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Umgestaltung nationalsozialistisches Denkmal am Reeser Platz in Düsseldorf

Wettbewerb der Kunstkommission Düsseldorf
Künstlerkollektiv Ultrastudio gestaltet nationalsozialistisches Denkmal um

Das Künstlerkollektiv Ultrastudio hat mit seinem Entwurf „Those who have crossed“ den Wettbewerb rund um den Düsseldorfer Reeser Platz und das nationalsozialistische „39er Denkmal“ gewonnen.

Einen der meistdiskutiertesten Orte der Stadt ging die Kunstkommission Düsseldorf  mit ihrem Ideenwettbewerb an. Ziel war es, den Reeser Platz und das umstrittene „39er Denkmal“ von der historischen Festlegung zu befreien und einen neuen künstlerischen sowie freiraumplanerischen Umgang mit dem Ort zu finden.

Auseinandersetzung statt Ausblendung, Kommentierung statt Abriss, Perspektiv-Wechsel statt Festlegung: Der Gewinner-Entwurf „Those who have crossed” des Künstlerkollektivs Ultrastudio durchbricht die Aussage des Denkmals und setzt der historischen Architektur und ihrer Interpretation des auferstehenden Militarismus einen ganzheitlich erfahrbaren, naturgerichteten und raumöffnenden Blickwinkel entgegen.

Ultrastudio: Das 39er Denkmal weiterdenken

1939 von den Nationalsozialisten errichtet, ist das kriegsverherrlichende Monument aufgrund seines zeitlichen und inhaltlichen Kontexts als nationalsozialistisch einzustufen. Für Ultrastudio stellte dieses Projekt und die damit verbundene Herausforderung – nämlich eine zeitgemäße, pointierte städteplanerische Kommentierung des Reeser Platzes zu finden – eine Steilvorlage für die Zusammenarbeit dar.

Das junge Kollektiv, bestehend aus den drei Künstlern Lars Breuer, Sebastian Freytag und Guido Münch von Konsortium sowie Christian Heuchel (O&O Baukunst und rheinflügel), verbindet dabei nicht nur ihr ästhetisches Interesse, sondern auch die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem komplexen Zusammenspiel von Kunst und Architektur. Die Köpfe von Ultrastudio distanzieren sich von alten, auferlegten Denkweisen und befassen sich mit künstlerischer Wirksamkeit in Bezug auf den architektonischen Raum, denken diese neu und weiter.

Für den Siegerentwurf arbeitete das Kollektiv mit dem Kunsthistoriker und Kenner der Düsseldorfer Architektur, Jürgen Wiener, sowie Thomas Fenner von den Landschaftsarchitekten FSWLA zusammen. Diese Kooperation ermöglichte einen komplexen Entwurf, der sowohl städtebauliche Freiraumgestaltung sowie stadtgesellschaftlichen Nutzen berücksichtigt und die historische Architektur aktiv-kritisch kommentiert. https://www.bba-online.de/aktuell/meldungen/farbkonzept-koeln-iconic-award/

Der Umgang mit historischer Architektur

Die Neuinszenierung des Reeser Platzes reiht sich auch in die bundesweite Diskussion ein, wie mit Architektur aus der Zeit des Nazi-Regimes umgegangen werden kann.

Statt einer reinen baulichen Renovierung, die buchstäblich weiteren Nährboden für neue rechte Tendenzen und den Faschismus schafft, oder einem Abriss, der der Geschichte den Stempel des Vergessenwollens auferlegen würde, entschied sich Ultrastudio dafür, den historischen Kontext in eine zeitgenössische Interpretation zu überführen. Ohne erhobenen Zeigefinger fordert die architektonische Weiterentwicklung so zu einer perspektivveränderten Auseinandersetzung mit der historischen Zuweisung des Ortes auf.

Über den Entwurf

Zentrales Element von „Those who have crossed“ ist ein Weg, der sich über das Monument erstreckt, ohne dieses zu berühren. Der Weg fügt dem militaristischen Denkmal zum einen eine neue Sichtweise, zum anderen aber auch ein durchkreuzendes Motiv hinzu, das neue Blickwinkel zulässt.

Darüber hinaus setzt der Steg die sehr heterogenen Fragmente des Reeser Platzes miteinander in Beziehung: den streng symmetrischen Vorplatz mit dem Monument, eine wildwachsende Vegetationszone sowie die dahinterliegende Parkanlage mit Spielplatz.

Auf fundamentierten Betonstützen stehend, erhebt sich der Weg von einem grünen Hügel aus freischwebend über das Denkmal. Aus der erhöhten Position wird der Besucher nicht nur zu einem neuen Blick auf das Denkmal, sondern auch einem befreienden Blick über Teile der Stadt und die Natur eingeladen.

Die Wahrnehmung der gewaltgeprägten Architektur des Platzes wird so weder versteckt noch ausgeblendet. Im Gegenteil, sie wird neu sichtbar, aber auch überschreitbar gemacht. Die Macht, die von dem Monument ausgeht, wird aufgebrochen, der kritische Blick des Betrachters gestärkt.

Der Gruft-Thematik des Denkmals werden die buchstäblichen Lichtblicke in den Himmel und die Natur positiv entgegengesetzt. „Those who have crossed“ ist als baulich umsetzbarer Lösungsentwurf konzipiert und wurde durch die Beteiligung des Tragwerksplaners Prof. Klaus Fäth des osd in Frankfurt statisch ausgearbeitet. Die Realisierung wird mit rund 800.000 Euro veranschlagt.

Stimmen aus der Jury der Kunstkommission der Stadt Düsseldorf

„Der Aufmarschplatz vor dem Denkmal wird seines inszenierten Pathos beraubt, der seltsam platzierte Steg gibt Anlass zur Auseinandersetzung mit dem Platz. Aus der Vogelperspektive wiederum betrachtet erscheint das Denkmal wie durchgestrichen.“  

„Der Blick von oben auf das Denkmal entlarvt das von der Vorderseite mächtig wirkende Bauwerk als schmale Kulisse.“  

„Durch das Begehen des Steges erhebt man sich buchstäblich über das nationalsozialistische Denkmal.“  

„Der vorgeschlagene Hügel als Aufgang zur Brücke erhöht die Aufenthaltsqualität des Geländes um den Spielplatz und bereichert den Platz.“


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