Dach+Holz International 2018 - Brandschutzplaner referiert über Brandschutz im Holzbau

Forum Dach+Holz International 2018

Brandschutzplaner referiert über Brandschutz im Holzbau

Dipl. Ing. Reinhard Eberl-Pacan, Brandschutzplaner aus Berlin, referiert bei der Dach+Holz 2018 über Brandschutz im Holzbau. Bild: Dach+Holz
Dipl. Ing. Reinhard Eberl-Pacan, Brandschutzplaner aus Berlin, referiert auf der Dach+Holz 2018 über Brandschutz im Holzbau. Bild: Dach+Holz

Brandschutz hat in den letzten zehn Jahren im Holzbau stark an Bedeutung gewonnen. Diesem wichtigen Thema widmet sich das Forum der Dach+Holz International am Freitag, 23. Februar 2018, in Köln. Zu Gast ist Dipl. Ing. Reinhard Eberl-Pacan, Brandschutzplaner aus Berlin, der über Teambildung im Holzbau und die Wichtigkeit der Zusammenarbeit im Bereich Brandschutz referiert (Forum, Freitag, 23. Februar um 14.30 Uhr).

Herr Eberl-Pacan, warum hat Holz in Bezug auf den Brandschutz einen schlechten Ruf?

Holz brennt. Der Abbrand von Holzstützen, Holzdecken oder Holzwänden ist zwar genau berechenbar, aber Holz leistet damit insbesondere bei extremen Brandereignissen einen zusätzlichen Beitrag zur Brandlast, der sich negativ auf das Brandgeschehen auswirken kann. In vielen Baugesetzen und Verordnungen werden daher nichtbrennbare Baustoffe für die Herstellung von Bauteilen mit Brandschutzanforderungen gefordert.

Wie sind Sie zum Brandschutz-Experten geworden?

Brandschutz hat in den letzten zehn Jahren beim Bauen extrem an Bedeutung gewonnen. Ich war in meinem „Leben davor“ Architekt und habe genau vor zehn Jahren beschlossen, mich als Architekt auf das Thema Brandschutz zu spezialisieren. Wichtig ist mir aber, dass dieser Brandschutz nicht die Entwurfsideen oder die Nutzung behindert. Wenn wir uns um Brandschutz kümmern, geht es uns darum, für Sicherheit zu sorgen. Dabei darf weder der Entwurf des Architekten verunstaltet noch die Nutzung des Gebäudes eingeschränkt werden.

Was für Projekte bearbeiten Sie in Ihrem Berliner Büro?

Wir haben schon bei der Bürogründung vor zehn Jahren den Fokus auf Brandschutz für Holzbauten gesetzt. Das war damals noch kein großes Thema, schon gar nicht im mehrgeschossigen Bereich. Da wir auf das Thema Brandschutz im Holzbau spezialisiert sind, bearbeiten wir inzwischen bundesweit Projekte, wie aktuell in Kochel am See, Detmold, München, aber auch einige Mehrfamilienhäuser oder Schulen in Berlin.

Sind es reine Holzgebäude? Wenn ja, Neubauten oder Aufstockungen?

Reine Holzbauten sind bisher relativ selten. In der Regel handelt es sich um hybride Konstruktionen mit einem gewissen Anteil an massiven Baustoffen oder an Stahl. Stahlbetontreppenräume oder Hybriddecken werden häufig aus Gründen der Statik und der Kostenersparnis eingesetzt, weniger aus Gründen des Brandschutzes. Holz als Baustoff stößt erst bei Brandwänden an gewisse Grenzen.

Auf der Dach+Holz International werden Sie im Forum einen Vortrag zum Thema Brandschutz halten. Worüber werden Sie sprechen?

Das Thema meines Vortrags lautet: „So schnell lassen wir uns nicht verkohlen. Wie der Brandschutz bei Industrie- und Gewerbebauten aus Holz möglich ist und sich rechnet.“

Wir haben festgestellt, dass beim Holzbau die Teambildung sehr wichtig ist. Holz ist ein sehr exaktes Material. Man kann sehr genau damit arbeiten und sehr viel vorbereiten – also in der Werkstatt vorfertigen. Aber dazu ist natürlich wichtig, dass alle an einem Strang ziehen und sich schon frühzeitig zum Beispiel mit Bauphysikthemen beschäftigen. Der Brandschutz gehört sehr wesentlich dazu. Da muss ein Team zusammenarbeiten. Dieses Team besteht aus den Architekten, den verschiedenen Fachingenieuren für Wärmedämmung, für Schallschutz, für Brandschutz, aber durchaus auch aus holzbauaffinen Praktikern, zum Beispiel aus Holzbau-Betrieben oder Zimmereien. Je früher man zusammenarbeitet, desto besser am Ende das Ergebnis. In meinem Vortrag werde ich versuchen, das ausführlicher zu beleuchten, um ein Bewusstsein für Teamarbeit zu schaffen.

