Neubau eines City-Pavillons in Roosendaal

Neue Mitte

In der niederländischen Stadt Roosendaal wurde ein neues Parkdeck unter dem zentralen Marktplatz gebaut. Den Eingang zur Tiefgarage gestaltete Architekt René van Zuuk als ovalen Pavillon aus Holz. Im markanten Neubau stehen neben Cafés und Restaurants auch Büros und Läden zur Verfügung, das Oberdeck lässt sich für Veranstaltungen nutzen.

Robert Uhde

Die rund 80 000 Einwohner zählende, direkt an der Grenze zu Belgien gelegene südniederländische Stadt Roosendaal gilt mit ihrem verbauten Zentrum nicht gerade als touristisches Kleinod. 2001 hatte die Stadt immerhin entschieden, ein großes, zweigeschossiges Parkdeck unterhalb des Neuen Marktplatzes zu bauen, um so den Autoverkehr aus der Innenstadt verbannen und die zuvor recht kleine Fußgängerzone erweitern zu können. Den daraufhin durch die Stadt ausgeschriebenen städtebaulichen Ideenwettbewerb zur Neugestaltung des Platzes hatte schließlich das Rotterdamer Landschaftsplanungsbüro Atelier Quadrat für sich entschieden. Die Planung der Architekten sah als wichtigstes Element einen ovalen Pavillon mit Restaurant und Café vor. Trotz des vorliegenden Entwurfs geschah die nächsten vier Jahre jedoch zunächst nichts. Erst 2005 ließ die Stadt einen Investorenwettbewerb ausschreiben, der schließlich auch den seinerzeit vorgeschlagenen Pavillon als zentralen Baustein umfasste.
Mit der Umsetzung des lange angedachten Projekts wurde schließlich René van Zuuk beauftragt. Der Architekt aus Almere zählt seit Jahren zu den gefragtesten Planern in den Niederlanden. Ob beim biomorphen Neubau des Amsterdamer Architekturzentrums Arcam, seinem futuristischen Kunstpavillon „De Verbeelding“ in Flevoland oder seinem dynamisch gewellten Wohnblock „The Wave“ in Almere – immer wieder überzeugt er dabei mit überraschenden Entwürfen, die offensichtlich die Gesetze der Schwerkraft zu überwinden scheinen. Für den Entwurf des Pavillons in Roosendaal blieben Van Zuuk allerdings trotz der langen Vorlaufzeit letztlich nur fünf Wochen Zeit, um einen fertigen Entwurf zu präsentieren. Der Standort und die Form des Pavillons orientieren sich daher zwangsläufig in weiten Teilen an dem Entwurf, den die Planer vom Atelier Quadrat vier Jahre zuvor vorgestellt hatten.
Begehbares Dach
Seit kurzem ist der organisch geformte, fast durchgehend mit Holz verkleidete Pavillon nun endlich eröffnet worden. Um die Attraktivität des zentralen Platzes zu steigern und die zur Verfügung stehende Geschäftsfläche im Bereich des Neuen Marktes zu vergrößern, integriert er auf drei Ebenen nicht nur den Eingang zur Tiefgarage, sondern stellt auf einer Bruttogeschossfläche von 620 m² gleichzeitig auch Räumlichkeiten für Cafés, Restaurants, Büros und Läden bereit. Die zusätzlich geforderten Außenterrassen für die einzelnen Einheiten wurden dabei oberhalb des Erdbodens im schräg aufsteigenden, als Rampe gestalteten Dachbereich des Pavillons angesiedelt, da die Platzfläche des Neuen Marktes am Wochenende nach den Auflagen der Stadt für den Wochenmarkt frei bleiben musste.
Nach der ursprünglichen städtebaulichen Planung war vorgesehen, dass die Außenterrassen lediglich über den Innenraum des Pavillons zu erreichen gewesen wären. Davon abweichend entschied sich Van Zuuk für ein öffentlich begehbares Dach, das sich auch direkt vom Platz her erschließen lässt. Die terrassierte Dachfläche steht nicht nur als attraktive Außenfläche für die im Pavillon ansässigen Cafés zur Verfügung, sondern kann gleichzeitig auch als avantgardistische Bühne für Konzerte oder andere Veranstaltungen genutzt werden. Einzelne Terrassen des stufenförmigen Daches fungieren dann als die aufsteigenden Ränge einer Zuschauertribüne, deren Außenkanten jeweils durch Balustraden gesichert werden.
Organische Gebäudeform
Abgesehen von diesen vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten ermöglicht der Pavillon durch seine dynamische Gestaltung eine deutliche städtebauliche Aufwertung des in den 1970er-Jahren angelegten Neuen Marktes mit seiner wenig ansprechenden monotonen Bebauung.
