Neubau eines Bürogebäudes in Potsdam

Ideenfördernd

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Der Neubau für SAP verbindet moderne Architektur mit neuen Raumkonzepten und schafft damit attraktive Voraussetzungen für eine Arbeitsstätte der Zukunft. Konstruktive Betonelemente, teils in Sichtbeton, treten gestaltprägend in Erscheinung, woraus der Charakter einer Werkshalle resultiert, die jedoch eine beachtenswerte Aufenthaltsqualität aufweist.

Dr.-Ing. Nikolai Ziegler | be

Die Entwicklung zukunftsfähiger Ideen setzt eine angemessene Umgebung voraus. Nach diesem Leitsatz und den daraus abgeleiteten Parametern Kreativität, Flexibilität, Transparenz und Innovation ließ SAP sein Innovation Center 2.0 in Potsdam gestalten. Es gilt nicht nur für das Unternehmen SAP und dessen Softwareentwicklung als ein besonderer Ort. In exponierter Lage am Potsdamer Jungfernsee gelegen, realisierte das Stuttgarter Architekturbüro Scope ein außergewöhnliches Konzept, das für moderne Arbeitsstätten als Vorbild dienen kann. Um Produkte mit der Agilität eines Start-Ups und dem Hintergrund des Weltmarktführers entwickeln zu können, galt es, eine entsprechende Architektur zu entwerfen. Für 160 Mitarbeiter entstanden auf 5 400 m² Arbeitsplätze, die zur Inspiration neuer Ideen beitragen, optimale Bedingungen für teambasiertes Arbeiten bieten und zu innovativen Arbeitsmethoden anregen sollen.
Grundriss als Kommunikationsbasis
In seiner äußeren Erscheinung passt sich der neue, viergeschossige Glaskubus mit umlaufenden Balkonen dem Bestand an, für dessen Innenarchitektur Scope sich ebenfalls verantwortlich zeigte. Geprägt wird der Baukörper jedoch durch die rautenförmige Struktur der geneigten Stützen, die das orthogonale Linienbild der Glasfassade in zahlreichen Diagonalen auflösen. Betritt man das Gebäude über den Haupteingang, öffnet sich der Raum in Form eines großen Atriums. Einerseits erinnert der Innenraum an eine industrielle Werkhalle, andererseits lenkt auch eine begrünte Wand, die sich vertikal über drei Etagen entwickelt, die Blicke auf sich. Direkt dahinter befindet sich eine Cafeteria mit Seeblick.
Um den Kern gliedern sich Workshop- und Besprechungsräume sowie die große Design-Thinking-Fläche. Unter „Design Thinking“ versteht SAP das Erfinden als Methode. Im ständigen Austausch entstehen in kleineren Arbeitsgruppen neuen Ideen, die anschließend gezielt weiterentwickelt werden. Um eine spontane Arbeitsweise und den Austausch der Kollegen zu fördern, hängen verschiebbare Whiteboards von der Decke. Eine Vielzahl der Räume ist durch diese flexiblen Trennwände teil- oder erweiterbar. Sämtliche Möbel, selbst die größeren Sitz-Tribünen, befinden sich auf Rollen, um das agile Arbeiten zu unterstützen. Zum Konzept des Gebäudes erklären die Architekten: „Die non-linearen Arbeitsabläufe der Zukunft verlangen einen Wandel von der industriellen zur intelligenten Fabrik. In einer Gesellschaft deren Arbeit immer weniger an Ort und Zeit gebunden ist, gewinnt das Büro als Ort der Kommunikation, des Treffens und der Kollaboration immer mehr an Bedeutung.“
Einläufige Treppen aus Sichtbeton, schwarzem Stahl und Stufen aus Eichenholz verbinden die Geschosse miteinander. Die einläufigen Treppen enden jeweils in Galerien, die Kommunikations- und Aufenthaltszonen darstellen. Der Luftraum mit seinen vielfältigen Verbindungen verdeutlicht den architektonischen Anspruch, Kommunikation als wesentlichen Bestandteil einer lebendigen Unternehmenskultur erlebbar zu machen. In den Obergeschossen liegen um den Kern angeordnet ebenfalls flexible und durch großflächige Verglasungen vom Atrium abgetrennte Büroflächen. An den Gebäudeecken befinden sich die „Micro-Meeting-Räume“ sowie die sogenannten „Think Tanks“, kleine, schallgeschützte Bereiche für Telefonate, zwei-Mann-Konferenzen oder Personalgespräche. Im dritten Obergeschoss öffnet sich das Atrium zu einer größeren Kommunikationszone, die sich in einer Dachterrasse fortsetzt. Auch dieser ausblickreiche Ort soll, vor allem im Sommer, einen erweiterten Arbeitsplatz darstellen. Abgehängte Sitzschaukeln, Sitzbänke und Sofas dienen dazu, unterschiedliche Arbeitstechniken zu fördern.
