Neubau eines Geschäftshauses in Berlin

Gläserner Lückenschluss

Mit dem hochmodernen Bürohaus F40 wurde die letzte Baulücke in der Berliner Friedrichstraße geschlossen. Die durchgehend verglaste Front des Neubaus haben Petersen Architekten durch drei versetzt übereinander gestapelte, gläserne Erker mit vertikalen Glaslamellen untergliedert. Seiner hohen Nachhaltigkeit wegen ist das Gebäude mit dem Gold-Siegel der DGNB vorzertifiziert worden.

Robert Uhde

Die Friedrichstraße gehört zu den bedeutendsten Verkehrsachsen Berlins. Seit dem frühen 19. Jahrhundert entwickelte sie sich mit ihren zahlreichen Theatern und Varietés immer mehr zum kulturellen Zentrum und zur schillernden Vergnügungsmeile, seit der Wende gilt sie vorrangig als repräsentatives Geschäftsquartier und als noble Einkaufsadresse. Aufwändig sanierte Altbauten aus der Gründerzeit treffen dabei auf zahllose Neubauten unterschiedlichster Qualität, mit denen sukzessive die noch vorhandenen Baulücken aus dem Zweiten Weltkrieg geschlossen wurden.
Im südlichen Abschnitt der Friedrichstraße, wo sich die Geschäftstüchtigkeit mehr und mehr verläuft und sich zunehmend Wohngebäude in die Gebäudezeilen mischen, ist jetzt mit dem Büroneubau F40 des Berliner Büros Petersen Architekten auch die letzte Narbe des Krieges verschwunden.
Das in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Grenzkontrollpunkt „Checkpoint Charlie“ gelegene Gebäude stellt auf acht Ebenen und einem zusätzlichen Staffelgeschoss flexibel nutzbare Büroräume mit einer Fläche von insgesamt 1 640 m² zur Verfügung.
Die zur Friedrichstraße deutlich in den Straßenraum vorkragenden Glaserker beziehen sich dabei auf die Fassadentypologie der benachbarten Wohngebäude.
Gelungene Einbettung
„Die Bebauung einer solch prominent gelegenen Fläche ist natürlich eine besondere Verantwortung und Herausforderung“, erklärt Architekt Ralf Petersen und wirft dabei auch einen Blick auf die Historie des Standortes: „Die schmale, langgestreckte Grundstücksfläche mit dem rückseitigen Innenhofgarten war im 19. Jahrhundert zunächst mit einem zweigeschossigen Wohnhaus und später mehrgeschossig, mit Vorder- und Hintergebäude bebaut. Damals wohnten hier unter anderem die Brüder Skadamowski, die als Erfinder der 3D-Brille und der Kinematografie in Deutschland gelten.“
Um den zur Verfügung stehenden Raum möglichst effizient zu nutzen und gleichzeitig eine optimierte Tageslichtnutzung zu gewährleisten, wurde der Baukörper großzügig geöffnet und andererseits so tief wie möglich in den rückwärtigen Hofbereich hineingeführt. Trotz der großen Gebäudetiefe von 17,5 m konnten somit auf allen Ebenen helle und komplett stützenfreie – und somit flexibel nutzbare – Flächen geschaffen werden, die sämtlich durch einen nördlich gelegenen Kern mit Treppenhaus, Aufzug, Sanitärräumen und Teeküchen erschlossen und versorgt werden. „Das zusätzlich verlängerte Erdgeschoss ermöglicht neben PKW-Stellplätzen im Hof auch eine Dachterrasse im ersten Obergeschoss“, erklärt Ralf Petersen.
Im straßenseitigen Teil des Erdgeschosses haben die Planer eine Ladenfläche integriert, im südlichen Teil steht eine Durchfahrt von der Friedrichstraße in den Hofbereich zur Verfügung. Eine weitere Besonderheit bietet das oberhalb der Traufe aus baurechtlichen Gründen weit zurückversetzte Staffelgeschoss, das neben zusätzlichen Büroflächen auch eine weitere Dachterrasse mit attraktivem Ausblick über die Stadt und das unmittelbar angrenzende GSW-Hochhaus von Sauerbruch Hutton Architekten bereitstellt.
