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Ausgabe: 6/2009 | Seite: 26-29 Gestaltungselement Fensterrahmen
Absichtsvolle Öffnung Fenster werden in erster Linie unter den Aspekten des Lichteinfalls, des Schall- und Wärmeschutzes sowie eventuell der Sicherheit geplant. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass der Fensterrahmen auch Teil der Gestaltung ist. In Form und Farbe designorientierte Fensterprofile können die Gebäudeansicht wesentlich mitprägen.
Rein quantitativ nach der Fläche betrachtet haben die Fensterrahmen meist nur einen geringen Anteil an der Fassade. Je nach Bauweise überwiegen entweder geschlossene Bereiche mit Putzen bzw. Bekleidungen oder bei Glasfassaden die transparenten Flächen. Dementsprechend wird die Ansichtscharakteristik eines Gebäudes primär von diesen Bauteilflächen in ihrer Materialität und Farbe bestimmt.
Der kleinteilige Fensterrahmen erscheint auf den ersten Blick untergeordnet, als optische Zugabe, als Accessoire. In dieser Eigenschaft sollte er jedoch keinesfalls gering geachtet werden.
Die Baugeschichte zeigt, welche architektonische Bedeutung die Grenzfläche zwischen Mauerwerk und der Verglasung hat. Die Gewände oder Leibungen an Fenstern (oder Türen) wurden historisch meist mit einem anderen Material und/oder einer anderen Oberflächenbearbeitung ausgeführt.
Struktur und Rhythmus verleihen
Seit der Romanik finden sich immer wieder Beispiele, bei denen die Flächen rund um die Fenster mit enormem künstlerischem Aufwand als repräsentative Bauteile ausgebildet sind, häufig auch aus Naturstein. Teilweise bilden die Einfassungen der Fenster und Portale die Hauptschmuckelemente auf einer ansonsten einfach und glatt verputzten Fassade.
Mit solchen Gestaltungen verliehen die historischen Baumeister großen Ansichtsflächen Struktur und Rhythmus. Sie betonten den Übergang von der einen Materialität (Putz) zur andern (Glas). Das Fenster wirkt nicht mehr wie ein unvermitteltes „Loch“ in der Fassade, sondern präsentiert sich als absichtsvolle und gestaltete Öffnung.
Der Blick wird abgelenkt von den farblich oft wenig attraktiven Glasflächen. Denn die Ansicht von Fensterglas variiert zwar mit den Witterungs- und Lichtverhältnissen, zu vielen Tageszeiten erscheinen die Flächen jedoch von außen einfach nur dunkel und gewissermaßen leblos.
Auch als mit der im 19. Jahrhundert einsetzenden Industrialisierung die normale Alltagsarchitektur deutlich einfacher wurde, etwa beim Bau von Mietskasernen oder Fabrikgebäuden, lebte die Erinnerung an das Fenstergewand aus Naturstein zunächst noch fort.
So sind die Fenster vieler Häuser der Gründerzeit mit aufgesetzten Stuckelementen aus industrieller Massenproduktion nach Katalog eingefasst. Und wenn auch dafür das Geld nicht vorhanden war, wurde das alte Gewand wenigstens durch einen Wechsel in der Putzstruktur angedeutet.
Gestaltung des Übergangs
Die heutige Architektur verzichtet bei Lochfassaden oft völlig auf eine Betonung der Fenstereinfassung. Dafür mag das Bedürfnis nach klaren Linien und ungestörten Flächen in der Fortführung der Bauhaustradition verantwortlich sein. Ebenso das Bestreben nach gestalterischer Ehrlichkeit: Ein aufwändig gestaltetes Fenstergewand hat nun einmal bei vorgehängten Platten oder zentimeterdicken Dämmungen keine Funktion mehr, es wäre die reine Verzierung. Aber selbst da, wo klassische Putzfassaden ausgeführt werden, bleibt die architektonische Durchbildung der Fenstereinfassung ein Kostenfaktor und wird deshalb oft unterlassen.
