Neubau eines Hotels in Amsterdam

Doppelschaliger Zylinder

Auf der niederländischen A2 von Utrecht in Richtung Norden trifft man hinter der Stadtgrenze von Amsterdam auf den spektakulären Neubau des Fletcher-Hotels. Ein besonderes Element des 60 m hohen Zylinders von Benthem Crouwel Architecten ist die doppelschalige Glasfassade, für deren Innenhülle 130 blaue Fiberglaspaneele verwendet wurden.

Robert Uhde | be

Mit ihren umfangreichen Megaplanungen für den Umbau der Bahnhöfe in Rotterdam, Amsterdam und Den Haag gehören Benthem Crouwel seit Jahren zu den gefragtesten Architekturbüros in den Niederlanden. 2005 haben die Planer zusätzlich zu ihrem Hauptsitz in Amsterdam auch eine Niederlassung in Aachen gegründet und sind seitdem auch in Deutschland erfolgreich. Jüngstes Projekt der Architekten ist das 60 m hohe Fletcher-Hotel in Amsterdam, das aufgrund seiner exponierten Lage direkt an der A2 den neuen Auftakt zur Stadt aus Richtung Südosten darstellt. Im Innenraum des siebzehngeschossigen Neubaus stehen auf zwölf Ebenen insgesamt 120 Zimmer zur Verfügung. Komplettiert wird das Raumprogramm des Vier-Sterne-Hotels durch fünf Konferenzräume, ein Fitnesscenter sowie durch eine SkyLounge und ein Panoramarestaurant mit Dachterrasse in den oberen beiden Ebenen. Zusätzlich stehen ein gründachüberdecktes Parkhaus sowie eine Tiefgarage mit 60 Stellplätzen zur Verfügung.
Mit landesweit rund 70 Hotels gehört Fletcher Hotels zu den größten Hotelketten in den Niederlanden. Erstmals fasst das Unternehmen nun mit dem Anfang 2013 eröffneten Neubau von Benthem Crouwel auch in Amsterdam Fuß.
Ausgangspunkt der Planung waren hohe architektonische und städtebauliche Anforderungen der Stadt Amsterdam, die ein Gebäude mit multiperspektivischen Ansichten ohne dezidierte Vorder- und Rückansicht wünschte. Ausgehend von dieser Vorgabe entwickelten die Architekten einen doppelschaligen Glaszylinder mit betont futuristischer Ausstrahlung, der sich selbstbewusst als architektonische Landmarke präsentiert.
„Wir wollten einen weithin sichtbaren Bau schaffen, der in seiner Modernität charakteristisch für die Stadt Amsterdam ist und der gleichzeitig ein positives und dynamisches Zeichen an ihrem südöstlichen Rand schafft“, fasst Projektarchitekt Peter Kropp das Konzept seines Büros zusammen.
Ungewöhnlicher Grundriss
Aufgrund der ungewöhnlich schlanken Form des Gebäudes beträgt der Durchmesser der einzelnen Geschosse lediglich 24 m. Um in sämtlichen Hotelzimmern eine freie Aussicht zu ermöglichen und trotz der geringen Tiefe eine optimierte Nutzung und übersichtliche Erschließung der einzelnen Ebenen zu erreichen, haben die Planer sämtliche Servicefunktionen, die offene Empfangslobby sowie Treppen und Fahrstühle in einem zentralen, ebenfalls zylinderförmigen statischen Kern aus Stahlbeton untergebracht.
„Rund um dieses Rückgrat wurden dann die einzelnen Ebenen als Stahlfachwerkkonstruktion mit Decken und Wänden eingehängt“, erklärt Peter Kropp. Entlang der Außenfassade finden sich je nach Geschoss die einzelnen Hotelzimmer, ringförmige Erschließungsflure oder attraktive Aufenthaltsbereiche mit Panorama-Aussicht über die Stadt.
Markante Glasfassade
