Deutscher Tag der Architektur

Architektonische Meisterwerke rund um die Welt

In Deutschland findet am 24. und 25. Juni 2017 wieder der bundesweite „Tag der Architektur“ statt. Die Architektenkammern der Bundesländer präsentieren hier zeitgenössische Bauten einem breiten Publikum. Der Wahrheitsgehalt des diesjährigen Mottos „Architektur schafft Lebensqualität“ und die Relevanz von Bauwerken für die Stadt- und Kulturgeschichte zeigen sich auch außerhalb des Aktionstags-Programms durch architektonische Meisterwerke rund um die Welt: Von Weltbad-Architektur zu Bauhaus, von trutzigen Lehmfestungen über grüne Pflanzenhäuser bis zu modernsten Design-Projekten – die Beschäftigung mit der Architektur eröffnet Reisenden einen besonderen Einblick in die Kultur und Gesellschaft des Reiseziels.

Bad Kissingen: Weltbad-Architektur von Max Littmann und Friedrich von Gärtner
Bad Kissingen ist bekannt für seine prachtvollen Kurbauten, die unter den Wittelsbacher Herrschern entstanden sind und noch heute das Stadtbild prägen. Regenten- und Arkadenbau, Maxbrunnen, Wandelhalle, Ludwigsbrücke und Kurtheater – die Gebäude trugen maßgeblich zum Aufstieg Bad Kissingens vom kleinen Kurstädtchen zum Badeort auf Weltniveau bei. In der Stadt befindet sich das größte zusammenhängende Ensemble an Bauten des Münchner Star-Architekten Max Littmann, der beispielsweise auch das Hofbräuhaus und das Münchner Prinzregententheater entwarf. Mit der größten Wandelhalle Europas und dem Regentenbau, dem zentralen Wahrzeichen Bad Kissingens, schuf Littmann ein einzigartiges Gesamtkunstwerk. Ihm zu Ehren wurde der Festsaal im Regentenbau „Max-Littmann-Saal“ genannt. Der 36 Meter lange und 16 Meter hohe Saal mit Täfelung aus Kirschbaumholz zählt aufgrund seiner perfekten Akustik nach einem aktuellen Ranking zu den fünf besten Konzertsälen der Welt. Heute widmet sich die 90-minütige Themenführung „Weltbad-Architekten in Bad Kissingen“ den berühmten Baumeistern – neben Littmann auch Friedrich von Gärtner –, die Bad Kissingen geprägt haben.

China/Fujian: Trutzige Lehmfestungen der Hakka
Die Volksgruppe der Hakka errichtet seit dem 12. Jahrhundert vor allem in der südostchinesischen Provinz Fujian große, mehrere Stockwerke hohe Häuser. Die „Tulou“ waren rund oder rechteckig und boten bis zu 800 Menschen Wohnraum. Die Wände bestanden aus gestampftem Lehm, der zur Verstärkung unter anderem mit Steinen, Holz und Bambus vermischt wurde. Die unteren Stockwerke waren mit wenigen Fenstern und nur einem einzigen, stark gesicherten Eingang versehen. Dadurch wurde das Gebäude zu einer Festung, die durch die Schießscharten in den oberen Stockwerken gut zu verteidigen war. Die Volksgruppe der Hakka ist in weiten Teilen Südchinas verbreitet und auch in andere Länder Asiens ausgewandert, doch die befestigten Häuser wurden fast ausschließlich in einer begrenzten Region in Fujian errichtet und können hier noch heute besichtigt werden. Im Jahr 2008 wurden die Bauwerke wegen ihrer Einzigartigkeit in die Unesco-Welterbeliste als architektonische Meisterwerke aufgenommen. Auf der Rundreise „China für Entdecker“ des Spezial-Reiseveranstalters China Tours besuchen Gäste die Dörfer der Hakka.

Israel/Tel Aviv: Bauhaus am Mittelmeer – die „Weiße Stadt“
Tel Aviv ist heute die Stadt mit der größten Anzahl an Gebäuden im Bauhaus-Stil weltweit – die Sammlung von über 4.000 Bauwerken im Bauhaus- und Internationalen Stil wird auch die „Weiße Stadt“ genannt und gehört seit 2003 zum Unesco-Welterbe. In den 1930er Jahren hatten Immigranten aus Europa den Architekturstil in der Stadt am Mittelmeer etabliert. Mit dem schlichten Stil wandten sie sich vom dekorativ-üppigen Jugendstil ab und schufen gleichzeitig erschwinglichen Wohnraum für die schnell wachsende Stadt. Eines der gut erhaltenen und öffentlich zugänglichen Bauhaus-Wahrzeichen ist das heutige „Cinema Hotel“, das 1938/1939 als Kino erbaut wurde und als erstes Gebäude in Tel Aviv über eine Klimaanlage verfügte. Der erste Film, der im „Esther Cinema“ des Architekten Yehuda Magidovich (1886–1961) aus der Ukraine gezeigt wurde, war Disneys „Schneewittchen“. Seit 1998 fungiert das Haus als Hotel. Noch heute erinnern Zeitzeugen wie Filmrollen, Kinositze und Projektoren an das einstige Filmtheater. Im Bauhaus Center Tel Aviv erfahren Architektur-Interessierte in Ausstellungen und bei Führungen alles über die Weiße Stadt.

