Neubau eines Firmen-Hauptsitzes in Amstelveen

Dynamisch geschichtet

Im niederländischen Amstelveen ist die Benelux-Zentrale des Bekleidungs- herstellers Esprit fertig gestellt worden. Der kantige Quader der Rotterdamer Architektinnen Juliette Bekkering und Monica Adams integriert auf drei Ebenen eine BGF von 6 120 m². Die silbern schillernde Außenhaut setzt sich zusammen aus perforierten Aluminiumkassetten.

Robert Uhde

Mit rund 20 000 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von rund drei Milliarden Euro gehört das 1968 in San Francisco gegründete Modeunternehmen Esprit zu den erfolgreichsten Bekleidungsherstellern der Welt. Neben der bestehenden Europazentrale in Ratingen hat der Konzern jetzt auch einen zusätzlichen Hauptsitz für Belgien, die Niederlande und Luxemburg in Amstelveen bei Amsterdam eröffnet.
Die Planung des kompakten Neubaus wurde durch Bekkering Adams Architecten aus Rotterdam realisiert. Das 1997 durch Juliette Bekkering gegründete Büro war 2005 durch Monica Adams erweitert worden; Bekkering hatte zuvor bei OMA und Neutelings Riedijk gearbeitet, Adams war für Erick van Egeraat tätig. Ausgehend von den Vorgaben der Textilkette realisierten die beiden Planerinnen einen kompakten dreigeschossigen Neubau mit charakteristischer Außenhülle, der auf einer Bruttogeschossfläche von 6 120 m² Büros für rund 100 Mitarbeiter sowie Showroom, Restaurant und Tiefgarage integriert.
Charakteristische Silhouette
Der Standort für den Neubau liegt inmitten des neu erschlossenen Büro- und Dienstleistungsquartiers „Het Parc” im Osten der rund 80 000 Einwohner zählenden Kleinstadt Amstelveen. Der langfristige Mieter Esprit profitiert dort von der optimalen Anbindung an die nördlich direkt angrenzende Autobahn A9 sowie von der Nähe zum zehn Kilometer entfernten Amsterdam und zum Flughafen Schiphol.
Um an dem Ort zwischen Stadt und angrenzender Polderlandschaft ein Gebäude mit einem hohen Wiedererkennungswert zu schaffen, haben die Architektinnen den in Stahlbetonbauweise errichteten Neubau als markanten Solitär mit ungewöhnlicher Gebäude-Silhouette geplant. Die massive Erscheinung mit den nach oben hin leicht zurückweichenden Aluminium-Fassaden sorgt für eine spürbare Belebung der Gebäudemassen und lässt den Entwurf als kantigen Felsbrocken in der Landschaft erscheinen. Darüber hinaus bietet die um 9° schräg nach oben zulaufende Form des Gebäudes aber auch eine kreative Antwort auf den Bebauungsplan, der an dieser Stelle eine maximale Traufhöhe von 11 m vorsah:
„Denn durch die leichte Neigung konnten wir die oberen Ebenen entsprechend der niederländischen Bauvorschriften als gigantisches Dach ausweisen und somit die insbesondere für den Showroom erforderliche Firsthöhe von 13 m realisieren“, erklärt Juliette Bekkering.
Unterstützt wird der massive Eindruck des Gebäudes durch wuchtige, im EG teilweise sichtbare Gebäudestützen sowie durch eine wallartige Geländeanhebung in Richtung Westen. In dem mit Naturstein gestalteten und durch lange horizontale Öffnungen unterbrochenen Sockelgeschoss haben die Architektinnen außerdem eine Tiefgarage mit insgesamt 111 Stellplätzen untergebracht.
Kontrastreiche Außenhülle
