Jean-Paul Viguier präsentiert vier ausgewählte Projekte zu seinem Manifest

Ausstellung „IntenCity“ im Aedes in Berlin

Die Ausstellung IntenCity im Aedes in Berlin zeigt u.a. Einkaufs- und Freizeitzentrum Confluence in Lyon. Bild: Jean-Paul Viguier et Associés / Takuji Shimmura
Lyon, Einkaufs- und Freizeitzentrum Confluence. Bild: Jean-Paul Viguier et Associés / Takuji Shimmura

Jean-Paul Viguier & Associés wurde 1992 in Paris gegründet und gehört zu den international erfolgreichsten Architekturbüros aus Frankreich. Einem globalen Ansatz folgend entwirft und entwickelt das Büro Projekte, die sowohl Architektur und Stadtplanung als auch Landschaftsgestaltung sowie Innenarchitektur umfassen. Ab 4. Mai 2019 präsentiert Jean-Paul Viguier im Aedes in Berlin sein Manifest „IntenCity“, illustriert durch vier ausgewählte Projekte. Ausstellungseröffnung ist am Freitag, 3. Mai.

Laut Prognose des Fachbereichs für Stadtplanung und Entwerfen der Harvard University werden im Jahr 2050  rund 70 Prozent  der Weltbevölkerung in Städten leben. Wie können Stadtplaner und Architekten in verantwortungsvoller Weise auf die wachsende Bevölkerung und die daraus resultierende Bevölkerungsdichte und „Intensität“ in den Städten reagieren?

Die spielerische Installation im Aedes erläutert das „IntenCity“-Manifest von Jean-Paul Viguier in vier Themenfeldern: „Historisch-Urbane Intensität“, „Architektonische Intensität“, „Landschaftliche Intensität“ und „Demografische Intensität“. Die Themen werden durch vier ausgewählte Projekte des Büros illustriert:

Die Ausstellungsinstallation beginnt mit der Erläuterung des Konzepts von „IntenCity“ und legt die wesentlichen Arbeitsmethoden und Prinzipien des Büros dar.

Das Manifest „IntenCity“ von Jean Paul Viguier

Etymologisch bezieht sich der Begriff „Intensität“ – in Abhängigkeit vom Kontext, in dem er verwendet wird – auf Maße und Mengen sowie Stärke und Kraft. Der Begriff der „Intensität“ wird hier als Maßstab auf die Architektur angewendet. Er bezieht sich im Wesentlichen auf historische, geografische, urbane und nutzungsbezogene Eigenschaften.

Viguier erklärt: „Das Konzept von ‚IntenCity‘ kann auf verschiedene Maßstäbe angewendet werden, die von einem multifunktionalen Gebäude über einen Stadtteil mit allen zentralen Funktionen einer Stadt bis hin zu einem ‚Fragment‘ der Stadt reichen können. Es umfasst die regenerativen Fähigkeiten eines gesamten Stadtgebietes nach denselben Prinzipien: Ökonomie einer Fläche, Multifunktionalität eines Projektes und die daraus resultierende städtische Dichte innerhalb eines gestalteten Landschaftsraumes, bei der schließlich alle Elemente des Projekts gleichzeitig realisiert werden.“

Viguiers Manifest wird in der Ausstellung am Beispiel folgender Projekte des Büros veranschaulicht:

Espace Claude Monet in Rouen (2012)

Das neue, multifunktionale Gebäude befindet sich nahe der Kathedrale von Rouen, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Das Raumprogramm umfasst Stadtwohnungen, Geschäfte, eine Galerie, Büros und eine öffentlich zugängliche Aussichtsterrasse. Überregionale Anerkennung erhielt das Projekt für die kontextbezogene Gestaltung der Fassade, die überwiegend aus einheimischem Naturstein besteht. Die massiven Wände dieses Hauptbaukörpers werden durch ein zweigeschossiges Volumen aus schwarzem Zink gekrönt, deren Terrasse dem Publikum einen Blick auf die Kathedrale und die Stadt ermöglicht.

