Neubau eines Produktions- und Bürogebäudes in Wenden

Äußerst expressiv

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Im sauerländischen Wenden wurde ein neuer Firmensitz für einen Stellantriebshersteller geschaffen. Der durch Wurm + Wurm Architekten Ingenieure gestaltete Komplex integriert eine großformatige Produktionshalle mit doppelgeschossigem Verwaltungsbau. Dabei fällt die expressive Linienführung der mit Streckmetall-Aluminium gestalteten Fassade ins Auge.

Robert Uhde

Die Drehmo GmbH mit Sitz in Wenden fertigt elektromechanische Stellantriebe für die Wasserwirtschaft, den Kraftwerksbereich und die Öl- und Gasindustrie. Der Ursprung des Unternehmens geht zurück auf die 1946 durch die AEG gegründete EMG Automation GmbH, die 1948 mit der Serienproduktion von Drehmo-Stellantrieben begonnen hatte. Um das langfristig gestiegene Auftragsvolumen und die steigenden logistischen und repräsentativen Anforderungen des Unternehmens umsetzen zu können, hatte sich die Geschäftsführung 2010 zum Bau eines neuen Hauptsitzes entschlossen. Mit der Planung und Umsetzung des Projektes wurde das in Bühl ansässige Planungsbüro Wurm + Wurm Architekten Ingenieure beauftragt, das in den vergangenen zwölf Jahren bereits zahlreiche weitere Projekte für den Auftraggeber realisiert hat.
Ein zentraler Bezugspunkt für die Planung des Neubaus war die hügelige Topografie des Sauerlandes und der unregelmäßige Zuschnitt des zur Verfügung stehenden Hanggrundstücks. Als Ergebnis zahlreicher Studien hinsichtlich des Layouts und der optimalen Flächennutzung entwickelten die Architekten einen dynamischen Entwurf mit polygonaler Grundrissfigur und expressiver Linienführung, der auf intelligente Weise die industrielle Funktion des Gebäudes betont und der sich dabei deutlich von der Architektur der standardmäßig gestalteten Gewerbebauten in der Nachbarschaft unterscheidet. Unter einem gemeinsamen Dach stehen dem Unternehmen hier eine große Montagehalle, eine Verladehalle, ein automatisches Regallager und ein zweigeschossiger Verwaltungsbau mit einer Bruttogeschossfläche von insgesamt 7 500 m² zur Verfügung.
Mäanderndes Attikaband
Ein zentrales Element des als Stahlbetonkonstruktion ausgeführten Entwurfes ist das dynamisch auf- und absteigende, mit hellen, eloxierten Streckmetall-Aluminium-Platten ausgebildete Attikaband, das den gesamten Gebäudekomplex in unterschiedlichen Ausprägungen umschließt. Im Bereich der Montagehalle überspannt das mäandernde Band das Dach und die abwechselnd mit Polycarbonatplatten sowie mit zickzackfömigen Fenstern gestaltete Fassade, vor der Verladehalle dehnt es sich dagegen zu einem weit auskragenden Vordach aus.
Noch bewegtere Perspektiven bietet der südlich gelegene Verwaltungsbereich mit seinen großflächigen Glasfassaden. Hier verbindet sich das Band mit der weit vorkragenden, als Balkon genutzten Geschossdecke im ersten Obergeschoss und ergänzt sich gleichzeitig auf verwirrende Weise mit den mächtigen Tragwerkstützen des Gebäudes, die zum Teil ebenfalls mit den Streckmetall-Aluminium-Platten verkleidet wurden.
„Ganz bewusst haben wir das Tragwerk dabei wie einen Muskel betrachtet, der das Gebäude aus dem Hang stemmt – stützend und formgebend zugleich“, beschreibt Architekt Robert Wurm das Gestaltungskonzept seines Büros.
Die in versetzten Stößen auf der Fassade montierten Attika-Elemente aus Streckmetall-Aluminium von Rau-Streckgitter haben ein Lieferformat von 625 x 2 500 mm (H x B) und eine Maschenweite von 62 x 27 mm. „Die exakten Geometrien der benötigten Einbauformate haben wir nach Freigabe des Entwurfs an den Fassadenbauer übermittelt, der die einzelnen Elemente dann entsprechend vorkonfektioniert und anschließend auf der Baustelle an der vorgegebenen Position montiert hat“, erklärt Projektarchitekt Christoph Frohberg. „Als Unterkonstruktion wurden dabei zunächst 130 mm dicke Metallkassetten mit integrierter Mineralwolldämmung am Stahlbau montiert und anschließend mit einer Trapezblechschale ausgesteift.“
Bei den mit Polycarbonatplatten von Rodeca ausgebildeten Fassadenabschnitten wurden 50 mm dicke, mit neun Schalen ausgestattete Lichtbauelemente mit 500 mm Breite und unterschiedlichen Höhen von bis zu 6 m als Raumabschluss eingesetzt. Als Vorhangfassade kamen abweichend 40 mm dicke, mit fünf Schalen ausgestattete Lichtbauelemente mit 500 mm Breite und unterschiedlichen Höhen von bis zu 6 m zum Einsatz, die auf der Baustelle auf einer Unterkonstruktion aus perforierten Glattblechtafeln und perforierten Z-Profilen aus Leichtmetall montiert wurden.
Übersichtlicher Innenraum
So ungewöhnlich sich der Neubau von außen präsentiert, so übersichtlich ist er in seinem Inneren gestaltet: „Um eine flexible Fertigung mit einer hohen Arbeitsqualität entsprechend dem zugrundeliegenden Produktionslayout zu ermöglichen, besteht die Grundanordnung aus einer großen Montagehalle, der in Richtung Nordwesten eine Verladehalle und ein automatisches Regallager angegliedert wurde“, erklärt Christoph Frohberg das Konzept.
Nach Süden vorgelagert schließt sich der dreigeschossige Verwaltungsbau an, der gleichzeitig als repräsentativer Eingang fungiert. Im Innenbereich wurden hier in sämtlichen Bereichen helle Holzböden mit großen Sichtbetonflächen kontrastiert. Einen zusätzlichen Blickfang schaffen die in unterschiedlichen Winkeln verlaufenden Betonstützen, die die dynamische Architektur auch im Innenraum spürbar werden lassen. Drüber hinaus haben die Planer großzügige Lufträume und einen zweigeschossigen Lichthof integriert, so dass sich immer wieder neue, überraschende Perspektiven und Sichtlinien ergeben.
Im Erdgeschoss und auf der oberen Ebene des Verwaltungsbaus steht den Mitarbeitern eine als open space gestaltete Bürozone mit Erschließungs- und WC-Kern zur Verfügung. Die großflächige Glasfassade ermöglicht dabei interessante Einblicke in die direkte angrenzende Fertigung. Komplettiert wird das Raumangebot durch ein zusätzliches Untergeschoss, in dem neben Sozialräumen für die Mitarbeiter auch eine Kantine zur Verfügung steht. Die raumhohe Verglasung in Richtung des als Freibereich direkt angrenzenden Lichthofs schafft dabei einen luftigen Raumeindruck und sorgt gleichzeitig für eine natürliche Belüftung sowie für eine ausreichende Versorgung mit Tageslicht.
Architekten: wurm + wurm architekten, Bühl Haustechnik: IBW Ingenieurbüro Wieland GmbH, Rastatt
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