Eher leichtgewichtig erscheint dagegen das aus zickzackförmig umlaufenden Fensterbändern sowie schillernden Aluminiumkassetten zusammengesetzte „Dach“ des Gebäudes. Beim Näherkommen wird dabei ein dekoratives Muster aus vertikal sich überschneidenden Linien auf der Aluminiumhülle sichtbar. Der Eingangsbereich im Erdgeschoss wurde abweichend mit einer deutlich zurückliegenden Glasfront gestaltet. Ein weiteres gelungenes Detail sind die beiden schräg vorstehenden Erker der beiden Showrooms, die im zweiten Obergeschoss in Richtung Norden und Süden aus der Kubatur hervorbrechen. „Zunächst hatten wir bei der Gestaltung der Fassade auch über andere Materialien nachgedacht“, berichtet Juliette Bekkering rückblickend. „Letztlich haben wir uns aber für Aluminium und Glas entschieden, um so einen möglichst großen Kontrast zu dem wuchtigen Sockel zu schaffen.“ Zur Verkleidung der insgesamt 1 300 m² großen Vorhangfassade kamen unterschiedlich große Aluminium-Elemente mit einer maximalen Höhe von 3 m und einer Breite von 1,25 m zum Einsatz. „Bei der Entwicklung und Ausarbeitung des charakteristischen Musters haben wir eng mit unserem Grafikdesigner Jaap Bardett und den Designern von Esprit zusammengearbeitet“, berichtet Juliette Bekkering.
„Um dabei zu verhindern, dass die vertikal sich überschneidenden Linienstrukturen aufgemalt wirken, setzt sich das gewählte Muster aus hellen noppenartigen Erhebungen und dunkler wirkenden Perforierungen zusammen. Je nach Perspektive und Wetterbedingungen ergeben sich so völlig unterschiedliche Ansichten. Die Größe des Musters von 1,50 x 4,50 m sowie Lage der Fenster sorgen außerdem dafür, dass die Wiederholung des Musters nicht sichtbar wird.“
Nach Freigabe des Entwurfs durch Esprit wurden die Daten zur Produktion an den Fassadenhersteller VPT Versteeg, Heusden, übermittelt, wo sie als digitale Vorlage für die vollautomatische Fertigung der einzelnen Elemente dienten. Auf der Baustelle wurden die Aluminiumkassetten dann durch Fassadenbauer Vorsselmans je nach Format an der vorgegebenen Position auf der schräg stehenden Betonbrüstung bzw. der Unterkonstruktion aus Holz montiert. Die innen liegende Wärmedämmung aus Steinwolle (120 mm) bzw. PUR-Hartschaum (100 mm) ermöglicht dabei optimierten Wärmeschutz. Die wärmegedämmten Pfosten-Riegel-Fassadenprofile basieren auf dem System Schüco FW50+.
Repräsentativer Innenraum
Der Zugang zum Neubau erfolgt aus Richtung Westen, über eine schräg aufsteigende Zuwegung im Bereich der leichten Gebäudeanhebung. Im großzügigen, von allen Seiten aus einsehbaren Erdgeschoss angelangt, betreten die Besucher und Mitarbeiter dann zunächst das offene Foyer, dem sich weiter westlich ein Restaurant und ein Café mit Außenbereichen anschließen. In den beiden Obergeschossen sind Showroom sowie Büro- und Konferenzräume angeordnet.
Als vertikale vertikale Erschließung haben die Architektinnen eine zentral gelegene monumentale Treppe aus cremefarbenem Stein integriert, die alle drei Etagen miteinander verbindet und dabei einen Einblick auf die Aktivitäten der einzelnen Abteilungen bietet. Die schräg verlaufenden Außenfassaden und die unterschiedlich geformten Fenster lassen dabei in sämtlichen Bereichen unterschiedlichste Raumsituationen mit kleineren, größeren, eher geraden oder eher schiefen Fensteröffnungen entstehen. Im Kern sorgt außerdem ein großer Innenhof für ausreichend Tageslicht im gesamten Gebäude. Den Architektinnen ist so eine abwechslungsreiche Bürolandschaft mit unterschiedlichsten Raumsituationen gelungen. Als innere Entsprechung der attraktiven Außenhülle.
Planung: Bekkering Adams Architecten, Amsterdam Planungsteam: Juliette Bekkering, Monica Adams, Frank Venhorst, Gerard Heerink, Sander Brand, Nikos Ioannou, Anna Pinho Costa (Renderings)
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