Neubau einer Kirche in Pliezhausen

Markant in zartem Beige

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In exponierter Lage am Rande eines Grünzugs hat die Neuapostolische Kirche ein beachtenswertes Gebäude erbaut. Der Neubau setzt sich als skulpturaler Baukörper bewusst von der angrenzenden Wohnbebauung Pliezhausen in der Nähe von Tübingen ab. Durchgefärbter Leichtbeton prägt in zartem Beige die Fassade.

Conny Eck | be

Schon verschiedentlich hat die Neuapostolische Kirche ihre Neubauten, mit der sie baufällige Kirchengebäude aus der Nachkriegszeit ersetzt, in Sichtbeton ausgeführt. Für Pliezhausen wählte Bauherrenvertreter Stephan Pfäffle, selbst Architekt, gemeinsam mit Johannes Weiß von den Stuttgarter Architekten Ackermann+ Raff einen Leichtbeton, der mit der Beimischung von 1,5% Farbpigmenten einen zarten, erdigen Beigeton zeigt. Das Büro hatte sich mit seinem Entwurf bei einem eingeladenen Wettbewerb durchgesetzt.
Der Zement für den ausgesuchten Beton stammt von der HeidelbergCement AG. „Die Besonderheit des Baus liegt im eingefärbten Leichtbeton mit gewollter Struktur, der farblich je nach Lichteinfall unterschiedlich von Beige bis Sandfarben leuchtet“ , so Gerald Dußler aus der Vertriebsregion Süd-West der HeidelbergCement AG in Schelklingen. Geliefert hat den besonderen Beton der Betonhersteller Wenzelburger GmbH & Co. KG Transportbetonwerke aus Neckartailfingen. Er lieferte 550 m³ durchgefärbter Leichtbeton LC 12/13 mit 1,2 Rohdichte. Der Hochofenzement (CEM III/B 32,5 N-LH/SR/NA) kam aus dem Werk Lengfurt von HeidelbergCement.
Wirkung von Architektur und Raum
Die wohltuende Atmosphäre der bewusst schlichten sakralen Architektur ist spürbar. Der Vorplatz erstreckt sich als einladende Geste Richtung Obstbaumwiesen und der Eintritt erfolgt durch das großzügige und zentrale Foyer in den Kirchenraum.
Für die Wirkung der stillen Einkehr entwickelten die Stuttgarter Architekten Ackermann+Raff den Baukörper aus der Topografie heraus. Sie ließen die Dachform dem Hangverlauf folgen; zur Straße hin bildet das Volumen einen markanten Hochpunkt aus. Im Kirchenraum ist die äußere Form durch den steil aufsteigenden Deckenverlauf zum Altar hin ablesbar. Ein hoch über dem Altarraum platziertes Fensterband und Oberlichter im Bereich der räumlich und farblich abgestuften Decke lassen eine sakrale Lichtstimmung entstehen. Nach Osten ausgerichtete quadratische Fenster mit tiefen Holzlaibungen sorgen für stimmungsvolle Lichtakzente im gesamten Raum. Der Neubau der Neuapostolischen Kirche bietet 250 Besuchern aus drei Gemeinden Platz für Gottesdienst und Gemeindearbeit. Verschiedene Sanitär- und Mehrzweckräume werden vom zentralen Foyer aus erschlossen, zwei davon lassen sich bei Bedarf zur größeren Einheit zusammenschließen. Die Sakristei öffnet sich mit großzügiger Verglasung zum Kirchenraum, so dass hier – akustisch etwas abgeschieden – Familien mit kleinen Kindern den Festlichkeiten folgen könnten.
Ausgesuchte Materialien
Die einladende Wirkung verdankt der Kirchenbau auch der Reduktion auf wenige, ausgesuchte Materialien. Bauherr und Architekten ergänzten den Baukörper aus sandfarben eingefärbtem Leichtbeton mit heimischer, teils unbehandelter Eiche aus dem Schwäbischen, die eine regionale Schreinerei für die geschmackvollen Kirchenbänke und die quadratischen Fenster verarbeitete. Über der 25 cm dicken Bodenplatte aus Beton und dem Bodenaufbau mit Fußbodenheizung bildet ein Belag aus geräucherter Eiche im Sakralraum und ein polierter Beton im Foyer einen gelungenen Kontrast zu den hohen, hellen Sichtbetonwänden und der dezenten Akustikdecke mit zartem Farbverlauf.
Wärmedämmender Leichtbeton
Bei ihren Kirchenbauten, die als Sonderbauten nicht an die Energieeinsparverordnung (EnEV) gebunden sind, hat sich die Neuapostolische Kirche grundsätzlich auf die Einhaltung der EnEV 2014 verpflichtet. Diese ist mit Leichtbeton bei diesem Bauwerk wegen der 61,5 cm dicken Außenwände ohne Dämmung sehr gut zu erreichen; die EnEV 2016 würde damit nicht mehr eingehalten werden können. Bei Wohnhäusern macht die Verschärfung der EnEV eine moderne, ökologisch sinnvolle Bauweise mit Leichtbeton, bei der die Sichtbetonflächen ohne innere oder äußere Dämmung gestaltet werden können, fast unmöglich. Kosten und Materialaufwand stehen mit der späteren Energieeinsparung in keinem sinnvollen Verhältnis mehr. Daher wird die EnEV 2016 von vielen Architekten und Bauunternehmen in Hinblick auf ökologisches und wirtschaftliches Bauen als kontraproduktiv angesehen.
Abhilfe könnte das neue vereinfachte Nachweisverfahren (inoffiziell als „EnEV-easy“ bekannt) schaffen, das 2015 angekündigt wurde und davon ausgeht, dass bestimmte ungekühlte neue Wohnhäuser ihre Kriterien erfüllen, wenn sie eine bauliche und anlagentechnische Standard-Ausstattung aufweisen.
Mit sieben Betonbauern vom Reutlinger Bauunternehmen Adolf List gelang es, mit einer Rahmenschalung von 2,40 x 2,70 m die gewünschte Oberfläche der Leichtbetonwände herzustellen. Dadurch lassen sich die einzelnen Bauabschnitte als fast quadratische Bereiche ablesen, farblich angepasste Betonkonen zeichnen sich dezent ab. Struktur und Porosität der Flächen ebenso wie Farbe und Farbverlauf sollten gleichmäßig sein.
Architekten: Ackermann+Raff Architekten, Stuttgart
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