Trotzdem muss der Planer nicht auf eine Gestaltung des Übergangs von der Wand zur Verglasung verzichten. Denn das anspruchsvolle Gewand früherer Jahrhunderte hat einen zeitgemäßen Erben: Das designorientierte, eventuell auch farbig gestaltete Profil des Fensterrahmens. Er kann die abgrenzende Funktion des Gewandes bei klassischen Lochfassaden zumindest teilweise übernehmen. Auf großen Verglasungen oder Ganzglasfassaden ist er sogar das einzige Gestaltungsmittel, das den großen ungestörten Flächen Textur und Rhythmus verleiht. Damit steht er als modernes Bauelement in direkter Tradition zur strukturgebenden historischen Fenstereinfassung.
Das Design des beweglichen Flügelrahmens und des feststehenden Blendrahmens wird von verschiedenen Elementen beeinflusst. So ist für die Außenansicht des Fensters beispielsweise die Flächengeometrie beider Rahmenbestandteile wichtig. Den einfachen Standard stellt die versetzte Anordnung von Blendrahmen und Flügel dar, bei der der Flügel an einer äußeren Anschlagdichtung anliegt. Die dabei entstehende, gut sichtbare Versatzkante lässt sich verhindern, wenn ein flächenbündiges Fenster verwendet wird, bei dem Blend- und Flügelrahmen im geschlossenen Zustand eine Ebene bilden.
Ein zweites Stilelement ist die Kontur der Fensterprofile. In der einfachsten Ausführung sind die Profile zumeist mehr oder minder eckig, wobei die Ecken durch leichte Abrundungen oder Abschrägungen in ihrer optischen Wirkung abgemildert sein können. Daneben bieten viele Hersteller auch betont angeschrägte oder abgerundete Designs ab, die sanftere Übergänge zwischen den Ebenen des Fensters ergeben und die einzelnen Stufen optisch glätten.
So spannend diese Gestaltungsvarianten auch sind, so kommen sie doch erst bei der Betrachtung aus relativer Nähe zur Geltung. Stärker auch in der Ansicht von weitem wirken hingegen farbige Fensterprofile, die einen markanten, deutlich abgesetzten Übergang zwischen der Verglasung und der Wand erzeugen.
Betonung oder Rücknahme mit Farbe
In der Regel kann jeder RAL-Farbton für den Rahmen bestellt werden, wofür allerdings ggf. mit Aufpreisen und längeren Lieferzeiten gerechnet werden muss. Gängige und viel gefragte Farben sind aber auch innerhalb von Standardsortimenten zu beziehen. Es überwiegen hier erdige, eher gedeckte Designs in anthrazitfarbenen, grauen, braunen und teilweise auch grünen Tönen. Diese Auswahl folgt dem bekannten Gestaltungsgrundsatz, wonach Farbigkeit nicht unbedingt Buntheit heißen müsse.
Zwar kann es im Einzelfall bei einem Projekt sinnvoll sein, den Rahmen mit einer starken und außergewöhnlichen – eben bunten – Farbe vom Rest des Gebäudes abzusetzen. In den meisten Situationen dürfte es jedoch eher um einen dezenten Farbunterschied gehen, der die Rahmen und ihre begrenzende Funktion elegant unterstreicht, aber nicht extrem hervorhebt. Unter diesem Aspekt kann selbst ein Cremeweiß oder eine andere Pastellfarbe schon einen deutlichen gestalterischen Gewinn gegenüber Reinweiß darstellen.
Für Gebäude mit Metallfassaden sowie –dächern oder auch für dunkle Klinkerfassaden bieten sich beispielsweise graue Fensterrahmen an. Mit solchen Mitteln kann der Fensterrahmen sowohl betont, aber ganz bewusst auch zurückgenommen werden. Farbe muss also nicht nur nicht bunt und auffällig, sie kann im konkreten Fall sogar unauffälliger als etwa Weiß sein.
Farbe und Material
Farbige Fensterprofile können in allen gängigen Materialien bezogen werden. In der Regel ist auch eine unterschiedliche Färbung der Innen- und der Außenseite möglich.
