Neubau der Unternehmenszentrale der Stadtwerke in Lübeck

Umweltbewusstsein kommunizieren

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Sie gilt als Europas größtes Bürogebäude in Holzbauweise im Passivhausstandard: Die neue Unternehmenszentrale der Stadtwerke Lübeck steht für Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit und gebaute Identität. Mit ihrem prägnanten Äußeren verkörpert sie die Philosophie des Energielieferanten, der Maßstäbe in der Energieerzeugung setzt und nun auch mit der Corporate Architecture seines Verwaltungsgebäudes.

Dipl.-Ing. Claudia Närdemann

Die Lübecker Stadtwerke versorgen rund 130 000 Haushalte und Unternehmen mit Gas, Wasser, Wärme, Internet und Telefonie. Um die bisherigen Betriebsstrukturen an einem Standort zu bündeln, sollte ein großer Neubau entstehen, der sowohl funktional als auch architektonisch exakt auf die Bedürfnisse der Stadtwerke zugeschnitten ist. Dabei lag der Fokus auf Nachhaltigkeit, sowohl bei der baulichen Umsetzung als auch bei der Nutzung. Flexible Grundrisse waren gefordert, die bei Bedarf künftigen strukturellen Änderungen angepasst werden können.
Das aus einem Teilnahmewettbewerb hervorgegangene Verhandlungsverfahren entschied die Ed. Züblin AG als Generalunternehmen für sich. In deren Auftrag erbrachte die pbr Planungsbüro Rohling AG die Genehmigungs- und Ausführungsplanung. Der Entwurf stammt von Klein Architekten aus Budenheim.
Gebaute Identität
Für 430 Mitarbeiter wurden 256 Büros, Konferenz- und Seminarräume, ein Service-Center und eine Kantine mit 120 Plätzen realisiert. Dabei stand neben funktionalen Aspekten vor allem die Gestaltung in Form von Corporate Architecture im Vordergrund. Ein groß dimensionierter Holzbau sollte es sein, der bereits auf den ersten Blick Nachhaltigkeit, Transparenz, Umweltbewusstsein und damit die Leitlinien des Energieunternehmens nach außen kommuniziert.
Schon von weitem fällt der imposante viergeschossige Holzbau ins Auge. Der Komplex besteht aus zwei Gebäuden, die jeweils in L -Form ausgeführt sind und zusammengefügt ein Viereck mit einem großzügigen Innenhof ergeben. Den größten Durchmesser haben die L -förmigen Gebäudeteile jeweils in den Eckbereichen. Die Schenkel verlaufen nicht parallel, sondern verjüngen sich, so dass hierdurch, sowohl im Grundriss als auch in der Fassade, eine spannungsreiche Dynamik entsteht, die einen Kontrast zur schlichten Kubatur des Gebäudes bildet. Die abgerundeten Gebäudeecken und die lebendig strukturierten Fassaden verstärken diese Wirkung und ergeben zusammen mit dem dahinterliegenden Gasometer ein stimmiges Bild.
In der straßenseitigen Fassade markiert eine gebäudehohe Fensterfront in Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Brettschicht-Holz eindrucksvoll den Haupteingang. Im rückwärtigen Bereich befindet sich in der Lücke zwischen den beiden L -förmigen Baukörpern eine große, außenliegende Wendeltreppe. Die Verbindung zwischen den Gebäuden wird durch Stege aus Stahl geschaffen, die zusammen mit der Treppe für eine Erschließung aller Geschosse sorgen.
Dynamische Ansichten
Durch ihre Gestaltung und die verwendeten Materialien visualisieren die lebendig strukturierten Fassaden das umweltbewusste Leitbild der Stadtwerke. Glas, Holz und grüne Elemente bestimmen die Ansichten des Gebäudes. Für die Fassade kam „Leno-Brettsperrholz“ von Züblin Timber zum Einsatz. Die massiven, großformatigen Brettsperrholz-Bauelemente aus kreuzweise verleimten Fichtenlamellen wurden auf die gewünschten Maße produziert und mittels vollautomatischer CNC-Maschinen millimetergenau zugeschnitten.