Zentraler Blickfang des Neubaus ist die insgesamt rund 4 000 m² große Glasfassade. Die äußere Hülle der doppelschaligen Konstruktion setzt sich aus gebogenen Glaselementen zusammen, für die Innenschale der zwölf Hotelzimmerebenen verwendeten die Planer 130 gekrümmte Fiberglas-Elemente in blauer Farbigkeit und mit unterschiedlich großen kreisrunden Ausschnitten, die in den Innenräumen ungewöhnliche Ausblicke ermöglichen. Je nach Lage des Zimmers finden sich dabei komplett runde oder lediglich halbkreisförmige Fenster. Ein Teil der Öffnungen ist außerdem nur angedeutet, um so ein sich wiederholendes Muster zu vermeiden und die Lage der Geschosse optisch zu verschleiern. Im Zusammenspiel mit dem 80 cm tiefen Raum zwischen beiden Membranen wurde eine interessante optische Tiefe der Fassade geschaffen, die durch eine atmosphärisch Beleuchtung, durch unregelmäßig aufgedruckte Punktraster sowie durch das aus einzelnen Räumen austretende Licht zusätzlichen Reiz erhält.
Eine abweichende Gestaltung zeigt der doppelgeschossige Sockel des Gebäudes, der lediglich mit seiner einfachen transparenten Glasfassade ausgebildet wurde und dabei deutlich zurückspringt, so dass der Zylinder trotz seiner Höhe gleichsam über der Erde zu schweben scheint. Die beiden oberen Ebenen wurden alternativ mit einer durchgehend transparenten doppelten Glasfassade ausgebildet, um den Besuchern der SkyLounge eine freie Panorama-Aussicht zu ermöglichen
Fassadenkonstruktion
Ursprünglich hätte die Innenfassade der zwölf Hotelzimmerebenen nicht aus Fiberglas, sondern aus Beton bzw. später aus Holz errichtet werden sollen – „aus statischen und energetischen Gründen haben wir uns jedoch in Absprache mit dem Fassadenbauer Octatube für vorgefertigte Elemente aus glasfaserverstärktem Kunststoff entschieden“, blickt Peter Kropp zurück. Die 7 x mal 3,50 m großen und 15 cm dicken Sandwich-Paneele (von Holland Composities) wurden auf der Baustelle direkt an der Stahlträgerstruktur der einzelnen Ebenen montiert und nach innen durch eine Dämmung aus extrudiertem Kunststoff ergänzt. Danach wurden dann die doppelschaligen kreisrunden Fenster der einzelnen Hotelzimmer eingesetzt. „An dieser inneren Fassadenebene konnten dann in einem zweiten Schritt die gebogenen Glaselemente der Außenmembran mit großen Stahlankern aufgehängt werden“, so Peter Kropp weiter. Die jeweils 1,8 x 3 m großen Elemente aus Zweischeiben-Verbundsicherheitsglas (von Innoverre) betonen die elegante Optik des Gebäudes und sorgen für effektiven Schutz gegen Lärm und Emissionen.
Hohe Nachhaltigkeit
Der Neubau überzeugt aber nicht nur ästhetisch, er bietet auch eine hohe Nachhaltigkeit. Neben der doppelten Glasfassade, der Nutzung von Erdwärme und dem Einbau vorgefertigter Deckenelementen aus Beton sorgt dabei auch das begrünte Garagendach dafür, dass das Gebäude inzwischen die begehrte GreenCalc-B-Zertifizierung erhalten hat. Für die Gäste sind diese „inneren Werte“ des Neubaus aber in der Regel eher zweitrangig. Sie staunen eher über die augeklügelte Architektur und über die gehobene Innenraumausstattung. Ein besonderes Element ist dabei der in der SkyLounge, mit Hilfe eines Kranes platzierte, rund 4 m große „Whaletone“-Flügel mit seinem ungewöhnlichen Design in Form eines Schwertwales. Für die entsprechende musikalische Untermalung des Hotelbesuches ist also gesorgt.
Architekten: Benthem Crouwel, Amsterdam Projektteam: Jan Benthem, Peter Kropp, Okke van den Broek, Pieter Rijpstra, Volker Krenz Projektentwicklung: Caransa Groep B.V. Statik: Van Rossum Raadgevende Ingenieurs, Amsterdam Gebäudetechnik: Wichers & Dreef, Badhoevedorp Interior Design: Robert Kolenik, Amsterdam
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