Wie sieht es mit den Verarbeitern aus? Wie sieht die Zusammenarbeit im Idealfall aus?

Eine sehr frühe Zusammenarbeit mit den bauausführenden Firmen im Holzbau ist uns wichtig. So stellen wir schon während des Planungsprozesses sicher, dass die von uns erarbeitete planerische Lösung am Ende auch umsetzbar ist.

Darum stimmen wir wichtige Details sehr früh mit der ausführenden Firma ab. Im Bauprozess hierzulande geht man ja häufig noch davon aus, dass ich erst plane und mir dann die „billigste Firma“ für die Ausführung suche. Das ist beim Holzbau nicht unbedingt angezeigt, denn da geht es um Qualität. Ich muss mir bei einer Firma sicher sein, dass sie einen hohen Qualitätsstandard und viel Knowhow hat. Dann kann sie mich beim Planungsprozess unterstützen – und ich kann die Firma bei der Ausführung unterstützen.

Wieviel Wissen muss ein Holzbauer beim Brandschutz mitbringen?

Wichtig ist insbesondere das Verständnis dafür, dass die Anforderungen im Brandschutz mit der Höhe, der Größe und ggf. der Nutzung des Gebäudes steigen. Nicht alles, was im Einfamilienhaus schon immer gut funktioniert hat, kann auf mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser übertragen werden. Hier ist es wichtig, frühzeitig einen Brandschutzexperten mit entsprechender Erfahrung einzuschalten und ihm auch zu vertrauen.

Wie kann sich ein Zimmerer in diesem Bereich neben einem Messebesuch fit machen?

Leider werden im Bereich „Brandschutz für Holzbau“ meines Wissens noch keine Fortbildungslehrgänge angeboten. Allerdings bieten Architekten-, Baukammern, Brandschutzfirmen, ggf. auch Handwerkskammern, Seminare zum allgemeinen Brandschutz an. Wichtig dabei ist, dass man zuerst Fortbildungen wählt, die Grundlagen und Grundbegriffe des Brandschutzes vermitteln. Auch bei Holzbauveranstaltungen wie „Holz, Baustoff der Zukunft“ der Brandschutz Akademie Berlin kommen Brandschutzthemen zur Sprache.

Arbeiten Sie tendenziell immer mit denselben Firmen zusammen oder ergibt sich das je nach Projekt?

Welche Firma den Zuschlag bekommt, bestimmen in der Regel der Bauherr  und der Architekt. Wir sind natürlich offen für alle Baufirmen und auch alle Produktionsweisen wie Holztafelbau oder Holzmassivbau. Wir haben glücklicherweise auch schon sehr viele Lösungen für verschiedene Prozesse und Bauweisen entwickelt, so dass wir wirklich jeden bedienen können. Wenn jemand sagt, ich will einen Holzskelettbau errichten, dann haben wir dafür genauso brandschutztechnische Lösungen wie für den Holzmassivbau.

Sie haben es vorhin schon erwähnt, die Planung nimmt die Ausführung immer mehr vorweg. Welche Rolle spielt BIM aus der Sicht des Brandschützers?

Ich würde die weitere Entwicklung in diese Richtung sehr begrüßen. Was mir gut gefallen würde, wäre das Arbeiten an einem Gebäudemodell, sodass ich immer 1:1 in dieses virtuelle Gebäudemodell meine Brandschutzinformationen einbringen und permanent überprüfen kann: Gehen meine Brandschutzüberlegungen auf? Es ist ja heute oft so, dass man zu Beginn  eines Projekts den perfekten Brandschutz hat, aber dann während der Ausführung natürlich Änderungen stattfinden. Das erleben wir immer wieder, denn wir machen auch viele brandschutztechnische Bau- und Projektüberwachungen. Da werden auf der Baustelle Ad hoc-Entscheidungen getroffen, deren Auswirkungen oft nicht absehbar sind und die dann in der Folge zu großen Problemen führen. Da wäre das Gebäude als virtuelles Modell ideal, um all diese Punkte vorher schon auszuräumen und immer wieder dafür zu sorgen, dass das einzelne Teilgewerk stabil bleibt. Das sehe ich als eine große Chance für alle Beteiligten.

Im Hinblick auf die Messe: Welche Trends beobachten Sie momentan im Holzbau?

Ich denke, der Trend geht im Holzbau weg von den Einfamilienhäusern hin zum mehrgeschossigen Bauen mit Holz. Und vom Land in die Stadt. Auch der Sonderbaubereich wächst, zum Beispiel der Bau von Industrieanlagen oder Schulen. Das begrüßen wir natürlich sehr, dass Schulen jetzt oft in Holz gebaut werden, weil man einfach merkt, das ist für die Kinder und die Pädagogen ein tolles Material.

Herr Eberl-Pacan, besten Dank für das Gespräch!

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