Neubau von Wohngebäuden mit Geschäften in Aarhus

Miteinander leben im Eisbergdesign

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Im dänischen Aarhus leben in der Wohnanlage „The Iceberg“ in einem sozialen Mix Studenten, Geschäftsleute und Rentner. Das in enger Kooperation von vier Architekturbüros realisierte Ensemble setzt sich zusammen aus elf kristallin geschnittenen Baukörpern mit hellen Betonsteinfassaden und schimmernden Aluminiumdächern.

Robert Uhde

Die 250 000 Einwohner zählende Stadt Aarhus besitzt noch vor Kopenhagen den größten Containerhafen Dänemarks. 2003 wurde hier ähnlich wie in vielen anderen europäischen Städten entschieden, einen Teil des Areals umfassend zu revitalisieren und zu einem neuen Stadtteil in direkter Nähe zur Altstadt umzuwandeln. Auf Basis dieser Planung entsteht auf vier leer stehenden und geräumten ehemaligen Hafendocks inzwischen das Wohn- und Geschäftsquartier „De Bynære Havnearealer“. Als eines der ersten Projekte vor Ort wurde inzwischen der großformatige Gebäudekomplex „Iceberg“ im nordöstlichen Teil von Pier 4 fertig gestellt. Der ungewöhnliche Neubau wurde nach dem Planungswettbewerb 2008 durch ein internationales Architektenkonsortium realisiert, das aus den vier Büros SeARCH (Amsterdam), Louis Pallard (Paris), JDS Julien de Smedt Architects (Brüssel/Kopenhagen) und CEBRA (Aarhus) besteht.
Das Ensemble setzt sich zusammen aus drei L-förmigen Flügeln, über denen insgesamt elf kantig geschnittene und spitz nach oben auslaufende Volumen mit jeweils acht bis zwölf Geschossen aufsteigen. Die zackenförmig auf- und abfallenden Dachlinien sowie hell schimmernde Fassaden aus Betonstein und Aluminium lassen dabei auf den ersten Blick an eine Gruppe schwimmender Eisberge denken, die langsam auf die Stadt zutreibt. Das Projekt stellt auf einer Gesamtfläche von 22 000 m² insgesamt 250 ein- bis zweigeschossig ausgebildete Miet- und Eigentumswohnungen mit unterschiedlichsten Grundrissen und mit Flächen von 66 bis 248 m² zur Verfügung. Im Erdgeschoss wurden zusätzlich sechs Gewerbeeinheiten mit Flächen zwischen 110 und 210 m² integriert.
Mit Blick aufs Wasser
„Bei einer gewöhnlichen Blockbebauung hätten lediglich die direkt am Wasser gelegenen Wohnungen von der besonderen Lage des Grundstücks am Eingang des ehemaligen Containerhafens profitiert“, erklärt Architekt Bjarne Mastenbroek vom beteiligten Büro SeARCH aus Amsterdam.
„Durch die gestaffelte Anordnung der einzelnen Baukörper in drei Reihen und die unterschiedlichen Gebäudehöhen ist es uns aber gelungen, den Tageslichteinfall in sämtlichen Wohnungen zu optimieren und auch in den rückwärtig gelegenen Wohnungen einen Blick auf die Bucht oder die Stadt zu ermöglichen.“
Bei einigen der Volumen reichen die schräg auf- und absteigenden Dächer bis fast auf den Boden, bei anderen erzeugen schräg verlaufende Trauflinien eine beinahe pyramidenartige Silhouette. Verstärkt wird die ungewöhnliche Gestalt des Ensembles durch unregelmäßig angeordnete, teilweise dreiecksförmige Fenster sowie durch weit auskragende Balkone mit transparenten Brüstungen aus kristallblauem Glas (Isolierglasfenster von Pro Tec). Im Zusammenspiel der unterschiedlichen Elemente hat sich trotz der Beteiligung von vier Architekturbüros und des damit einhergehenden Zwanges zum Kompromiss ein schlüssiges Gesamtbild ergeben.
Unterschiedliche Wohngrundrisse
Darüber hinaus resultieren aus den unterschiedlichen Gebäudeformen völlig unterschiedliche Wohnungszuschnitte.
„Die Auswahl reicht von ganz einfachen kleinen Miet-Appartements in den untereren Ebenen bis hin zu zweigeschossigen Townhouses oder exklusiven Penthouse-Eigentumswohnungen in den oberen Etagen“, beschreibt Bjarne Mastenbroek die Auswahl.
Je nach Standard unterscheiden sich die einzelnen Einheiten durch unterschiedlich große Balkone mit unterschiedlicher Ausrichtung, durch unterschiedliche Dachschrägen sowie durch eine unterschiedliche Aussicht, Besonnung und Ausstattung. Für rund ein Drittel der Wohnungen wurde außerdem eine Mietpreisobergrenze festgelegt.
Anders als bei vielen anderen großen Wohnungsbauprojekten ist es mit diesem gezielten Maßnahmenpaket gelungen, die von der Stadt angestrebte soziale Durchmischung innerhalb des Neubaus zu erreichen; im neuen „Iceberg“ wohnen Studenten und alleinstehende Mütter ebenso wie Geschäftsleute und wohlhabende Rentner.
An diesem Standard sollen sich auch die übrigen Projekte orientieren, die in den kommenden Jahren in der Aarhus-Bucht fertig gestellt werden.
Schillernde Fassade
Um eine kostengünstige und optisch ansprechende Lösung zu erzielen, wurde die Fassade des Gebäudes aus 676 unterschiedlich großen Sandwich-Elementen von Boligbeton errichtet, die mit entsprechend angepassten Aussparungen für die Fenster angeliefert wurden. Die jeweils 480 mm dicken vorgehängten Elemente integrieren eine 80 mm dicke Außenhülle aus poliertem Betonwerkstein, eine 200 mm starke Dämmung aus Steinwolle sowie eine ebenfalls 200 mm dicke Innenschale aus Beton. Die mit einer speziellen Maschine polierten Oberflächen sorgen dabei insbesondere bei Sonneneinstrahlung für einen „eisbergartigen“ Glanz.
Für die Dachbereiche wählten die Architekten alternativ eine Eindeckung aus 1 mm starken, auf einer darunter liegenden Konterlattung verschraubten Aluminium-Stehfalz-Profiltafeln von Kalzip. Eine Besonderheit der im reinweißen Farbton RAL 9010 verwendeten Elemente ist die spezielle, im Bandbeschichtungsverfahren auf das bereits lackierte Aluminiumelement aufgebrachte Titandioxid-Beschichtung „EcoClean“. Denn sie ist in der Lage, mittels Fotokatalyse Schadstoffe aus der Luft zu filtern und ermöglicht außerdem eine Selbstreinigung der Fassadenelemente. Verstärkt wird der strahlend-kristalline Eindruck des Ensembles durch die blauen Balkonbrüstungen. Für die Böden der weit auskragenden Balkone verwendeten die Planer im Kontrast Lamellenparkett aus zertifiziertem Tropenholz; als warmen Akzent inmitten der ringsum sich auftürmenden Eisberge.
Architekten: SeARCH (Amsterdam), Louis Pallard (Paris), JDS Julien de Smedt Architects (Brüssel/ Kopenhagen) und CEBRA (Aarhus)
Projektentwicklung: COWI (Lyngby, DK), Arkitema (Aarhus), Kromann Reumert (Kopenhagen)
Bauingenieure: Hamiconsult (Herning, DK), Tækker
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