Neubau eines Einkaufsmarktes in Dongen (NL)

In kontrastreicher Beziehung

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In der südniederländischen Kleinstadt Dongen wurde ein ungewöhnlicher Einkaufsmarkt gebaut. Im Kontrast zu einer angrenzenden denkmalgeschützten Windmühle plante das Architektenbureau van den Heuvel den Neubau mit einer expressiv gefalteten Sichtfront aus bronzefarbenen Aluminiumpaneelen. Ihre Anordnung bildet eine komplexe Geometrie aus.

Robert Uhde

Die 25 000 Einwohner zählende, in unmittelbarere Nähe zu Tilburg und Breda gelegene niederländische Kleinstadt Dongen ist aus architektonischer Sicht eher unspektakulär. Zu den wenigen Glanzpunkten vor Ort zählen die 1922 im Zentrum des Ortes durch den bekannten Kirchenbauer Joseph Cuypers errichtete Sint-Laurentiuskerk mit ihrer expressionistischen Backsteinarchitektur sowie die 1893 am nördlichen Rand der Gemeinde ebenfalls aus Backstein errichtete Windmühle „Koningin Wilhelmina“.
Direkt angrenzend an die historische Mühle schafft jetzt der Neubau eines Einkaufsmarktes einen gelungenen architektonischen Blickfang. Denn statt sich still und leise dem denkmalgeschützten Bauwerk anzunähern, entschied sich der beauftragte Architekt Paul van den Heuvel aus dem nahe gelegenen Rijsbergen für eine selbstbewusste, betont moderne Formgebung mit fließendem Übergang von Dach und Wand.
Die Außenhülle des Neubaus präsentiert sich dabei als expressiv gefaltete Hülle aus rautenförmigen Aluminiumpaneelen, die je nach Betrachterperspektive und Witterung ständig wechselnde Ansichten und Spiegelungen bieten. Zusätzliche Dynamik erhält der über einer winkelförmigen Grundfläche errichtete Einkaufsmarkt durch die leicht aufsteigende und gleichzeitig deutlich zurückspringende Eingangsfront aus Glas sowie durch seine langgestreckte, dem Verlauf der Straße folgende Gesamtform, die sich deutlich von der hoch aufragenden Figur der Mühle absetzt.
Gelungene Einbindung
Das Verblüffende: Die harten Kontraste lassen die Mühle nicht etwa in den Hintergrund treten, sondern sie sorgen im Gegenteil dafür, dass das historische Bauwerk nur umso deutlicher hervortritt: „Bei der Planung mussten wir zwei wichtige Bezugspunkte berücksichtigen“ , beschreibt Architekt Paul van den Heuvel die reizvolle Bauaufgabe. „In Richtung Westen grenzt das Grundstück an die Windmühle, nach Osten schließt sich das kleine Flüsschen Donge mit seiner dahinter liegenden kleinmaßstäblichen historischen Bebauung an. Um zwischen beiden zu vermitteln, ohne dabei in Konkurrenz zu treten, haben wir uns für eine niedrige Gebäudeform entschieden, die noch dazu an ihren beiden Enden leicht abfällt.“
Einen deutlichen Bezug zur Mühle schafft außerdem die bronzefarbene Oberfläche der eingesetzten Aluminiumpaneele, die den Ton der bräunlichen Klinker fast eins zu eins aufgreift.
Je länger man vor Ort weilt, desto deutlicher wird, dass die selbstbewusst zu Schau gestellte Modernität des Neubaus nicht Ausdruck von Respektlosigkeit ist, sondern eher eine intelligente Strategie darstellt, um die unterschiedlichen Akteure vor Ort zu ihrem Recht kommen zu lassen.
Komplexe Geometrien
Mit rund 10 000 Filialen in 26 Ländern ist Lidl der weltweit größte Discount-Konzern. Für den Neubau in Dongen schwebte dem Unternehmen ein markanter, aber sensibel in die Umgebung eingebetteter Neubau mit komplett stützenfreiem Innenraum vor: „Aufgrund der Funktion als Supermarkt haben wir uns dazu entschieden, das Gebäude als einfache rechteckige Stahlkonstruktion auszubilden“, beschreibt Projektarchitekt Bjorn Kasandikromo den Entwurf. „Über diesem Tragwerk haben wir dann eine leichtere Spantenkonstruktion entsprechend der Form des Gebäudes ausgebildet. Direkt darüber wurden zunächst profilierte Stahlplatten und anschließend 40 bzw. 60 mm dicke, speziell verleimte Sandwichpaneele verlegt. Abschließend konnten dann oberhalb einer wasserdichten Polyethylen-Folie die rautenförmigen Aluminiumpaneele als äußere Gebäudehülle montiert werden.“
Um die komplexe Geometrie mit ihren insgesamt 23 Flächendreiecken auszubilden, kamen insgesamt 1 350 Paneele im Format von 780 x 780 mm zum Einsatz (Alucobond anodized look Satin brown von 3A Composites GmbH). Die einzelnen Elemente wurden entsprechend der Planung der Architekten werkseitig vorgefertigt und dann auf der Baustelle an der vorgesehenen Position montiert.
Ein besonderes Detail der bronze-farbenen Hülle ist dabei die reizvolle Anordnung der einzelnen Paneele. Denn bei näherem Hinsehen ordnen sich die Elemente optisch zu verwir-renden räumlichen Figuren, die schnell an die Arbeiten des bekannten niederländischen Grafikers M. C. Escher (1898 – 1972) mit ihren „unmöglichen Geometrien“ denken lassen.
Luftiger Innenraum
Über die große Glasfront (Schüco FW50+ Pfosten-Riegel-Fassade aus Aluminium) nach Süden gelangen die Besucher schließlich in den Innenraum des neuen Einkaufsmarktes. Die Ladenfläche wurde vergleichsweise konventionell mit einem einfachen Betonestrich sowie mit Wänden aus Kalksandstein ausgebildet. Für eine gute Ausleuchtung sämtlicher Bereiche kam eine energiesparende LED-Beleuchtung zum Einsatz.
Großen Wert legten die Architekten außerdem auf eine hochwertige Gestaltung des Außenraumes. Die in Richtung Süden neu angelegte Parkfläche und der vor dem Eingang gelegene kleine Vorplatz ermöglichen nicht nur eine bequeme Erreichbarkeit, in Zusammenspiel mit wellenförmig geschwungenen Sitzmöbeln ist es den Planer auch gelungen, die Aufenthaltsqualität vor Ort zu verbessern. „In einem nächsten Planungsabschnitt sollen jetzt außerdem noch die alten Lagerhallen saniert werden, die in Richtung Südosten an den Parkplatz angrenzen“, erklärt Paul van den Heuvel. „Das gesamte Areal soll dann eine räumliche Einheit bilden.“
Planung:
Architektenbureau van den Heuvel, Rijsbergen (NL)
Planungsteam: Paul van den Heuvel, Bjorn Kasandikromo
Statik:
H4D Raadgevend Ingenieurs, Dongen (NL)
www. h4d.nl
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