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DAM Preis 2020 geht an David Chipperfield Architects

Neubau der James-Simon-Galerie in Berlin ausgezeichnet
DAM Preis 2020 geht an David Chipperfield Architects

Preisträger des DAM Preises 2020 ist der Neubau der James-Simon-Galerie in Berlin von David Chipperfield Architects. Seit 2007 werden mit dem DAM Preis für Architektur in Deutschland jährlich herausragende Bauten in Deutschland ausgezeichnet. 2020 wird der Preis vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) bereits zum vierten Mal vergeben.

Bei der James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel gelang den Architekten ein städtebaulicher Spagat. Es galt, an einer der prominentesten wie auch sensibelsten Stellen Berlins ein repräsentatives Eingangsgebäude zur Museumsinsel zu schaffen, das sich gleichzeitig der starken architektonischen Setzung des Ensembles aus Pergamon-, Neuem und Altem Museum, des Kupfergrabens und der inzwischen weitgehend fertiggestellten Rekonstruktion des Stadtschlosses ein- und unterordnet.


Stimmen aus der Jury

„Die schlichte Eleganz berührt in all ihrer Komplexität … Chapeau!“ (Dijane Slavic)

„Gemeinschaft, Atmosphäre und Permanenz verschmelzen in diesem Bauwerk. Gratulation zu der Beharrlichkeit und dem ehrwürdigen Beitrag zur Baukunst und Demokratie.“ (Christoph Hesse)

„Zukunftsfähig an der James-Simon-Galerie ist die Haltung der Architektur zum Stadtraum, zu den großartigen Bauten der Nachbarschaft, und die Kraft, daraus einen neuen Ort zu schaffen.“ (Peter Cachola Schmal)

„Mit dem langen Atem von zwei Jahrzehnten Planung ist den Architekten ein luxuriöses Gelenk und finales Passstück für die Museumsinsel gelungen.“ (Friederike Meyer)

„Eine meisterliche Gratwanderung zwischen heroischer und moderner Interpretation, die der großartigen, klassischen Museumsinsel einen neuen, frischen Auftritt verleiht.“ (Manfred Ortner)

„Mit Angemessenheit am historischen Ort und mit meisterlicher Sicherheit bis ins Detail wurde diese hochkomplexe Aufgabe bewältigt und ein Topos geschaffen, der sich in das kollektive Gedächtnis der Stadt einschreiben wird.“ (Stephan Schütz)

„Die James-Simon-Galerie ist wie Schostakowitsch: ein schwieriges Stück, meisterhaft gespielt.“ (Anne Kaestle)

„Die Gleichzeitigkeit von Pathos und Erhabenheit, von Bescheidenheit und Unterordnung an diesem einzigartigen Ort ist grandios.“ (Christina Budde)


James-Simon-Galerie, Berlin, von David Chipperfield Architects

Mit dem DAM Preis 2020 erhalten David Chipperfield Architects diese Auszeichnung bereits zum zweiten Mal: 2010 für das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel und nun für die James-Simon-Galerie am selben Ort. Der neue, sehr gelungene Stadtbaustein wurde mit großer Sorgfalt eingefügt zwischen die Bauten der klassischen Meister Friedrich August Stüler (Neues Museum, Alte Nationalgalerie), Karl Friedrich Schinkel (Altes Museum) und Alfred Messel (Pergamonmuseum).

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Bauherrin wusste, was noch fehlte im Ensemble der Museumsinsel, welche Funktionen übersehen worden waren oder noch nicht auf der Agenda standen im 19. Jahrhundert: ein genügend großer Museumsshop, Aufzüge, Garderoben und Toilettenanlagen für eine immer größer werdende Schar an kulturinteressierten Besuchern, ein Vortragssaal, ein Café und Restaurant sowie eine eigene allgemeine Wechselausstellungsfläche.

Das alles ist nun auf einer städtebaulich prägnanten Ecke am Kupfergraben untergebracht, wo früher der –  1938 abgebrochene – Neue Packhof von Schinkel gestanden hatte. Es sind drei räumliche Elemente, die die Komposition hauptsächlich ausmachen und ihr eigentliches, überraschend großes Volumen verbergen. Vom Kupfergraben und über die Eiserne Brücke kommend, erblickt man die unwirklich schlanke Pfeilerhalle, die über einem mächtigen Sockel über dem Kupfergraben schwebt. Hinter der Pfeilerhalle liegt die breite, dreifach geknickte Freitreppe, die zu dem Portalbau des oberen Eingangs führt. Und schließlich dockt ein ebenfalls von schlanken Stützen formulierter Innenhof im Erdgeschoss nahtlos an die Stülerschen Kolonnaden an, durch das Aufnehmen ihrer Proportionen und ihres Rhythmus. Dieser neue Innenhof verbindet die James-Simon-Galerie mit dem gegenüberliegenden Neuen Museum und dem noch lange im Bau befindlichen Pergamonmuseum. Im Erdgeschoss befindet sich das zentrale Foyer als Verteiler nach unten und oben oder in das große Auditorium, das in den Hohlraum unter die Freitreppe geschoben wurde. Im Untergeschoss wird eines Tages die Archäologische Promenade vier der fünf Museen miteinander verknüpfen. Oben auf der Terrasse der Galerie befinden sich das Café und Restaurant Cu29, dessen Interieur ebenfalls von David Chipperfield Architects gestaltet wurde.

Materialien und Ausführung sind exquisit gewählt und gefügt: im Inneren glatter Sichtbeton, der in Kontrast gesetzt ist zu einer transluzenten Marmorwand oder Furnieren aus dunklem Walnussholz, die Handlaufe und Beschlage aus Bronze, die Boden aus Muschelkalk. Draußen veredelt und unterstreicht ein Marmorzuschlag im Beton den strahlenden Charakter des neuen Baus.

Zu erwähnen ist noch, dass im vor zehn Jahren ausgezeichneten Nachbargebäude – dem Neuen Museum –  das prominenteste Exponat die Büste der Nofretete ist. Entdeckt wurde sie bei Grabungen, die der Berliner Unternehmer James Simon (1851–1932), finanziert hatte. Das neue Eingangsgebäude auf der Museumsinsel würdigt auch sein Mäzenatentum.


Mehr zum Thema

  • Die fünf Finalisten des DAM-Preises 2020 finden Sie hier »
  • Zur Webseite von David Chipperfield Architects gelangen Sie hier »
  • Zur Webseite des Deutschen Archikturmuseums gelangen Sie hier »
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