Abwechslungsreiche Ansichten
Ausgehend von der städtebaulichen Lage haben die Architekten den Neubau mit zwei unterschiedlichen, technisch jeweils präzise formulierten Fassaden ausgebildet. Die Ansicht zur hoch frequentierten Friedrichstraße wurde dabei vollkommen transparent und mit drei unregelmäßig übereinander platzierten zweigeschossigen Glaserkern ausgebildet, die das Haus optisch mit den angrenzenden Gebäuden verknüpfen. Ihre Tiefe von jeweils 1,20 m sorgt gleichzeitig für eine Erweiterung der zur Verfügung stehenden Nutzflächen. Eine Besonderheit sind die in den Erkern als äußere Membran integrierten, jeweils 45 cm breiten, 280 cm hohen und 2 x 10 mm dicken Glaslamellen (550 DG von Glastec louvers).
„Um die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter zu berücksichtigen, lassen sich die doppelt geklebten Glaslamellen elektrisch aus den einzelnen Büros verstellen“, erklärt Ralf Petersen.
Je nach Ansicht ergeben sich so unterschiedlichste Transparenzen und Schichtungen, die insbesondere bei Dunkelheit attraktive Perspektiven und Lichteffekte ermöglichen. Die hinter den Lamellen liegende Glasfront aus laminiertem Sicherheitsglas bietet mit einem U-Wert von 1,2 W/m²K einen wirksamen thermischen Schutz und gewährleistet außerdem auch einen hohen Lärmschutz.
„Die Gartenfassade zum ruhig gelegenen Innenhof hat dagegen raumhohe und öffenbare Glas-Hebeschiebetüren (HSI-455 von Ernst Schweizer AG), aus denen sich die Mitarbeiter hinauslehnen können“, so Ralf Petersen. „Für den notwendigen Sonnenschutz haben wir schmale, an schräg gespannten Edelstahlseilen geführte Gegenzugmarkisen (von Clauss Markisen) integriert – ein Flechtwerk als spielerische Reminiszenz an die frühere Nutzung des Innenhofes als Garten.“
Die unterschiedlichen Schrägstellungen der individuell steuerbaren Markisen sorgen dabei auch hier für ein lebendiges Wechselspiel in der Fassade.
Intelligente Gebäudetechnik
Komplettiert wird das architektonische Konzept für den Neubau durch eine intelligente Gebäudetechnik. Zentrales Element ist dabei eine energiesparend arbeitende Kompressionskältemaschine, die die einzelnen Büros über Kühldecken temperiert. Die Beheizung der Räume erfolgt über Fußbodenheizungen. „Sämtliche Anlagen lassen sich für eine Optimierung des Energieverbrauches und des Komforts sowohl automatisiert als auch individuell steuern“, erklärt Ralf Petersen. Als weitere Maßnahme zur Senkung des Energieverbrauches wird das gesamte Gebäude mit LED-Leuchtmitteln betrieben. Durch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Maßnahmen hat das Gebäude inzwischen als erstes Gebäude in Berlin die Vorzertifizierung für das Gold-Siegel der DGNB erhalten. Das F40 weiß also nicht nur ästhetisch und städtebaulich zu überzeugen, es setzt auch in energetischer Hinsicht Maßstäbe.
Architekten: Petersen Architekten, Berlin/Dortmund Mitarbeit: Prof. Ralf Petersen, Roland Frank, Nicole Pechardscheck, Peter Tormin, Guido Kollert Tragwerksplanung: Ingenieurbüro Bauwesen Horn, Leipzig Haustechnik: Specht, Kalleja + Partner Gebäudetechnik GmbH, Berlin