Die weiche Formgebung des über einem annähernd ovalen Grundriss errichteten Gebäudes und die durchgehende Verwendung von Holz und Glas schaffen dabei einen wohltuenden Kontrast zur unterkühlten Architektur der umliegenden Häuserzeilen.
Als Standort für den Neubau war auf Basis des Investorenwettbewerbs von 2005 der östliche Bereich des Neuen Marktes im Kreuzungsbereich zur Doctor van Dregtstraat ausgewählt worden. Die markante Gebäudeform berücksichtigt dabei die Vorgabe, dass der Pavillon den Platz zwar in zwei Teile untergliedern, aber andererseits den städtebaulichen Gesamtzusammenhang des Neuen Marktes nicht unterbrechen sollte. Zur größeren Platzseite in Richtung Westen neigt sich das begehbare Dach des Pavillons dementsprechend terrassenförmig dem Boden zu, um hier die bestehende Sichtbeziehung zwischen dem westlichen und dem östlichen Teil des Neuen Marktes beizubehalten.
Deutlich mächtiger erscheint der Neubau von Süden oder Osten her. Hier steigt die Fassade schrittweise bis zum zweiten Obergeschoss auf, um so einen neben ausreichend Nutzfläche im Innenbereich auch die Schaffung eines repräsentativen Haupteinganges zu ermöglichen. Die Sichtfront in Richtung Südwesten wurde dabei mit zwiebelförmig ineinander greifenden konzentrischen Fassadenringen gestaltet, die entsprechend des terrassenförmigen Dachaufbaus stufenförmig nach oben klettern. Am äußeren Rand der Fassadeneinschnitte fügte René van Zuuk dabei zwischen den einzelnen Ringen zwei zusätzliche, als schmale Fugen gestaltete Zugänge zu den jeweiligen Ladenflächen ein. Seinen höchsten Punkt erreicht der Pavillon dann auf seiner Ostseite, wo die Fassade oberhalb des Zugangs zur Tiefgarage steil bis zu einer Höhe von 15 m aufsteigt. Stärker als aus anderen Perspektiven tritt dabei auch die markante organische Wölbung des ovalen Baukörpers hervor. Die deutliche Auskragung des Baukörpers stellt dabei eine ausreichende Versorgung der unterirdischen Parkebenen mit Tageslicht sicher.
Außenfassade aus Holz
Um die konzentrische Dachform und den wandlosen Innenraum zu ermöglichen, wurde der Pavillon als einfache Stahlbetonkonstruktion mit Rundstützen errichtet. Das durchgängig zugrunde gelegte Stützenraster von 4,2 x 4,2 m berücksichtigt dabei die Lage des Eingangs und der Shopping-Passage im Innenbereich, die beide möglichst stützenfrei bleiben sollten. Das Erdgeschoss des Pavillons wurde entsprechend der Gebäudeform weitgehend durch eine ovalförmig gerundete, mit Aluminiumrahmen ausgebildete Glasfront als Schaufassade geöffnet. Im Bereich der Außenterrassen wurden alternativ keilförmig zugeschnittene Öffnungen in die Fassade integriert.
Für die Verkleidung der Fassaden sowie als Bodenbelag für die stufenförmig aufsteigenden Außenterrassen kamen durchgängig schmale Bretter aus FSC-zertifiziertem Holz der Sorte Amarelo Sucupira im Format von 90 x 22 cm und mit einer Dicke von 60 mm zum Einsatz. Im Bereich der Dachterrassen wurden die einzelnen Bretter vor Ort auf einer darunter liegenden, auf der Betonhülle verschraubten Konterlattung montiert. Darunter wurden für eine optimierte Wärmedämmung des Gebäudes und zum Schutz gegen Feuchtigkeitsschäden zwei Bitumenschichten, eine EPDM-Dichtungsbahn sowie eine Kerndämmung mit Foamglas-Platten verlegt.
Im Bereich der Außenfassaden wurden die bereits für die Terrassen gewählten Amarelo-Sucupira-Holzbretter im gleichen Format in vertikaler Richtung auf der in Holzrahmenbauweise errichteten Wandkonstruktion montiert. Die Innenwände wurden in Trockenbauweise mit Gipskartonplatten ausgebildet. An einigen Stellen der Fassade wurden zusätzliche Fenster mit Aluminiumrahmen integriert und einzelne Bretter ausgespart, um so je nach Funktion einen zusätzlichen Tageslichteinfall in den Innenräumen des Pavillons zu ermöglichen. Besonders imposante Perspektiven ergeben sich dabei während der Dämmerung. Denn dann lässt die durch die einzelnen Leisten nach außen scheinende künstliche Beleuchtung den Pavillon zum magischen Lichtkörper im Stadtraum werden.
Planung: René van Zuuk Architekten BV, Almere Planungsteam: Jorrit Spel, Chimo Villa-Belda Statik: T&E Consult, Utrecht
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