Gestaltgebende Betonbauteile
Im gesamten Gebäude wird der Industriecharakter roher Betonwände, Estrichböden und sichtbarer Installationen aufgrund der Holzmöbel durch einen wohnlichen Charme ergänzt. Das gewünschte Konzept aus Offenheit, Miteinander und Flexibilität findet somit zur architektonischen Umsetzung.
Außen wie innen treten Betonelemente gestaltprägend und markant in Erscheinung. Während sich dieser Werkstoff sonst kaum sichtbar zur Schau stellt, überraschen im Potsdamer Innovation Center selbst Sonderbauteile in hochwertiger Qualität und Verarbeitung.
Entsprechend der Klassifizierung für Sichtbeton „SB 1–4“ wurden sämtliche Wände des Gebäudes in SB 3 (Sichtbetonflächen mit hohen gestalterischen Anforderungen), die Decken in SB 2 (Sichtbetonflächen mit normalen gestalterischen Anforderungen) in Ortbeton ausgeführt. Für die Decken kam Beton der Güteklasse C 45/55, bei den Wände C 30/37, jeweils unter Zugabe von Flugasche zum Einsatz. Im Frischbeton verbessert diese die Fließfähigkeit, Verarbeitbarkeit, Pumpbarkeit und Verdichtungswilligkeit.
Im Festbeton bewirkt Flugasche eine verbesserte Nacherhärtung, erhöht sowohl die Endfestigkeit als auch die Dichte des Gefüges und vermindert die Reißneigung.
Als Formelement der Wandbauteile fand die Rahmenschalung „System Maximo“ , für Rundungen die Schalung „Rundflex“ , beide von Peri, Verwendung. Die Decken wurden mit der Paneelschalung „Skydeck“ , ebenfalls von Peri realisiert. Um die geforderte Qualität zu erzielen, wurden einige Decken im Nachgang mit Betonkosmetik behandelt und teilweise geschliffen. Das Gewicht der Horizontalplatten konnte gering gehalten werden, da die Decken mit Hohlkörpereinlagen von Cobiax Technologies ausgeführt wurden. Die patentierte Technologie von Cobiax ersetzt den massiven Betonkern im Inneren einer Stahlbetondecke mit einem Hohlkörper und ermöglicht damit eine erhebliche Gewichtsersparnis des Bauteils. Bei voller statischer Leistung resultiert daraus, Gebäude flexibler, materialeffizienter und nachhaltiger realisieren zu können.
In einer Kombination verschiedener Herstellungstechniken entstand das gestaltprägende, rautenförmige Tragwerk des Innovation Centers. Die aus Sichtbeton-Fertigteilen vorproduzierten Stützenstäbe wurden am Bauwerk jeweils auf einem in Ortbeton erstellten Sockel gegründet. Zur Herstellung der Stützen diente Beton der Klasse C45/55 – XC4/XF1/WF.
Neben den Stützen-Stäben wurden auch die Treppenläufe und auskragende Balkonplatten als Sonderbetonteile hergestellt und vorgefertigt angeliefert. Die Herstellung der Fertigteile übernahm die Sonderbetonteilwerk GmbH & Co. KG in Greifswald. Vorgefertigte Elemente für untergeordnete Bauteile wie Lichtschächte, Stellwände und Außenanlagen produzierte das Betonfertigteilwerk Hieber.
Neben dem konstruktiven Einsatz von Beton fand der Werkstoff auch in leicht abgewandelter Form als Bodenbelag Verwendung: Für den Aufbau der Fußböden wurde Sichtestrich von der Horst Buschmann Bauunternehmen GmbH ausgeführt. In seiner Optik und Haptik fügt sich der Boden damit in die einheitliche Gestaltung des Bauwerks.
Architekten:
Scope Architekten, Stuttgart
Hersteller
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