FIW-Studie zur Grauen Energie von Wohngebäuden

Primärenergiebedarf entscheidend für Energiebilanz

Die Studie des FIW anhand eines Einfamilien-Typengebäudes zeigt: Über einen Lebenszyklus von 50 Jahren gibt es bezüglich Grauer Energie mit den aktuell verfügbaren Daten keine signifikanten Unterschiede zwischen Holz- und Mauerwerkskonstruktionen. Dagegen spielt der Primärenergiebedarf für den Betrieb der jeweiligen Energieeffizienz-Häuser nach wie vor die entscheidende Rolle in der Energiebilanz. Bild: FIW München
Die Studie des FIW anhand eines Einfamilien-Typengebäudes zeigt: Über einen Lebenszyklus von 50 Jahren gibt es bezüglich Grauer Energie mit den aktuell verfügbaren Daten keine signifikanten Unterschiede zwischen Holz- und Mauerwerkskonstruktionen. Dagegen spielt der Primärenergiebedarf für den Betrieb der jeweiligen Energieeffizienz-Häuser nach wie vor die entscheidende Rolle in der Energiebilanz. Bild: FIW München

Eine Modelluntersuchung des Forschungsinstituts für Wärmeschutz e.V. München (FIW) für ein Einfamilien-Typengebäude zeigt: Bei der Energiebilanz eines Gebäudes spielt nach wie vor der Primärenergiebedarf während der Nutzungsphase die entscheidende Rolle. Sein Anteil ist im Vergleich zum Anteil der Grauen Energie deutlich höher und nimmt mit steigendem Nutzungszeitraum weiter zu, so die FIW-Forscher um Professor Andreas Holm.

Für ihre Untersuchung zur Grauen Energie von Wohngebäuden verglichen die FIW-Forscher  – auf der Basis ihrer Definition zur „Grauen Energie“ – fünf Wandkonstruktionen aus verschiedenen Mauersteinen und zwei Holzbaukonstruktionen. Die Analysen wurden für das Typengebäude Einfamilienhaus im EnEV 2016-Standard sowie des Bewertungssystems für nachhaltige Bauten des Bundes durchgeführt. Als Grundlage der Berechnungen dienten die öffentlich verfügbaren Daten der Baustoffdatenbank Ökobaudat, ergänzt um eigene Datensätze.

Keine signifikanten Unterschiede

Die Studie zeigt: Für die Bewertung der Grauen Energie ist nicht nur das Bauteil selbst, sondern dessen Rolle im gesamten Gebäudelebenszyklus entscheidend. Auf lange Sicht gibt es bezüglich der Grauen Energie keine signifikanten Unterschiede zwischen Holz- und Mauerwerkskonstruktionen. Mögliche Differenzen werden umso kleiner, je länger ein Gebäude steht.

Die Forscher können weder einen Baustoff uneingeschränkt empfehlen noch verwerfen. Vielmehr verweisen sie darauf, dass der ideale Baustoff in einem ausgewogenen Verhältnis hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und bautechnischer Aspekte stehe und auch weiteren Anforderungen wie Schall- und Brandschutz gerecht werden müsse.

Bauweisen sind keine Glaubensfragen

„Ich hoffe, dass die FIW-Studie zu einer Versachlichung der Diskussion über die energetische Bilanzierung von Gebäuden beiträgt“, kommentiert Ronald Rast, Geschäftsführer der DGfM, die Studienergebnisse. „Die Wahl einer bestimmten Bauweise ist keine Glaubensfrage. Die ideologische Überhöhung einzelner Bauweisen – zuletzt der Holzbauweise durch die Politik – ist kein Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele“, so Rast weiter. „Die aktuell noch sehr heterogene Datengrundlage kann ohnehin nur eine Orientierung und keine verbindlichen Aussagen zur Treibhausgasemission und Energiebilanzierung über den gesamten Lebenszyklus geben. Die wissenschaftliche Untersetzung der Daten ist für eine gesetzliche Förderung in der Vielfalt aller möglichen Bauweisen noch völlig unzureichend.“

Zudem könne die FIW-Studie helfen, überhaupt erst einmal eine verbindliche Definition des Begriffs „Graue Energie“ zu finden, welche es in Deutschland bislang nicht gebe. „Dies wäre im Hinblick auf eine Lebenszyklusbetrachtung im Rahmen kommender Klimaschutzgesetze wichtig“, so Rast.

Die Studie „Graue Energie von Einfamilienhäusern in Niedrigstenergie-Gebäudestandard“ (Forschungsbericht FO 2019-02) des FIW München finden Sie hier »

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