Neubau eines Wohn-Konzepthauses in Slowenien

Das Drinnen im Draußen

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Manchmal müssen einfach verschiedene Faktoren glücklich zusammentreffen, damit ein Plan Wirklichkeit wird. Das Architekturbüro Delugan Meissl Associated hatte sich schon lange mit Wohnmodulen beschäftigt und als den Planern dann ein Grundstück in Slowenien zufiel, entstand endlich das casa invisibile, das unsichtbare Haus im Grünen.

Kay Rosansky

Es ist nie leicht, einen geeigneten Bauplatz zu finden. Und auf ein vorhandenes oder gefundenes Grundstück dann „das richtige“ Haus zu setzen, ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Das Gespür für eine Straße, für ein Quartier, einen Stadtraum oder eine Landschaft zu entwickeln und dann in den eigenen Entwurf einfließen zu lassen, wird allzu häufig individuellen Ansprüchen oder architektonischer Eitelkeit geopfert; zahlreiche Einfamilienhaussiedlungen legen davon beredtes Zeugnis ab. Dabei können die einzelnen Gebäude für sich selbst sehr ansprechend sein, während sich im nachbarlichen Zusammenspiel trotzdem eine schwer erträgliche stilistische Kakophonie einstellt. Es ist wie Erdbeerkuchen und Zwiebelsuppe; beides für sich sehr lecker, aber es sollte nicht unbedingt auf einem Teller angerichtet werden.

Ähnliches gilt für die (Blick-)Beziehungen zwischen innen und außen. Die Ausrichtung eines Hauses, seine geschlossenen und geöffneten Anteile der Fassade, Zuwegung, Versprünge, Dachüberstände, aber auch Grundriss, Raumaufteilung usw. sollten auf die Umgebung eingehen und müssen sich sogar zum Teil aus dieser ergeben. Unter der Umgebung ist die städtebauliche Situation genauso zu verstehen wie die Topografie sowie die klimatischen Gegebenheiten. Wer das Haus Fallingwater (1939) von Frank Lloyd Wright je auf sich wirken ließ, wird verstehen, wie wichtig in der Architektur nicht nur das Was, sondern auch das Wo und das Wie sind. Der genius loci, der „Geist eines Ortes“ kann sich auch aus der Harmonie zwischen einem Gebäude und seiner Umgebung ergeben und uns anrühren wie ein Musikstück oder ein Gemälde.

Natürlich findet das heutige planerische Tagesgeschäft in der Regel unter anderen Vorzeichen statt, als sie in den Dreißigern des letzten Jahrhunderts für Frank Lloyd Wright galten. Dennoch sollte die Optimierung der Verbindung zwischen innen und außen beim Entwerfen eine gewichtige Rolle spielen. Gelingt sie, kann große Architektur entstehen und den Wert eines Gebäudes erheblich erhöhen, und zwar ohne dass deshalb die Baukosten ansteigen müssen.

Drinnen mit Draußen verwebt: Das unsichtbare Haus

Die Architekten von Delugan Meissl Associates haben mit ihrem casa invisibile den oben skizzierten Ansatz um einen völlig neuen Aspekt bereichert.

Allerdings kann ihr Haus auch von ganz anderen Voraussetzungen ausgehen, es ist nämlich mobil und ,leiht‘ sich seine Umgebung nur vorübergehend aus.

Das Büro hatte sich im Zusammenhang mit Wohnbauprojekten schon lange die Frage gestellt, was qualitätvolles Wohnen eigentlich ausmacht. Wie viel Reduktion verträgt ein Entwurf oder anders gefragt, wie breit ist die Grenze zwischen Bedürfnis und Bedarf, und wo verläuft sie? Als den Architekten im österreichisch-slowenischen Grenzland, welches durch Weinbau gekennzeichnet und zunehmend von Künstlern bevölkert wird, ein Grundstück angeboten wurde, war es Zeit, den aktuellen Stand des akademischen Diskurses gebaute Realität werden zu lassen.

Holzkonstruktion mit spiegelnder Haut

Das hier in Rede stehende Ergebnis ist ein 14 720 mm x 3 720 mm großes Raummodul, das sich per Lkw transportieren lässt. Auf diese Weise kann das Haus vollständig unter kontrollierten Bedingungen und so maximal effizient im Werk gebaut und dann zum eigentlichen Bauplatz gebracht werden. Für dauerhafte Installationen sind verschiedene Arten von Fundamenten denkbar. In diesem Fall ist jedoch selbst dieses transportabel; es besteht nämlich aus einem Schraubfundament der Firma Krinner. Dieses wird ins Erdreich geschraubt und gewährleistet sicheren Halt bis zur Bodenklasse VII (schwer lösbarer Fels). Bei Bedarf kann es wieder entfernt werden, ohne Spuren oder Aushub zu hinterlassen.

Die Konstruktion der Casa besteht aus Holz. Die Architekten entschieden sich beim hier gezeigten Prototypen für eine dreischichtige Holzbauplatte, das sogenannte Kreuzlagenholz (KLH). Dieses aus Kärntener Fichten bestehende Baumaterial bestimmt auch den Innenraum, weshalb auf eine astarme Sortierung Wert gelegt wurde. Durch die weiße Lasur entstehen helle Flächen, während der Holzcharakter erhalten bleibt. Auch der Boden besteht aus diesem Material. Der aktuelle Wandaufbau besteht inzwischen aus CLT-Platten (Cross Laminated Timber, der kanadischen Variante des Kreuzlagenholzes), einer Mineralwolldämmung, einer Membran zur Herstellung der Winddichtigkeit, Aluminium-UK-Profilen sowie dem Fassadenmaterial. Die erste Casa war noch ,ungedämmt‘, bei ihr sorgt lediglich das Kreuzlagenholz für ein angenehmes Raumklima, ähnlich dem eines Blockhauses.

Die Außenhaut des Hauses besteht aus der Aluminiumverbundplatte Alucobond von 3A Composites. Die spektakulären Spiegelungen werden von der Oberfläche NaturAL Reflect erzeugt. Für diese Materialwahl sprachen verschiedene Aspekte: Zunächst muss eine spiegelnde Fassade absolut planeben sein, um störende Verzerrungen zu vermeiden, welche den gewünschten Effekt konterkarieren würden. Außerdem muss die Fassade sehr unempfindlich gegen Verschmutzung sein, um ihre Wirkung zu behalten, was zur Freude der mit dem Material erfahrenen Architekten der Fall ist:

„Bis jetzt hat immer ein kräftiger Regen ausgereicht, um die Fassade sauber zu halten.“

Darüber hinaus würden sichtbare Befestigungen das (Spiegel-)Bild trüben. Die Aluminiumverbundplatten lassen sich aufgrund ihres geringen Flächengewichtes mithilfe einer konstruktiven Verklebung montieren. Und schließlich ermöglichte die genaue Formbarkeit der Platten das beeindruckende Äußere des kleinen Gebäudes, das den Entwurfsgedanken ohne Verwerfungen oder Schüsselungen und stattdessen mit einer äußerst präzise ausformulierten Silhouette widerspiegelt.

www.suedsteiermarkwissen.com/der-grenztisch/

Architekten:

Delugan Meissl Associated Architects, Wien

www.dmaa.at

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