Island/Reykjavík: Harpa – Musik und Kunst im Einklang mit nordischer Natur
Das isländische Konzerthaus und Konferenzzentrum Harpa im Herzen Reykjavíks besticht durch den für die nordatlantische Insel charakteristischen klaren Architekturstil. Über 40 Meter hoch ragt der von dem isländischen Architekten Olafur Elíasson und der dänischen Architektenfirma Henning Larsen Architects entworfene Bau in den isländischen Himmel. Elíasson designte die hauptsächlich aus Glas bestehende Außenfassade der Harpa in Anlehnung an das bunte Farbenspiel des nordischen Himmels: Er setzte Farbeffektglas ein, welches durch Beleuchtung, Sonneneinstrahlung und Blickwinkel seine Farbe ändert und so verschiedene Stimmungen erzeugt. Im Inneren des Gebäudes befinden sich vier Konzertsäle sowie ein Konferenzzentrum. Das Haus gewann bereits mehrfach Auszeichnungen wie den Mies van der Rohe Architekturpreis. Täglich können Besucher das Gebäude auf geführten Touren erkunden.

Italien/Trentino: Das MUSE verbindet Wissenschaft und Architektur
Die besonderen Formen und Flächen des MUSE, des Naturwissenschaftlichen Museums der Stadt Trento, fallen Besuchern schon von Weitem auf: Nach oben gerichtete Linien mit schrägen Dachflächen, die an die umliegenden Berggipfel der Dolomiten erinnern, und große Glaswände, die wie Gletscher Licht und Farben widerspiegeln, machen das vom Startarchitekten Renzo Piano entworfene Gebäude zum architektonischen Highlight. Auf 20.000 Quadratmetern vereint das im Jahr 2013 eröffnete Museum Ausstellungsräume, ein Tropenhaus, Shops und Cafés. Beim Bau wurde großer Wert auf eine nachhaltige Gestaltung gelegt: Der Gebrauch von Naturmaterialien, der Einsatz von Solarpaneelen und der Bau einer energiesparenden Kraft-Wärme-Kopplungsanlage verhalfen dem Gebäude zur Umweltzertifizierung LEED Gold. Einen Bezug zur Landschaft und zur Geschichte des Trentino schaffen die im Bau verwendeten und aus der Region stammenden Materialien Holz, Glas, Stein, Zink, Aluminium und Stahl.

Litauen/Kairėnai – Grüner Säulen-Bau im botanischen Garten
Grüne Architektur in Litauen – das Verwaltungsgebäude des Botanischen Gartens der Vilnius University in Kairėnai ist ein außergewöhnliches Beispiel für architektonische Meisterwerke. In der Sowjetzeit ursprünglich als Silikat-Ziegel-Wohnhaus erbaut, dient es heute als ein Pflanzengewächshaus. Besucher lassen sich von der Vielseitigkeit des kompakten Raumes faszinieren, besonders von den vielfältigen bautechnischen Lösungen. Die südliche Mauer verfügt über ein transparentes Gewächshaus für die Mikrovermehrung und Pflanzenforschung, während der Hauptteil des Gebäudes den Laboratorien gewidmet ist. Um das Gebäude ganzjährig grün zu halten, umschließen es bepflanzte Säulen. Von der grünen Aussichtsplattform auf dem Dach haben Gäste einen weitläufigen Ausblick auf das wachsende Labyrinth und den Botanischen Garten.

Südkorea/Seoul: Turm der Rekorde
Erstklassige Adresse für Übernachtungen, Shopping-Mall, Event-Location und ein kleines bisschen Nervenkitzel: Seit März 2017 befindet sich mit dem Lotte World Tower eines der höchsten Hochhäuser der Welt in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Südlich des Han-Flusses ragt das 556 Meter hohe Gebäude mit 123 Stockwerken und einer Gesamtfläche von über 500.000 Quadratmetern in den Himmel. Neben Wohnungen, Büros und Einkaufszentrum mit Kino und Konzerthalle beherbergt der imposante Turm das Lotte Hotel Signiel. Für einen kleinen Adrenalinschub sorgt die weltweit höchste Aussichtsplattform mit Glasboden, „Seoul Sky“, im 118. Stock. Sie ist gleichzeitig die dritthöchste der Welt. Selbst der Fahrstuhl zur Plattform bricht Rekorde: Der Sky Shuttle Elevator ist mit 600 Meter pro Minute der schnellste Doppeldecker-Fahrstuhl weltweit, zudem ist er der Fahrstuhl mit der längsten Fahrstrecke.

USA/Boston: Loews Boston Hotel im ehemaligen Polizeihauptquartier aus der Prohibitionszeit
Das ehemalige Hauptquartier der Polizei von Boston im historischen Stadtteil Back Bay ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Erbaut 1925 inmitten der Prohibition und bezogen 1926, diente das an den italienischen Renaissance-Stil angelehnte Kalkstein-Gebäude bis 1997 als Zentrale des Boston Police Departments. Im Jahr 1978 hatte der Haupteingang des siebenstöckigen Hauses einen kurzen Hollywood-Auftritt im Thriller „The Brink’s Job“ mit Peter Falk, das den Bostoner Jahrhundertraub im Sicherheitsunternehmen Brinks auf die Leinwand brachte. Unter dem Motto „Room to be free“ nächtigen seit 2004 Hotelgäste des Loews Boston Hotel im ehrwürdigen Polizeiquartier – und im Gegensatz zur Zeit der Errichtung freiwillig und höchst komfortabel. Das Hotel verfügt heute über 222 Zimmer, zwei Luxus-Suiten und eine weitläufige Präsidentensuite.