drei Fallbeispiele untersucht: das Kunsthaus Graz ( Peter Cook und Colin Fournier), das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) (Jean Nouvel) und das Wissenschaftszentrum phaeno (Zaha Hadid) in Wolfsburg. Da diese Bauwerke bereits seit über 15 Jahren bestehen, können auch Langzeitauswirkungen beobachtet werden.

Positive Effekte, aber keine Neupositionierung
Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen analysierten das Zusammenspiel von wirtschaftlichen Faktoren, der Gestaltung der Gebäude und der gesellschaftlichen Effekte. Sie fanden heraus, dass die Projekte zwar positive ökonomische Effekte haben, wie zum Beispiel die Erweiterung der touristischen und kulturellen Angebote, diese aber nicht zu einer deutlichen Neupositionierung führen.

Einen kausalen Zusammenhang zwischen den ökonomischen Effekten der Projekte und den sozioökonomischen Veränderungen, etwa auf dem Arbeitsmarkt oder im Tourismus, konnten sie nicht feststellen. Auch seien nicht alle wirtschaftlichen Effekte sofort sichtbar, erklärt Dr. Nadia Alaily-Mattar, Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Raumentwicklung. „In Wolfsburg ist mit der Realisierung von phaeno das Selbstbewusstsein der Politiker und der lokalen Verwaltung gestiegen.“ Dieser soziale Effekt könne langfristig auch positive ökonomische Effekte auf die Stadt haben.

Die Architektur nicht vernachlässigen
In allen drei Fällen beobachteten die Forscherinnen und Forscher eine Verschiebung der räumlichen Relationen der Stadt. In Graz bildet das Kunsthaus eine Brücke, die zuvor getrennt wahrgenommene und sozial unterschiedlich bewertete Stadtteile verbindet. In Luzern verstärkt das KKL die Verschmelzung von Landschaft und Stadt. In Wolfsburg hatte das phaeno einen ähnlichen Effekt: Das Areal gegenüber vom Hauptbahnhof hatte zwar eine große Bedeutung für die Stadt, war aber eher unbelebt und unausgelastet. Durch das phaeno wurde es in die restliche Stadt integriert.

Diese strukturellen Veränderungen sind die nachhaltigsten Effekte der Projekte, betont Alaily-Mattar. Wirtschaftliche und sozio-kulturelle Wirkungen könnten oft temporär und vergänglich sein. „Morphologische Effekte sind eher stabil und weniger vom ‚Star-Faktor‘ abhängig. Das Bestreben von Stadtplanern und Politikern nach dem Erzielen einer Wirkung durch Stararchitektur darf den Beitrag der Architektur nicht vernachlässigen. Neben ökonomischen und soziokulturellen Effekten ist der Einfluss von Stararchitektur auf die Stadt auch räumlich.”