Holzfenster werden nach der Tauchimprägnierung beim Hersteller mit lasierenden oder deckenden Beschichtungen überzogen. Die Farbgebung muss bei Holzfenstern in bestimmten Zyklen erneuert werden, wobei deren Länge nicht pauschal anzugeben ist, sondern von der Einbau- und Bewitterungssituation abhängt. Moderne Beschichtungssysteme reduzieren jedoch den früher üblichen Wartungsaufwand erheblich.
Fensterprofile aus Aluminium können mit matten und glänzenden Farben lackiert oder aber eloxiert werden. Beim Eloxieren wird auf der Profiloberfläche eine harte Oxydschicht erzeugt, die das Aluminium hermetisch von der Luft abschließt und somit gegen Korrosion schützt. Die Eloxalschicht lässt sich in verschiedenen Farbtönen ausführen und zusätzlich speziell behandeln, etwa bürsten. Der metallische Charakter bleibt in jedem Fall erhalten. Lackiert wird beispielsweise mit einer gefärbten Pulverschicht, die nach dem Einbrennen eine geschlossene Schutz- und Ansichtsschicht bildet. Selbst Aluminium in Holzoptik ist heute darstellbar.
Kunststofffenster werden überwiegend aus PVC hergestellt und hauptsächlich auf zwei Wegen farbig gestaltet. Entweder wird bei der Produktion durchgefärbtes Acryl auf den PVC-Grundkörper coextrudiert, wobei sich beide Materialien innig und unlösbar miteinander verbinden. Es entsteht eine seidenmatte, farbige Profilaußenfläche, die Witterungseinflüssen problemlos standhält. Der andere Weg ist das Kaschieren des Fensterprofils in einem gesonderten Arbeitsgang nach der Extrusion mit einer geeigneten Folie. Die verwendeten Folien können neben der Farbe auch Oberflächenstruktur aufweisen, wodurch Kunststofffenster mit verblüffend echt wirkender Holzmaserung möglich werden.
Eine Sonderform der Oberflächengestaltung sind Fenster mit einer außenseitigen Aluminiumschale, die es sowohl für Kunststoff- als auch für Holzprofile gibt. Sie vereinen die Witterungsbeständigkeit des Aluminiums mit den wärmetechnischen Vorteilen ihres jeweiligen Kernmaterials.
Sekundärstruktur mit Sprossen
Ein weiteres Mittel der Gestaltung des Fensters durch seinen Rahmen ist die Teilung durch Sprossen. Aus technischer Sicht ist der Einsatz derartiger Glasteilungen für viele Fenster zwar nicht mehr erforderlich, je nach Art der Architektur und Zweck des Bauwerks gehören Sprossen aber zum vertrauten Bild und den lange tradierten Sehgewohnheiten. Außerdem darf auch ihr Anteil an der Strukturgebung auf großen Flächen nicht unterschätzt werden. Dies gilt sowohl für die äußere Gesamtansicht der Fassade als auch für den Ausblick von innen bzw. den Fensteranblick von innen.
Innerhalb des Isolierglases positionierte Sprossen erhalten den Reinigungskomfort moderner Fenster, wirken aber in der Ansicht nur bedingt wie „echte“ Sprossen. Diesem Eindruck kommen aufgesetzte Sprossen mit innenliegendem Spezialprofil schon näher. Diese auch als Wiener Sprosse bezeichnete Lösung bietet die klassische Optik in einer kostengünstigen Variante. Bei sehr exklusiven Ansprüchen kann selbstverständlich auch mit tatsächlich glasteilenden Sprossen gearbeitet werden.
www.proholzfenster.de (Initiative ProHolzfenster e.V.)
www.gkfp.de (RAL-Gütegemeinschaft für Kunststoff-Fenstersysteme)
www.window.de (Verband der Fenster- und Fassadenhersteller e.V. und Gütegemeinschaft Fenster und Haustüren e.V.)
Markus Hoeft
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Quelle: bba bau beratung architektur
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