Neubau einer Feuer- und Rettungswache in Frankfurt

Rot mit Anspielungen

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Die Feuer- und Rettungswache 21 in Frankfurt ist ein Massivbau mit einer Betonsandwichkonstruktion. Dabei würdigt das Material- und Farbkonzept mit der rötlichen Waschbeton-Fassade und entsprechend gestalteten Innenräumen den besonderen Genius Loci: Die von Kölling Architekten konzipierte Feuerwache steht auf historischem Boden.

Die neue Feuerwache befindet sich auf einem Areal, wo Überreste der altrömischen Stadt Nida ausgegraben wurden. Das komplexe Raumkonzept des Neubaus wird den anspruchsvollen Anforderungen des 24-Stunden-Betriebs einer Feuerwehr mit Rettungsdienst in vollem Umfang gerecht. „Bei Feuerwehrgebäuden steht die Funktion an erster Stelle, und es braucht kurze Wege für den Einsatzfall sowie eine optimale Erschließung“ , sagt Architekt Moritz Kölling. Das begann bei Positionierung des Gebäudes auf dem Grundstück, für die auf kreuzungsfreie Verkehrswege und ausreichend große Stauraumflächen vor den Fahrzeughallen zu achten war und setzt sich im Inneren fort: „Die Raumgrößen in einer Feuer- und Rettungswache sind durch das Standardprogramm der Feuerwehr Frankfurt am Main und die DIN vorgeschrieben und fallen sehr unterschiedlich aus. Auch die Anforderungen an Belichtung, Abmessungen, Nutzung und Technik variieren.