Graue Fensterbänder gliedern die Holz-Fassade. Zwischen den Fenstern lockern unterschiedlich breite, grüne Platten das Fassadenbild auf und schaffen lebendige Ansichten. Hier wählten die Planer die hochstabile, witterungsbeständige HPL -Fassadenplatte von Trespa „Uni Colours Trespa Meteon“ in der Farbe lime green. Es handelt sich dabei um eine Hochdruck-Schichtpressstoffplatte mit integrierter Oberfläche. Passend zum Entwurf sind auch die Fenster nicht von der Stange: Die Holz-Aluminium-Fenster wurden als Sonderanfertigungen bei Meralux in Auftrag gegeben. Außen bestehen sie aus pulverbeschichtetem Aluminium, innen aus Fichtenholz natur, matt lackiert. Die Passivhausfenster verfügen über eine hochwärmedämmende Dreifach-Verglasung. Im Werk wurden die Fensterelemente komplett fertiggestellt und vor Ort als eine Einheit montiert.
Transparenz auch innen
Die offene Holzkonstruktion in Kombination mit viel Glas schafft im Inneren eine helle und warme Atmosphäre. Holz wird hier nicht rustikal erlebt, sondern modern und ursprünglich zugleich. Beim Betreten des Haupteinganges öffnet sich das Gebäude nach oben hin in seiner ganzen Dimension. Im Bereich des Foyers wurden keine Decken eingezogen, wodurch die komplette Gebäudehöhe und die Konstruktion erlebbar sind. Filigrane Stahlbrücken verbinden hier die Geschosse beider Gebäudeteile.
Sowohl Büros als auch halböffentliche Bereiche, wie das Mitarbeiterrestaurant und die großzügigen Versammlungsräume, befinden sich im Erdgeschoss. In den Obergeschossen sind überwiegend Büroräume untergebracht, die entlang der Außenwände verlaufen. Dabei bieten die geräumigen Eckbereiche adäquaten Raum für repräsentative Büros, Besprechungszimmer und Schulungsräume.
Die Mittelzonen zwischen den Büroräumen dienen als offene Meeting Points, die je nach Bedarf genutzt werden können. Technisch sind sie so ausgestattet, dass aus einem spontanen Meeting schnell eine effektive Zusammenarbeit entstehen kann, ohne die Räumlichkeiten wechseln zu müssen. Offene und geschlossene Bereiche werden durch Glaswände getrennt, die die Kommunikation fördern und in den zentralen Zonen für Licht sorgen. Auch hier wird Transparenz groß geschrieben.
Als besonderes gestalterisches Element, das die Innenräume nach oben hin strukturiert und zugleich bis auf die Holzdecke blicken lässt, kam das abgehängte Akustik-Deckensegel „LMD DS 320“ von Lindner in Lobby, Innenzonen, Konferenzbereichen Mensa und Fluren zum Einsatz. Die frei im Raum schwebenden Segel bieten nicht nur gestalterisch, sondern auch funktional Vorteile: Sie verbessern die Akustik in den Räumen und sorgen hier auch für Licht. Denn durch eingebaute LEDs werden aus den Deckensegeln einzigartige Leuchten, die eine besondere Atmosphäre erzeugen.
Mit der Umsetzung des Entwurfes gelang es den Architekten der pbr Planungsbüro Rohling AG, ein signifikantes Verwaltungsgebäude im Passivhausstandard zu errichten, das als unverwechselbares Aushängeschild den Kern des Unternehmens nach außen transportiert. Die Anforderungen des Bauherrn sind erfüllt: Neben dem Schaffen einer neuen repräsentativen Adresse und der damit verbundenen Optimierung des Arbeitsumfeldes wurden sämtliche Umweltziele erreicht.
Dipl.-Ing. Architekt Michael Bracke: „Obwohl die Entwurfsplanung bereits abgeschlossen war, haben wir insbesondere im Bereich der Fassade noch während der Ausführungsplanung individuelle Detaillösungen in enger Zusammenarbeit mit den ausführenden Firmen entwickelt, so dass schließlich dieses prägnante Fassadenbild entstand.“
Entwurf:
Klein architekten, Winfried Klein, Budenheim wwwww.klein-architekten.infoGenehmigungs- und Ausführungsplanung:
pbr Planungsbüro Rohling AG, Osnabrückwwwwww.pbr.de
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