Einkaufs- und Freizeitzentrum Confluence in Lyon (2012)

Das Projekt liegt auf dem ehemaliges Gelände eines Industriegebiets im Lyoner Stadtteil Confluence, wo die Saône in die Rhone fließt. Ein neu geschaffenes, gigantisches Dach überspannt das multifunktionale Projekt, das ein Parkhaus, Geschäfte, ein Kino, Restaurants und ein Hotel beinhaltet. Die wichtigste Zugverbindung führt hier direkt durch das Gebäude und verwandelt es dadurch in ein urbanes Markenzeichen, indem die Bewegung der Züge in die Stadtlandschaft integriert wird. Das neue zeichenhafte Gebäude und der neue Verkehrsknotenpunkt wirken als Generator, der diesem Teil der Stadt Lyon eine eigene, charakteristische Identität verleiht.

MUSE – Amphitheatre District in Metz (2018)

MUSE ist das pulsierende Herz des neuen Stadtviertels rund um das Centre Pompidou in Metz. Das Projekt bietet eine Vielfalt an unterschiedlichen Nutzungen für Wohnen, Gewerbe, Läden, Freizeit und Kunst. Der Entwurf besteht aus einer Gruppe von städtischen Wohnblocks mit verschiedenen Funktionen; auf der Straße wechseln sich Gewerbefassaden mit Eingängen zu Mehrfamilienhäusern ab. Über den Geschäften befindet sich ein sorgfältig angelegter Garten, der vom Erdgeschoss aus sichtbar ist und von den Mietern als private Terrasse genutzt wird. Durch die Nähe zum Centre Pompidou profitiert MUSE von der existierenden Kunst- und Kulturszene, repräsentiert zum Beispiel durch das monumentale Werk des Künstlers Julio Le Parc, das über der Eingangsrotunde hängt.

NEO-Europea Stadtviertel in Brüssel (2025)

Das NEO-Europea ist eine städtebauliche Neuinterpretation: ein landschaftlich-grüner Bezirk, der gleichzeitig einen Ort zum Leben und ein touristisches Ausflugsziel, mit Wohnen, Shopping, Bildung, Kunst und Sport, rund um das legendäre Brüsseler Atomium, bietet. Die moderate Gebäudehöhe wird am Rande durch einen 80 Meter hoher Wohnturm überragt, der den Blick auf die Umgebung und die  Sportplätze freigibt. Die Baumaterialien wurden so aufeinander abgestimmt, dass sie sich harmonisch in die Umgebung einfügen. Die Gestaltung der Außenräume wurde durch die Landschaftsarchitektin Kathryn Gustafson (Gustafson Porter+Bowman’s, London) konzipiert. Sie sind geprägt durch eine Folge von großen öffentlichen Freiflächen und einer Reihe von Wasserspielen mit integrierten Ruhezonen, Promenaden und Spielflächen für Kinder.

Auf einen Blick

  • Titel der Ausstellung: IntenCity
  • Dauer der Ausstellung: 4. Mai – 13. Juni 2019
  • Ausstellungseröffnung: Freitag, 3. Mai 2019, 18:30 Uhr
  • Veranstaltungsort: Aedes Architekturforum, Christinenstr. 18–19, 10119 Berlin
  • Öffnungszeiten: Di.–Fr.: 11:00–18:30 Uhr, So–Mo.: 13:00–17:00 Uhr, und Sa, 4.Mai: 13:00–17:00 Uhr
  • IntenCityDialogue (in englischer Sprache): Freitag, 3. Mai 2019, 16:30 Uhr
  • Veranstaltungsort: ANCB The Aedes Metropolitan Laboratory, Christinenstr. 18–19, 10119 Berlin

Zur Eröffnung sprechen:

  • Dr. h. c. Kristin Feireiss Aedes Architekturforum
  • Martha Thorne Geschäftsführende Direktorin, Pritzker-Architekturpreis, Madrid
  • Jean-Paul Viguier Architekt, Paris

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