Die Kunst liegt bei einem primär funktionalen Innen- und Außenleben für den Architekten darin, einen städtebaulich stimmigen Baukörper mit passender Eingangssituation und guter Fassade zu gestalten“ , erklärt Moritz Kölling.
Topografie zu Nutze gemacht
Bei der Feuerwehrwache 21 (BW 21) stellte das beengte Grundstück mit umgebendem Grünraumstreifen die Architekten vor eine zusätzliche Herausforderung. Die Topografie inklusive Höhenunterschied von 6 m machten sich die Architekten jedoch einfach zu Nutze: Das Gelände wurde terrassiert und das dreigeschossige Gebäude mit einem Geschoss in die Böschung eingegraben. So brachten sie das komplexe Raumprogramm auf dem länglichen, schmalen Baugrund unter. Es entstand Raum für zwei Fahrzeughallen mit fünf Feuerwehr- und drei Rettungsdienstfahrzeugen sowie Dienst- und Ruheräume.
Zwei höhenversetzte Hofbereiche sind über Rampenanlagen miteinander als Gebäudeumfahrt verbunden. Die Funktionsräume der Feuer – und Rettungswache gliedern sich um die beiden versetzten Fahrzeughallen. Ein gemeinsames zentrales Treppenhaus erschließt alle Funktionsbereiche. Der Baukörper wird durch die großen Tore der Fahrzeughallen und horizontale Fensterbändern strukturiert. Die Auskragung der Büroräume im Osten und ein Einschnitt eines Außenbereichs im Westen gliedern das Gebäude skulptural und nehmen ihm die optische Schwere.
Bevor auf dem Areal gebaut werden durfte, mussten archäologische Grabungen vorgenommen werden: Unter der Erde befanden sich Überreste der Befestigungsanlage bzw. des Nordtors von Nida und weitere bedeutende Relikte aus dem 3. Jahrhundert. Die einstige Hauptstadt der römischen Wetterau galt rund 1700 Jahre als verschollen. Nun musste eine moderne Feuerwehrwache mit ihren Funktionalitäten behutsam in diesen historischen Ort gesetzt und auch optisch mit der geschichtsträchtigen Region verortet werden.
Optimal gedämmt und brandgeschützt
Die Feuerwache ist eine Konstruktion aus Betonsandwichelementen, C 35/45. „Diese Elemente bestehen aus einer 20 cm starken konstruktiven Tragschicht aus Stahlbeton, einer 18 cm starken Wärmedämmschicht aus PUR-Hartschaum sowie der 10 cm starken Betonvorsatzschicht“, erläutert Dirk Nagel, Werk- und Montageleiter beim Betonfertigteilwerk Faber & Schnepp.
Für die Betonfertigteilelemente wurde die Fassadenvorsatzschicht im Werk gegossen und anschließend eine Trennschicht eingebracht. Sie verhindert das Einlaufen der Betonschlämme in die Stoßfugen der Wärmedämmung. Nach Einbringen der Sandwichplattenanker und der Wärmedämmschicht auf der Vorsatzschale wurde die Tragschicht aus Beton zusammen mit der aufgebrachten Bewehrung betoniert. Die Fundamente wurden in Ortbeton hergestellt, die Bodenplatte als WU-Bauteil vor Ort gegossen. Alle Betonwände wurden in Elementbauweise hergestellt, die Deckenplatten in Ortbeton gegossen.
„Hierbei war eine besonders umsichtige Planung der Fugendetails zwischen den Elementen sowie der Anschlüsse an die Fenster und Türen entscheidend. Denn sonst stellen sich die Bereiche als Schwachstellen in der Konstruktion heraus“ , erläutert der Architekt.
Energiekonzept
Von den positiven Eigenschaften der mehrschichtigen Betonsandwichelemente – großer Wärmedurchlasswiderstand bei geringer Bautiefe sowie gute Schall- und Brandschutzeigenschaften – profitiert auch die Energiebilanz: Das Nichtwohngebäude weist eine um 30% bessere Energieeffizienz auf als von der EnEV (2014) vorgeschrieben.
Das hochgedämmte Gebäude wird durch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung teilbelüftet. Die Lüftungsanlage kann vom Nutzer in außenliegenden Räumen mit Fenstern abgeschaltet werden. Eine freie Lüftung wird in den Fahrzeughallen angesetzt. Die Hallen wurden im Nachweisverfahren mit einer Temperatur von 12 C° angesetzt und in die thermische Hülle als niedrig beheizte Zonen (DIN 18599) mit einbezogen. Ein Fernwärmeanschluss deckt Heizung und Trinkwassererwärmung ab. In Teilbereichen wird eine Kühlung über Kältekompressionsanlagen eingesetzt.
Durch das Rot von Nida verortet
Beim Farbkonzept für die Waschbeton-Fassade und die Innenräume gibt das „Nidenser Rot“ der antiken Ausgrabungsstücke und Scherben den Ton an. Die Fassadenelemente erhalten durch eine leichte rötlich-braune Pigmentierung und einen kleinteiligen Steinzuschlag eine lebendig strukturierte Oberfläche im warmen Erdton. Die Farbgebung in Kombination mit der strukturierten Oberfläche des Waschbetons verortet den Neubau auf dem historischen Umfeld der ehemaligen römischen Töpferei; er wirkt geerdet. Für diesen Effekt wurden dem Waschbeton die Farbpigmente Braun und Schwarz beigemischt sowie eine Einstreuung aus Vulkanstein in gebrochenem Grau-Rot in verschiedenen Korngrößen (55%) sowie Mainsand (45%). Abschließend wurde die Fassade hydrophobiert. So bleibt der Waschbeton unempfindlich für Verschmutzung.
Um den passenden Farbton zu finden, fertigte das Betonfertigteilwerk nach einer Vorlage der Architekten zunächst einige 40 cm x 40 cm große Fassadenmuster an. Dabei orientierte man sich auch an verschiedenen Fundstücken des Geländes wie etwa Scherben oder Gefäßen. „Anhand dieser Muster haben wir den Farbton bzw. die Intensität der Betonpigmentierung sowie die Steinzusammensetzung kontrolliert und nach zehn Mustern definitiv festlegt“, so Moritz Kölling. „Bei der Herstellung des Musterelements in 2 m x 2 m Größe mussten wir die Steinzusammensetzung nochmals anpassen: Beim Gießen des Elements entmischten sich der hohe Sandanteil und der geringe Anteil an Steinzuschlag, was zu einer fleckigen Oberfläche führte.“ Im Fertigteilwerk erarbeiteten die Architekten mit den Verfahrenstechnikern die ideale Mischung. Dafür wurde der hohe Sandanteil durch eine entsprechende Menge sehr kleinen Steinzuschlags ersetzt. Dadurch wirkte der geringe Anteil großer Gesteinskörnung immer noch wie „gefunden und zufällig eingestreut“ , was beabsichtigt war – sollte diese Optik doch an die historischen Funde auf dem Grundstück erinnern.
Architekten (Leistungsphasen LPH 1-4 und 6-7, teilw. 5+8, Brandschutzkonzept, Wärmeschutznachweis):
Kölling Architekten BDA, Bad Vilbel
TGA-Planung:
Feral Ingenieur- und Bauleistungsgesellschaft mbH, Frankfurt am Main
Tragwerksplanung:
RSP Remmel + Sattler Ingenieurgesellschaft mbH, Frankfurt am Main
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